11. Sep 2009   Recht

Hedgefonds setzen auf etablierte Anlageformen und Selbstkontrolle statt auf mehr Aufsicht

London/Brüssel/Wien. Den geplanten strengeren Regeln für Hedgefonds erteilen die europäischen Branchenvertreter zugunsten von Selbstkontrolle eine Absage: Statt als Heuschrecken wollen die europäischen Hedgefonds künftig als freiwillig hochtransparente Anlagevehikel gelten. Das Instrument der Wahl ist der bereits 1985 im europäischen Recht verankerte Fonds vom Typ UCITS-III. Erst seit heuer wird er voll ausgenützt.

Derzeit stehen schärfere Regelungen für die Finanzbranche weltweit hoch im Kurs. Doch auf die Ankündigung eines schärferen EU-Regelwerks für Hedgefonds haben deren Manager mit Protesten reagiert. Nach der Drohung der Industrie, sogar einen breiten Abzug aus der EU zu erwägen, scheinen sich die Heuschrecken nun freiwillig stellen zu wollen, berichtet pressetext (pte): So entdecken die Anbieter altbewährte Produktformen wieder, die bereits in gültigen EU-Regeln verankert sind. Die 1985 in europäischem Recht verankerten UCITS-III-Fonds sollen nicht nur durch ihre Transparenz, sondern auch durch Solidität konservative Investoren an den Spieltisch zurücklocken, die sich von den Turbulenzen der Finanzkrise abschrecken ließen.

„Der absolute Renner“

„UCITS-III-Fonds sind momentan der absolute Renner und verkaufen sich ausgezeichnet“, meint Martin Greil, Generalsekretär der Vereinigung Alternativer Investments (VAI) im Gespräch mit pressetext. Die Möglichkeit, sie zu handeln, hätte schon früher existiert, werde aber erst in diesem Jahr von allen Anbietern genutzt.

Dem Experten zufolge sind die Produkte ohnehin streng reguliert. Die Hedge Fonds würden sich in diese strenge Regulierung begeben, obwohl die von der EU-Kommission angekündigten Richtlinien im Zuge der Finanzkrise noch nicht erlassen wurden. Allerdings, so die Kritiker der UCITS, können die Produkte ohne Rücksicht auf regionale Regelwerke in der gesamten EU vertrieben werden. Die Fonds sind zudem vom aktuellen Richtlinienentwurf ausgenommen, der alternative Investments stärker regulieren soll. „Es hat sich erwiesen, dass der vorgeschlagene Entwurf nicht haltbar war und Änderungen bedarf. Bis die Regeln politisch umgesetzt werden können, ist noch ein langer Weg“, erklärt Greil. So könne der Erlass bis zu vier Jahre auf sich warten lassen.

Ein unmittelbarer Abzug der Hedge-Fonds-Industrie sei demnach nicht zu erwarten. „Die Drittstaatenproblematik besteht jedoch nach wie vor“, betont Greil. Bleibt es dabei, werde es „zweifellos“ zu Standortwechseln kommen. So würden Anbieter etwa aus den USA oder der Schweiz diskriminiert, Anleger könnten in ihre Fonds nicht investieren.

Instrument kommt zu späten Ehren

Bei den UCITS (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities; zu deutsch: OGAW – Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren) handelt es sich um die europäische Regelstruktur für ein Investmentinstrument, das im gesamten EU-Raum vermarktet werden kann. Die Fonds sind im Sinne der Risikostreuung darauf ausgerichtet, sowohl in Derivate als auch in weniger riskante Aktien zu investieren. Ursprünglich waren sie in erster Linie für Kleinanleger gedacht. Der „Financial Times“ zufolge werden UCITS den Anlegern nun mit den Argumenten einer höheren Transparenz, eines regulären Zugangs zu ihrem Geld und einer größeren Sicherheit bei der Bewertung des Ausfallrisikos angetragen. (pte)

Link: Vereinigung Alternativer Investments (VAI), Österreich

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