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Im Wirtschafts-Wunderland China werden Schulden spät bezahlt, warnt Coface

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Paris/Wien. Der Wirtschaftsriese China glänzt durch hohe Wachstumsraten. Doch chinesische Unternehmen sind beim Bezahlen ihrer Schulden besonders langsam, so der Kreditversicherer Coface.

Trotz eines Aufwärtstrends werden die Aussichten auf eine bessere Zahlungsmoral chinesischer Unternehmen selbst von einheimischen Marktteilnehmern skeptisch betrachtet, heißt es.

Dies gehe aus der neuen China-Studie von Coface hervor, die jetzt zum achten Mal vorgelegt wurde. Über 1.000 Unternehmen im Reich der Mitte wurden dazu befragt. Demnach gehen nahezu 75% der Unternehmen davon aus, dass kurzfristig nicht mit einer signifikanten Verbesserung des Zahlungsverhaltens ihrer Geschäftspartner vor Ort zu rechnen ist.

Betroffen davon sind letztendlich auch die Exporteure aus Österreich. China zählt inzwischen zu den zehn wichtigsten Exportländern Österreichs, 2010 wurden Waren im Wert von 2,82 Mrd. Euro nach China verkauft. Das Volumen der Exporte heimischer Unternehmen nach China hat sich damit in den letzten fünf Jahren (2005: 1,22 Mrd. Euro) mehr als verdoppelt.

Ein Drittel erwartet gar keine Verbesserung

41,4% der befragten chinesischen Unternehmen erwarten, dass durchschlagende Verbesserungen noch mehr als drei Jahre auf sich warten lassen. Sogar 33,3% von ihnen stellen sie gänzlich in Frage.

Dabei hat sich das Zahlungsverhalten der inländischen Kunden chinesischer Unternehmen in den letzten Jahren erheblich gebessert. Noch 2008 verzeichneten beinahe alle befragten Unternehmen Zahlungsrückstände. Nach den Ergebnissen der Coface-Studie ist deren Anteil seither um 26% gesunken. Und dies bei gleichzeitigem Anstieg der Lieferungen auf offene Rechnung. Waren es 2008 noch um die 65%, die ihre Waren auf Rechnung auslieferten, stieg dieser Anteil 2010 auf fast 88%. Der Lieferantenkredit ist demzufolge gängige Praxis in China.

Die Unternehmen berichten nicht nur über weniger Zahlungsrückstände, auch die Anzahl der Außenstandstage ist zurückgegangen: Nur noch 6,2% der ausstehenden Zahlungen waren mehr als 120 Tage überfällig. 2009 war der Anteil mit 13,2% noch mehr als doppelt so hoch. Und zwei Drittel der fälligen Forderungen werden innerhalb einer Frist von höchstens 60 Tagen bezahlt. Zum Vergleich: In Österreich wird im Durchschnitt nach 32 Tagen gezahlt und 83% der österreichischen Unternehmen begleichen ihre Rechnungen innerhalb des Zahlungsziels.

Druck auf bestimmte Branchen

„China hat bei den Lieferantenkrediten und den Zahlungszielen inzwischen internationale Standards erreicht“, sagt Thierry Graffin, stellvertretender Direktor des Risk Underwriting von Coface in Paris. „Das Zahlungsverhalten chinesischer Unternehmen, obgleich besser geworden, ist indessen noch lange nicht vorbildlich“, erklärt der Experte.

Worauf führen es chinesische Unternehmen zurück, dass Lieferanten weiterhin häufig Verzögerungen von bis zu 60 Tagen in Kauf nehmen müssen? Warum macht sich trotz des eigentlich ermutigenden Trends Ernüchterung breit? Die Antwort laut Coface: 37% der befragten Unternehmen erklären ihre Befürchtungen mit der Rücknahme der umfangreichen staatlichen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur, von denen 2010 an die 60% der Unternehmen profitierten.

Weitere 31% der Unternehmen geben an, dass ihnen die schärferen Bedingungen bei der Kreditvergabe Sorge machen, während 23% der Unternehmen die größte Gefahr in der schnellen Aufwertung des Yuan sehen.

Coface erwartet eine leichte Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China. Im Vergleich zu anderen Schwellenländern bleibe es zwar auf hohem Niveau. Insbesondere in Sektoren mit geringer Wertschöpfung wie beispielsweise Textilien, Schuhe und Spielsachen müsse jedoch mit einem Anstieg der Insolvenzen gerechnet werden. Sie sind es, die als Erste von den Änderungen des wirtschaftspolitischen Kurses betroffen sein werden.

Nicht zuletzt die Strategie der Behörden, die darauf ausgerichtet ist, das Gefüge in der Industrie zu bereinigen und höherwertige Erzeugnisse zu produzieren, stelle für sie eine Herausforderung dar, so Coface.

Link: Coface

 

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