05. Jun 2011   Recht

Pensionsreform? Pensionsalter einhalten würde schon viel helfen, sagt Arbeitsrechtler Wolfgang Mazal

Mazal, Faisst, Lenz © Business Circle

Wien. Auf Einladung von Business Circle und des Mobilfunkers Orange ging Pensionsexperte Wolfgang Mazal in seinem Vortrag den Ursachen und Aspekten einer alternden Gesellschaft nach.

Mazal ist ist Professor am Institut für Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Wien.

„Weil das Fundament des Pensionssystems bröckelt, sollen die Leute später in den Ruhestand gehen“, startet Wolfgang Mazal sein Plädoyer. Soweit die Theorie, doch die gelebte Praxis zeigt, in Österreich käme dies einer Revolution gleich, so Veranstalter Business Circle. Mit 59 beziehungsweise 57 Jahren treten Männer und Frauen in Österreich so früh in den Ruhestand, wie in kaum einem anderen Land. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung um zwei bis drei Jahre pro Dekade.

Österreichs Senioren verbringen nicht nur immer mehr Zeit in Pension, ihre Zahl wächst auch rasant. Statt derzeit 1,47 Millionen werden 2050 bereits 2,56 Millionen Menschen über 65 sein. Die angepeilte Lösung klingt simpel: Das gesetzliche Pensionsalter von 65 Jahren für Männer und 60 Jahren für Frauen ernst nehmen, heißt es.

Mazal weiß: „Wir gehen in wenigen Jahren auf einen eklatanten Mangel an Arbeitskräften zu. Dass junge Menschen nicht zu Arbeit kommen, wenn Ältere länger arbeiten, sehe ich nicht. Es ist vielmehr eine Frage der Verteilung der Arbeit auf die Generationen.“

Lebenslang lernen?

Auf der anderen Seite sei das lebenslange Verbleiben in einem Beruf für viele Menschen gesundheitlich so belastend, dass sie früher aus dem Erwerb ausscheiden müssen. Das sollte durch Requalifizierung und Umorientierung in der Lebensmitte geändert werden. Dadurch würden Arbeitsplätze für junge Menschen frei.

Mazal bricht eine Lanze für das lebenslange Lernen, schließlich hat der Spruch „Jetzt bist ausgelernt“ längst ausgedient. Er fordert eine neue Einstellung zur Arbeit und schließt mit den appellierenden Worten: „Gehen wir mutig und offen an die Arbeit.“

Unter den Teilnehmern dieses Breakfast Briefings fanden sich u.a. Univ. Prof. Sebastian Kummer (WU Wien), Thomas Stropek (Siemens Nokia), Univ. Prof. Hermann Enzelsberger (Oö. Gesundheits- und Spitals-AG), Günther Gall (RBI), Stefan Götz (Österr. Sparkassenakademie), Oliver Krupitza (Coface Austria), Anne Marie Leenen (GlaxoSmithKline), Andreas Lenz (Orange) und Nobert Wendelin (Raiffeisen Holding NÖ-Wien). Begrüßt wurden sie von Gastgeberin Romy Faisst vom Konferenzunternehmen Business Circle.

Link: Business Circle

 

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