01. Dez 2010   Recht

Manz: Online wird Papier bei der Fachliteratur verdrängen – aber nur teilweise

Wolfgang Pichler © Fotostudio Huger/Manz

Wien. In der Buchwelt machen Schlagworte wie das E-Book (elektronische Buch) oder das Lesen von Büchern und Zeitschriften auf Apples iPad die Runde.

Auch in der Fachverlagsbranche ist ein eindeutiger Trend zu Online feststellbar, sagt Wolfgang Pichler, Verlagsleiter des auf Rechts- und Steuertitel spezialisierten Verlags Manz. „Die Frage lautet auch bei uns: Wird Online das gedruckte Wort verdrängen oder nicht?“ Seine Antwort: „Teils ja und teils wieder nicht.

Überall dort wo die rasche Information im Vordergrund steht, werde die Online-Information immer wichtiger werden. Wo sich die Leser dagegen vertiefen wollen – etwa bei einem Lehrbuch zu einem bestimmten Rechtsgebiet – da werde auch weiterhin das Papier den Ton angeben, es sei denn „es kämen völlig neue Lesegeräte auf den Markt“.

Was bis jetzt existiert, also diverse E-Book-Reader und Apples iPad, können diesen Effekt noch nicht auslösen. Im Gegenteil: „Ich sehe keinen Trend zum E-Book“, stellt Pichler klar. „Ich sehe natürlich, dass viele Reader und Tablet-Computer verkauft werden. Aber es werden im Fachbuchbereich nur sehr wenige Inhalte verkauft.“

Heißes Eisen DRM

Dabei spielt auch die DRM-Problematik eine Rolle, also die Frage des Kopierschutzes: Wird die Benutzung eines elektronischen Buches mittels Kopierschutz beschränkt – und ist dann typischerweise nur auf einer bestimmten Plattform lesbar – so zögern die Käufer mit der Anschaffung, so Pichler. Verzichtet man dagegen als Verlag auf einen Kopierschutz, so heiße dies „sich selbst mit Schwung ins Bein schießen“.

Noch etwas kommt dazu: bei den neuen Lese-Plattformen ist ein wichtiges Verkaufsargument, dass sie auch unterwegs die Gelegenheit bieten, eine Bibliothek in elektronischer Form mit sich zu führen. Doch dieses Argument punktet beispielsweise bei den Lesern von rechtswissenschaftlicher Literatur weniger, heißt es: „Juristen sind Schreibtischtäter.“ Oder anders ausgedrückt: Sie haben das Privileg, ihrer Arbeit meist vom eigenen Schreibtisch aus bzw. im Gerichtssaal oder an anderen Orten nachzugehen, wo es genügend herkömmlichen Lesestoff gibt.

Konzentration in der Branche wird gefördert

Sehr bedeutend ist in den Augen von Pichler allerdings der Trend zur Anbieterkonzentration bei Fachverlagen. Beispielsweise hat erst letzte Woche der Verlagsmulti Wolters Kluwer bekannt gegeben, den Konkurrenten LexisNexis in Deutschland übernehmen zu wollen. Der Trend zur Konzentration sei auch ein Ausfluss des Online-Themas, heißt es: Kleine Anbieter haben es schwer, mit der ständigen Fortentwicklung der Plattformen, der Suchtechnologie und der Benutzerverwaltung mitzuhalten. „Noch dazu verkauft sich Online im Moment nur über den persönlichen Kontakt. Manche Verlage beschäftigen in Deutschland hunderte Vertreter.“

Pichler ortet daher den Trend zur stärkeren Kooperation auch hier zu Lande. In Österreich, wo Manz, LexisNexis und der Linde Verlag die größten Player sind, besteht mit der Rechtsdatenbank (RDB) eine breite Online-Plattform für Rechtsinformationen. In früheren Jahren wurde die RDB von Manz und dem Orac-Verlag (heute LexisNexis) gemeinsam betrieben, dann „ist LexisNexis ausgeschert“, so Pichler. Er könnte sich jedoch durchaus vorstellen, wieder zu einer Zusammenarbeit zu finden.

Online als Aufmarschgebiet

Derzeit stehen die Geschehnisse bei Manz deutlich unter dem Stern des Online-Geschäfts: Im Vorjahr wurden der Verlag MANZ und die RDB gesellschaftsrechtlich verschmolzen und der Vertrieb zusammengelegt.

„Das ist für die Ansprechpartner und Kunden am einfachsten.“ Es gibt nun sozusagen keine Print- und keine Online-Ecke mehr, sondern der Kunde soll das gewünschte Medium selbst bestimmen können. Zahlen werden nicht veröffentlicht, aber „wir haben seit mehreren Jahren zweistellige Wachstumsraten bei Online“, betont Pichler.

Im Vordergrund steht dabei die Online Bibliothek. Hier sei Manz ausdrücklich dafür offen, dass kleinere Verlage an dieser Online-Schiene mitpartizipieren. So veröffentlichen etwa jetzt schon die Bankwissenschaftliche Gesellschaft und Uni-Professor Werner Doralt (Facultas Verlag) auch in der Manz Online Bibliothek.

Link: Manz

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