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Mobilfunker suchen Tarif jenseits der Flatrate: Verbrauchsabhängigkeit bringt Chancen und Gefahren

Frankfurt/London. Die Flatrate-Tarife in Mobilfunknetzen könnten international vor dem Aus stehen, heißt es bei der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Eine internationale Umfrage der Kanzlei zeigt den Wunsch der Anbieter nach einer verbrauchsabhängigen Auspreisung – vor allem wegen des Smartphone-Booms. Daraus ergeben sich neue Chancen und Risiken für die Mobilfunkmärkte.

Führungskräfte in Mobilfunkunternehmen weltweit sehen die Entwicklung neuer Tarifmodelle als eine der zentralen Herausforderungen ihres Geschäfts in den kommenden drei Jahren und planen dabei auch eine Abkehr von den verbreiteten Flatrate-Tarifen, so Freshfields.

Ziel sei unter anderem die Entlastung der bestehenden Netze und die Suche nach besseren Refinanzierungsmöglichkeiten für Investitionen in die geplanten breitbandigen Mobilfunknetze der nächsten Generation, etwa auf Basis der künftigen LTE-Technologie.

Die Umfrage wurde im Juni 2010 unter 391 Vertretern des Senior Managements der Mobilfunkbranche aus 55 Ländern zu den künftigen sektorspezifischen Herausforderungen durchgeführt (Mobile Challenges Survey 2010).

Zu den Teilnehmern der Umfrage gehörten Entscheidungsträger von Soft- und Hardwareanbietern, Netzausrüstern, Anbietern integrierter Festnetz- und Mobilfunkdienste, Mobilfunknetzbetreibern sowie Anbietern von Mehrwertdiensten und mobilfunkgestütztem Content.

Flatrate bremst Umsatzsteigerungen

Fast die Hälfte (47 Prozent) der befragten Mobilfunkmanager sehen demnach durch Modelle mit All-Inclusive-Flatrate-Endkundendatentarifen den Spielraum für Umsatzsteigerungen eingeschränkt, und 55 Prozent erwarten, dass Mobilfunknetzbetreiber in den reifen Märkten in Zukunft volumenabhängige Tarife einführen werden.

Die Mehrheit der befragten Mobilfunkmanager (55 Prozent) ist zudem überzeugt, dass sich die aktuelle Diskussion um die Frage der Priorisierung bestimmter Datendienste unter Abkehr vom bisherigen Modell der Netzneutralität einschließlich der damit verbunden kommerziellen Aspekte weiter intensivieren wird.

Zur Begründung verweisen die Befragten unter anderem auf die hohen Kosten für die Finanzierung der anstehenden Next-Generation-Netze (44 Prozent) und die Sicherstellung ausreichender Backbone-Kapazitäten für die zukünftige Traffic-Lasten (37 Prozent).

Mehr als 60 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass neue Tarifmechanismen dazu beitragen können, das Problem der exponentiell steigenden Netzbelastung aufgrund datenintensiver Mobilfunknutzungen (v.a. Smartphones mit Internetverbindung) zu entschärfen.

Die Einnahmen der Zukunft

Als wichtigste Einnahmequellen aus diesem Datenverkehr in den nächsten drei Jahren erwarten die Mobilfunkmanager

  1. Downloads von Applikationen (37 Prozent),
  2. Voice-Downloads (36 Prozent)
  3. Video-Downloads (32 Prozent)

Anders sieht das Bild in weniger entwickelten Wachstumsmärkten aus. Hier halten 78 Prozent der befragten Mobilfunkmanager das Angebot einfacher Voice- und Datentarife für wirtschaftlich rentabler.

Thomas Tschentscher, Mobilfunk-Spezialist der Sektorgruppe TMT bei Freshfields Bruckhaus Deringer in Deutschland: „Die Umfrage belegt, dass Mobilfunkanbieter weltweit planen, ihre Tarifstrategien neu zu gestalten, um ihre Umsatz- und Gewinnziele in einem dynamischen Marktumfeld abzusichern.“

Link: Freshfields Bruckhaus Deringer

 

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