18. Okt 2010   Recht

Wiener Rechtsanwaltskammer feiert 160 Jahre

Karl Hempel, Michael Auer, Martin Selmayr © RAK Wien / Helmrich

Wien. Die Rechtsanwaltskammer Wien lud unter dem Titel „Zukunft des kontinentaleuropäischen Rechts“ ins Palais Niederösterreich, um ihr 160jähriges Bestehen zu feiern.

Anwesend waren Vertreter nationaler und internationaler Rechtsanwaltskammern sowie RAK Wien-Mitglieder und Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft.

Unter ihnen waren Brigitte Bierlein, Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofs, Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Gerhard Benn-Ibler, Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertages und Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin des 1. Wiener Gemeindebezirks.

Prof. Martin Selmayr (Europäische Kommission, Kabinettchef der Justizkommissarin Viviane Reding) und Hon. Prof. Karl Hempel, Präsident des juridisch-politischen Lesevereins, waren als Festredner geladen, heißt es in einer Aussendung.

„Unionsrecht kennen und verstehen“

„Die Feier widmet sich schwerpunktmäßig nicht der Vergangenheit und Tradition, sondern der Zukunft des kontinentaleuropäischen Rechts. Rechtsanwälte sind heute zur Kenntnis des Europäischen Unionsrechts verpflichtet, welches im Wesentlichen auf einem Aktionsplan der Europäischen Kommission für die nächsten fünf Jahre basiert. Wesentliche Teile dieses Aktionsplans sind unter anderem der Schutz der Grundrechte, die Förderung der Rechte der Bürger, die Stärkung des Vertrauens in den Europäischen Rechtsraum sowie die Solidarität und Verantwortung als Richtschnur unseres Handelns“, so Michael Auer, Präsident der Rechtsanwaltskammer Wien.

Prof. Martin Selmayr legte in seinem Vortrag die künftigen Herausforderungen und Schwerpunkte für Europas Justizpolitik dar: „Europa ist heute mehr als ein gemeinsamer Markt. Es ist auch eine Rechts- und Wertegemeinschaft. Über die Einhaltung der europäischen Regeln wacht die EU-Kommission. Für die wirksame Anwendung auf nationaler Ebene bedürfen wir aber der tatkräftigen Mithilfe der Rechtsberufe, vor allem der Rechtsanwaltschaft.“

Neue Herausforderungen

Den Herausforderungen einer Rechtsanwaltskammer als Teil der Zivilgesellschaft widmete sich Karl Hempel in seiner Rede: „Die Rechtsanwaltschaft erfüllt durch die Rechtsanwaltskammern, die für alle Mitglieder des Berufsstandes sprechen, ihre dem öffentlichen Interesse dienende Aufgabe, Mängel der Rechtspflege und Verwaltung aufzuzeigen und durch Vorschläge auf ihre Verbesserung hinzuwirken.“

Durch die Teilnahme Österreichs am Binnenmarkt haben sich für die Rechtsanwaltschaft wesentliche Erweiterungen ihrer Dienstleistungen ergeben, sagte er: „Rechtsanwälte sind >Erste Vermittler< des Europarechts und tragen zu dessen Anerkennung, Verwirklichung und Weiterentwicklung vor allem in den Verfahren vor den Europäischen Gerichten bei.“

Die Rechtsanwaltskammer Wien ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und nimmt als autonome Behörde die Verwaltungsaufgaben für rund 3.500 Mitglieder wahr; sie ist damit die mit Abstand größte österreichische Rechtsanwaltskammer.

Link: Rechtsanwaltskammer Wien

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