15. Nov 2010   Recht

Bestatter im Visier der Bundeswettbewerbsbehörde: Behörde erläutert Hintergründe

Wien. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat vor kurzem eine Branchenuntersuchung des Bestattergewerbes in Österreich eingeleitet. Nun werden die Gründe erläutert: „Durch die Liberalisierung 2002 ist es zwar anfangs zu einer Öffnung des Marktes gekommen. In den letzten Jahren dürfte sich das jedoch wieder zum Nachteil der Verbraucher geändert haben“, so BWB-Generaldirektor Theodor Thanner in einer Aussendung.

In einem Fall hat die BWB bereits Maßnahmen ergriffen, um städtische Bestattungs-Monopolisten zu mehr Wohlverhalten zu zwingen.

Die Liberalisierung der Bestatterbranche bestand seinerzeit in der Abschaffung der Bedarfsprüfung (Novellierung der Gewerbeordnung) für die Erlangung einer Gewerbebefugnis. Die BWB prüfe nun in ihrer Sektoruntersuchung, ob seit der Liberalisierung wirklich fairer und freier Wettbewerb herrscht, stellt die Behörde fest.

Im Kernbereich der Untersuchung der BWB steht die Frage, ob alternative Anbieter offenen und fairen Zugang zu Friedhöfen und Friedhofseinrichtungen, z.B. Aufbahrungshallen, erhalten. Aufbahrungen dürfen nämlich nur in Aufbahrungshallen erfolgen, so die BWB: „Friedhöfe und Aufbahrungshallen gehören jedoch oftmals den ehemaligen Monopolisten (z.B. gemeindeeigene Betriebe), die neue Anbieter beim Zugang zu diesen Einrichtungen behindern (können) oder ihnen den Zugang ganz verweigern (können). Oft genügt bereits die Unsicherheit, ob freier Zugang zu derartigen Einrichtungen besteht, um kleinere Anbieter zu behindern.“

Nicht nur Theorie

In einem konkreten Beschwerdefall in einer Kleinstadt hat die BWB bereits 2006 faire Zugangsbedingungen für private Anbieter von Bestattungsdienstleistungen erwirkt.

Derzeit gibt es in Österreich 580 Bestattungsunternehmen; ihre Zahl hat jedoch in den letzten Jahren wieder abgenommen. Die durchschnittlichen Kosten einer Bestattung bewegen sich zwischen 3500 und 4500 EUR, wobei die Kremations- und Friedhofskosten den weit überwiegenden Teil ausmachen.

In einigen Gebieten „verfügen die Exmonopolisten de facto nach wie vor über ein Monopol“, formuliert es die BWB:. So betreibt die gemeindeeigene Friedhöfe Wien GmbH 46 der insgesamt 55 Wiener Friedhöfe. Gemeinsam mit ihrem Schwesterunternehmen Krematorium Wien GmbH hält sie im Raum Wien einen Marktanteil von über 95%.

Die Genehmigung einer Privatbegräbnisstätte (Bestattung bzw. Aufbewahrung einer Urne auf einem Privatgrundstück) hingegen ist einfach zu erhalten und mit ganz geringen Kosten verbunden, so die Behörde.

Link: BWB

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