18. Nov 2010   Recht

Immobilien-Anwälte Alfred Nemetschke und Alexandra Huber: „Trend in Branche zeigt wieder aufwärts“

Alfred Nemetschke Alexandra Huber Credit NHK
Alfred Nemetschke, Alexandra Huber © NHK

Wien/Bukarest. Die Marktlage in der Immobilienbranche beginnt sich aufzuhellen – bei Gewerbeimmobilien und anderen konjunktursensitiven Objekten wird wieder mehr investiert, und damit steigt auch der Auftragsstand von auf das Immobilienrecht spezialisierten Anwälten.

Das sagen jedenfalls die in der Rechtsszene bekannten Experten Alfred Nemetschke und Alexandra Huber: Gemeinsam mit Rumänien-Experte Konrad Koloseus haben sie nach ihrem Abgang von der Großkanzlei Schönherr eine auf Immobilien- und Baurecht spezialisierte Kanzlei gegründet, mit einem insgesamt 6köpfigen Juristenteam.

Gab es nach der Lehman-Pleite 2008 eine Zeitlang auch in Österreich nur noch wenige große Immobilientransaktionen, gerade im Gewerbeimmobilien-Bereich, so hat sich die Lage seit Mitte 2010 wieder verbessert, sagt Huber. Trotzdem gelangen markante Transaktionen, Anfang 2010 etwa der Erwerb des Canon – Gebäudes in Wien durch einen geschlossenen deutschen Immobilienfonds oder im vergangenen Herbst der Verkauf eines Wohnparks. „Seit dem Sommer zieht die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien wieder an. Es gibt freilich derzeit nur wenige Objekte am Markt, die den Vorgaben der Investoren entsprechen.. Die Investoren selbst sind jedoch wieder da.“

Käufer wollen mehr, Banken geben weniger

Zu niedrigen Preisen wollen nämlich viele Verkäufer lieber noch abwarten. Im Development-Bereich kommt ein weiteres Problem hinzu: es fehlen weiterhin die Finanzierungen durch die Banken. Auch hier erhoffen die Experten sich Besserung, doch eins sei klar: „Die Zeiten wie früher, als manchmal zu 100 Prozent fremdfinanziert wurde, sind vorbei – und zwar dauerhaft“, sagen Nemetschke und Huber im Recht.Extrajournal.Net-Gespräch: „Auf 30 bis 40 Prozent Eigenkapital und einen angemessener Vorvermietungsstand werden sich Developer wohl einstellen müssen.“

Lange in der Branche

Die Kanzlei Nemetschke Huber Koloseus ist erst seit 15. September 2010 in Betrieb; man beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Immobilien- und Bauvertragsrecht, öffentlichem Baurecht, sowie streitiger Fälle und Vergaberecht. Als weitere Standbeine wurden von Huber der Bereich alternative Energien, etwa Photovoltaikparks in Tschechien und der Slowakei, erschlossen; Koloseus fokussiert sich seit 2005 auf den Bereich Raffinierie – Bau – und Anlagenbauverträge in Rumänien und Österreich.

Im Unterschied zur Vergangenheit ist das Team allerdings nun nicht mehr als Abteilung einer Großkanzlei organisiert, sondern als eigenständige, auf Immobilien und Bauangelegenheiten spezialisierte Kanzlei in Österreich und CEE tätig. Immerhin können die Newcomer auf reiche Erfahrung zurückblicken: bis zu zwei Jahrzehnte lang beschäftigen sie sich schon mit dem Immobilienrecht. Der Anfang wurde in einer Großkanzlei gesetzt: Karl Hempel holte Nemetschke 1986 als Konzipienten zur damaligen Kanzlei Cerha Hempel Spiegelfeld (heute CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati).

