31. Mrz 2011   Recht

Podiumsdiskussion „HQ-Standort Österreich“ bei Binder Grösswang: Änderungsbedarf geortet

Müllner, Khol, Polster-Grüll, Jensen und Tengel © Binder Grösswang

Wien. Rund 80 Gäste folgten diese Woche der Podiumsdiskussion „Headquarters-Standort Österreich – Wie attraktiv sind wir wirklich?“ in der Conference Area von Binder Grösswang.

Henning Jensen (Vorstandsvorsitzender der RHI AG), Florian Khol (Partner Binder Grösswang), Martin Müllner (Direktor Headquarters, Austrian Business Agency), Barbara Polster-Grüll (Partnerin KPMG) und Günther Tengel (Geschäftsführender Gesellschafter Amrop Jenewein) diskutierten zur Standortpolitik und Standortqualität von Österreich.

Moderator war Michael Nikbakhsh von der Zeitschrift „profil“. Einigkeit herrschte darüber, dass Österreich im Allgemeinen ein attraktiver Headquarter-Standort sei, allerdings dürfe man sich mit dem Ist-Zustand nicht zufrieden geben, wesentliche Herausforderungen müssten zeitnahe umgesetzt werden, um Wettbewerbsvorteile zu festigen und idealerweise auszubauen, heißt es in einer Aussendung von Binder Grösswang.

„Typische Nachteile“

RHI-CEO Henning Jensen hielt fest: „Für ein global agierendes Industrieunternehmen wie RHI ist Headquarters Österreich ein zweischneidiges Schwert: Es gibt typische Rahmenbedingungen wie in anderen westeuropäischen Standorten: Die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sind gut, es gibt ausgezeichnet ausgebildete Technikerinnen und Techniker. Wo es einen Aufholbedarf gibt, sind die Themen Talentverfügbarkeit, Logistik und Bürokratie und es fehlt uns die Nähe zu den Kunden.“

„Steuerlich attraktiv“

KPMG-Partnerin Polster-Grüll unterstrich den steuerlichen Aspekt. Österreich sei ein steuerlich attraktiver Headquarter-Standort und könne mit der modernen Gruppenbesteuerung ebenso punkten wie mit einem umfassenden Netz von Doppelbesteuerungsabkommen und einem relativ moderaten Körperschaftsteuersatz. Ein wichtiger Pluspunkt sei die Forschungsprämie von 10%, die innovative Branchen besonders anspreche. „Auf der Minus-Liste stehen jedoch der hohe Grenzsteuersatz in der Einkommensbesteuerung, die hohen Lohnnebenkosten und das Fehlen von Expatriate Begünstigungen. Schließlich entscheiden letztlich die Manager über den Headquarter Standort. Weitere Punkte auf der steuerlichen Wunschliste sind die Abschaffung der Kapitalverkehrssteuern, die es an anderen typischen Headquarter Standorten wie Niederlande, Luxemburg und sogar Deutschland schön längst nicht mehr gibt“, so Polster-Grüll.

Florian Khol, Partner Binder Grösswang, bestätigte die Attraktivität Österreichs für Headquarter-Standorte auch aus rechtlicher Sicht: „Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen in Österreich stimmen.“ Wünschenswerte Adjustierungen fänden sich im Gesellschaftsrecht – es fehle eine kleine Kapitalgesellschaft und es werden die strengen Formerfordernisse bei Gesellschaftsgründungen zunehmend als störend empfunden – sowie im Niederlassungsrecht für Schlüsselarbeitskräfte und besonderen Führungskräfte.

„Es gehört zu unseren weniger angenehmen Aufgaben zur Beantragung einer Niederlassungsbewilligung gemeinsam mit Spitzenarbeitskräften beim zuständigen Magistrat zu warten, bis man aufgerufen wird“ so Khol, der die Notwendigkeit des persönlichen Erscheinens von Spitzenarbeitskräften für die Erteilung einer Niederlassungsbewilligung in Frage stellt.

„Nicht bei Rechtssicherheit sparen“

Weiters warnte Khol davor, bei der Justiz weiter zu sparen: „Rechtssicherheit hat sich von einem Standortfaktor zu einem echten Standortvorteil entwickelt. Überlange Gerichts- und Verwaltungsverfahren, schlechte und überarbeitete Richter und Staatsanwälte gefährden die Rechtssicherheit und damit einen Standortvorteil Österreichs nachhaltig.“

Unter den Zuhörern waren unter anderen Freimut Dobretsberger, Vorsitzender des Aufsichtsrates A-TEC Industries AG, Hannes Leitgeb, Vorstand Pfandbriefstelle der österreichischen Landes-Hypothekenbanken, Martin Bergler, CFO S&T System Integration & Technology Distribution AG, Gerhard Haumer, Geschäftsführer first facility GmbH, Walter Lederer, Geschäftsführer B&C Holding GmbH, Werner Eder, Geschäftsführer AWD Gesellschaft für Wirtschaftsberatung GesmbH, Bernhard Krumpel, Geschäftsführer Wolfgang Rosam Change Communications GmbH, Christian Berger (Coface Central Europe Holding AG), Peter Brandner und Harald Waiglein (beide BMF), Stefan Urmann (ÖBB-Infrastruktur AG), Ralph Vallon (Wiener Stadtwerke) und Reinhard J. Waltenberger (Sparkassen Immobilien AG).

Link: Binder Grösswang

 

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