05. Jun 2011   Recht

Binder Grösswang Impulse zum Thema: „Spekulationsobjekt Lebensmittel?“

Brandner, Steger, Mitterstieler, Hoffer, Abentung, Braunshofer © Binder Grösswang

Wien. Sind internationale Spekulationen an den heftigen Preisschwankungen bei Lebensmitteln Schuld? Im Rahmen der Talkreihe Binder Grösswang Impulse diskutierten darüber Johannes Abentung (Direktor des österreichischen Bauernbundes), Peter Brandner (Sektion Wirtschaftspolitik u. Finanzmärkte im Finanzministerium), Josef Braunshofer (Geschäftsführer der Berglandmilch) und Gerald Steger (Chef der café+co International Holding).

Die Podiumsdiskussion unter Moderation von Esther Mitterstieler (stv. Chefredakteurin WirtschaftsBlatt) fand wie immer in den Wiener Kanzleiräumlichkeiten von Binder Grösswang statt.

Bauernbund-Direktor Johannes Abentung warnte: „Schon heute gibt es einen stillen Weltkrieg um Rohstoffe und Ressourcen. Der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum, gekoppelt an steigenden Energiehunger und immer drastischere Wasser- und Ressourcenknappheit, lassen das Ausmaß der Veränderungen, vor denen wir stehen, nur erahnen. Im Jahr 2050 braucht die Weltbevölkerung um 70 bis 100% mehr Lebensmittel. Dass wir die landwirtschaftliche Produktion in Österreich und in Europa nachhaltig sichern, ist daher nichts anderes als eine Lebensversicherung.“

Peter Brandner betonte, dass die Preisentwicklungen international gehandelter Agrarrohstoffe durch marktfundamentale Faktoren sowohl angebots- wie auch nachfrageseitig erklärt werden können. Das Eingreifen der Politik, etwa durch Exportbeschränkungen, habe die Lage auf den Märkten zusätzlich verschärft. Der These, wonach spekulierende Finanzinvestoren die Preisanstiege verursacht haben, erteilt er eine Absage: „Methodisch anspruchsvolle Studien, in denen die 2/2 Handelsaktivitäten auch unterschiedlicher Marktteilnehmer untersucht wurden, liefern keine empirische Evidenz für die Spekulanten-Story“. Es sei daher nachvollziehbar, wenn auch die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) vor einer Einschränkung oder gar Verbannung des sogenannten spekulativen Handels warnt.

„Dankbares Spekulationsobjekt“

Josef Braunshofer sieht sich auch in der Landwirtschaft seit einigen Jahren verstärkt mit dem Thema internationale Spekulationen auf Lebensmittel konfrontiert: „Offensichtlich hat man jetzt auch den Acker oder den Viehstall im Lichte international liberalisierter Märkte als dankbares Spekulationsobjekt entdeckt. Klimakatastrophen und eine insgesamt steigende Weltbevölkerung tragen zusätzlich noch dazu bei, dass in Zukunft wahrscheinlich Preisausschläge bei Lebensmittel – und leider oft auch bei Grundnahrungsmittel – auch in Österreich an der Tagesordnung sein werden.“

Gerald Steger meinte, es wäre zu einfach, den Preisanstieg zu 100% nur der Spekulation zuzuschreiben: „Nachhaltige Produktion und faire Arbeitsbedingungen erfordern auch entsprechende Preise. Kaffee ist nach Erdöl das zweitgrößte Welthandelsprodukt und das Trendgetränk des 21.Jahrhunderts. Seit Jahren wächst die Nachfrage stärker als das Angebot.“ Verstärkter Vertrags-Anbau könne zumindest für einen kleinen Teil der Mengen preisstabilisierend wirken und Menschen und Natur der Anbauregionen bewusster machen. Nach den letzten Prognosen werde sich der Kaffeepreis stark schwankend auf hohem Niveau halten.

Unter den rund 60 Gästen, die Binder Grösswang Managing-Partner Raoul Hoffer an diesem Abend in der Kanzlei begrüßen konnten: Rainer Eder (Vorstandsdirektor AV-Holding Beteiligungs GmbH), Michael Kysela (GrECo International AG), Harald Anzinger (Bank Austria UniCredit Group), Stefan Urmann (ÖBB- Infrastruktur Aktiengesellschaft), Bernhard Krumpel (Change Communications), und Andreas Nemec (Bundesbeschaffung GmbH).

Die Veranstaltungsreihe „Binder Grösswang Impulse“ wurde 2009 von der Wirtschaftskanzlei ins Leben gerufen und widmet sich 3-4 Mal jährlich aktuellen Themen und herausragenden Persönlichkeiten, heißt es.

Link: Binder Grösswang

 

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