Es kam die Zeit der Ostöffnung, die österreichischen Unternehmen brachen in das neue Eldorado jenseits des gefallenen Eisernen Vorhangs auf – und mit ihnen die Wirtschaftsanwälte: Ungarn, Tschechien, Slowakei und ab Anfang der 90er – Jahre intensiv in Moskau. „Da habe ich eine Menge gelernt“, so Nemetschke Eine Kooperation mit einer deutschen Großkanzlei, Pünder Volhard Weber & Axster, die führend im Bereich Immobilienrecht war, brachte den nächsten „boost“, erzählt er.

Sein Faible für die Immobilienbranche vertiefte sich noch, als Österreich 1994 dem EWR und 1995 der EU beitrat. „Damit kamen die ersten deutschen Offenen Immobilienfonds als Investoren nach Österreich.“ Denn diese durften von ihren Statuten her nur in Deutschland oder im EU-Ausland investieren – wozu Österreich nun zählte, der Weg war frei.

Größer und professioneller

Mit den großen Investoren kam eine Belebung und Professionalisierung des Immobilienmarktes, jedenfalls in den Ballungszentren – vor allem Wien. Im Jahr 2001 kam das Team Nemetschke – Huber – Koloseus zusammen. Der zunehmende Immobilienboom sorgte in Wien für einen erwachenden internationalen Markt und die Verbreitung von professionellen Standards. Auch die österreichischen Kanzleien profitierten davon, betont Nemetschke.

2007 kam ein in der Branche aufsehenerregender Wechsel: das Team Nemetschke, Huber, Koloseus war nun für die internationale Kanzlei Schönherr tätig. Nicht für allzu lange Zeit allerdings: Die Trennung kam Mitte 2009, zog sich über längere Zeit hin – und erfolgte im Streit, nämlich im Rahmen eines Schiedsgerichtsverfahrens. Auf die Gründe dafür wollen Nemetschke und Huber heute nicht näher eingehen.

In der Branche kolportiert wurden seinerzeit kulturelle Differenzen, Meinungsverschiedenheiten über den Stellenwert des Immobilienrechts in einer Großkanzlei und möglicherweise auch Auswirkungen der Finanzmarktkrise, die sich bei zahlreichen Wirtschaftskanzleien auf die Honorarumsätze niederschlug. „Wir haben uns getrennt und heute ein korrektes Verhältnis. Es ist Vergangenheit“, sagt Nemetschke bloß.

„Tier-1 bei Immobilien“

In der neuen Konstellation als selbständige Kanzlei haben sie jedenfalls „ebenso gute Arbeitsmöglichkeiten wie zuvor im Verbund einer Großkanzlei, wir waren immer als Team organisiert“, erläutert Huber. „Unser Team ist vom Markt seit Jahren als Tier-1 (Anm.: in der besten Gruppe der Fachexperten in diesem Rechtsgebiet laut internationalen Rankings) wahrgenommen worden und wir wollen es auch weiterhin bleiben.“

Nemetschke ortet gerade im Immobilienrecht gute Voraussetzungen für kleinere Einheiten, nicht nur bei den typischen Alltagsfällen wie Eigentumserwerb an Wohnimmobilien, sondern auch den großen Brocken wie Due-Diligence oder Beratung institutioneller Investoren.

Die Klienten „legen zunehmend wieder Wert auf genaue Prüfungen der Sachverhalte, wollen aber die Overheads von Großkanzleien nicht mehr bezahlen“, meinen die Neugründer. Ein weiteres Merkmal: Das Tempo habe sich erhöht, rasche Entscheidungen sind gefragt, die Prüfung einer Immobilie müsse jetzt in drei bis vier Wochen statt früher in acht Wochen oder mehr beendet sein.

Dem Jahr 2011 sehen die Immobilienprofis optimstisch entgegen: der Investmentmarkt belebt sich wieder, verschiedene Änderungen der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen werden zu erhöhter Beratungsnachfrage führen. „Wir sind gut aufgestellt“, glauben Nemetschke und Huber.

Link: Nemetschke Huber Koloseus

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