06. Sep 2011   Bildung & Uni Recht

Binder Grösswang-Konferenz: EU nimmt Banken-Aufsichtsräte an die Kandare

T. Fabian, O. Karas, V. Kickinger, H. Enthofer © Binder Grösswang

Wien. Dem Thema „Banken-Aufsichtsräte im Visier der EU“ widmete sich gestern eine Fachveranstaltung in der Conference Area von Binder Grösswang. Keynote-Speaker war Europa-Parlamentarier Othmar Karas.

Die Veranstaltung war die Einführung in den Lehrgang „Governance and Compliance College“, mit dem man geplagten Aufsichtsräten auf die Sprünge helfen will.

Als weitere Sprecher traten Hannes Enthofer (Finance Trainer International GmbH), Tibor Fabian (Binder Grösswang Rechtsanwälte GmbH) und Viktoria Kickinger (Inara GmbH) auf. Im Rahmen der Vorträge konzentrierte man sich auf die neuen EU-Finanzmarktregeln für Banken-Aufsichtsräte, so eine Aussendung von Binder Grösswang:

  • Haftungssituation
  • notwendig mitzubringende Fachkenntnisse
  • Qualifikationen und Standards im EU-Raum
  • Fragen des Risikomanagements
  • Weiterbildungsmöglichkeiten

Karas betonte, dass die Finanzkrise deutlich die Schwachstellen in der Führung von Finanzinstituten gezeigt habe. Man benötige deshalb dringend ein wirksames System mit Kontroll- und Ausgleichsmechanismen – und zwar europaweit einheitlich. „Wir müssen weg von der Vorstellung, dass die Aufsichtsratstätigkeit nur ein Nebenjob ist! Die CRD IV ist da richtungweisend weil sie der Kumulierung von Aufsichtsratsmandaten ein Ende macht.“ (Die CRD IV ist die „Capital Requirements Directive“, Entwurf der Europäische Kommission vom 20. Juli 2011 für die Umsetzung der Basel-III-Regelungen auf Europäischer Ebene.)

Er kritisierte außerdem die laxe Anwendung des „comply or explain“ Prinzips und sprach sich für rechtlich verbindliche Regelungen aus. Nur so sei das Vertrauen der Bürger in Finanzinstitute wieder herzustellen und ein Beitrag zur Stabilisierung des Finanzsystems garantiert.

Hannes Enthofer stellte fest: “Vom Aufsichtsrat wird erwartet, dass er die Risikopolitik und -Strategie der Bank aktiv gestaltet und überwacht. Beim Liquiditätsrisiko kann man die neue Verantwortung sofort fühlen: Es wird aufgrund der Regelungen massiven Ertragsdruck geben, der Aufsichtsrat ist aufgerufen zu entscheiden, wie „erfindungsreich“ seine Bank agieren darf, um dem Ertragsdruck zu begegnen. Der neue, direkte Draht zum Chief Risk Officer wird bei diesen Entscheidungen sicher „glühen“.

„Lehrgang notwendig“

Tibor Fabian wies auf die Notwendigkeit eines eigenen Lehrganges für Banken hin, weil der Finanzsektor einerseits als volkswirtschaftlich hochsensible Branche besondere Aufmerksamkeit genieße und andererseits kaum ein anderer Sektor so stark reguliert sei.

Vom Lehrgang könnten ebenfalls Vorstände profitieren, weil Aufsichtsräte nur in gedeihlicher Kooperation mit der Geschäftsleitung gut funktionieren, heißt es weiter. Eigentümer und die Aufsicht hätten gleichfalls ein eminentes Interesse an qualifizierten Aufsichtsräten, für die das Klima ohnedies rauer werde. Der Trend zur Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen auch gegen Aufsichtsräte sei nicht zu übersehen, es sei zu erwarten dass die Haftungsfrage immer stärker in den Vordergrund trete. „Die Zeit der ehrenamtlichen Aufsichtsräte ist endgültig vorbei“, so Fabian.

Viktoria Kickinger ging insbesondere auf die Strategie der EU in Hinblick auf die geforderte Qualifizierung der Aufsichtsräte von Banken ein – es handle sich hier nicht um börsenotierte Großbanken -, die laut wissenschaftlicher Untersuchungen und Grünbuch der EU ausdrücklich als mehr als verbesserungswürdig eingestuft werde.

So fordere die EU etwa ausdrücklich – ergänzend zum Fachwissen – Durchsetzungsfähigkeit gegenüber dem Vorstand ein. Kickinger wies darauf hin, dass D&O Versicherungen bei Berechnung der Prämien und des Leistungsumfanges zunehmend die Qualifikation des Aufsichtsrates berücksichtigen: je geringer die Kompetenz desto höher die Prämie.

Als vorbildhaft und wünschenswert für alle Aufsichtsräte – nicht nur von Banken – bezeichnete Kickinger die Bestimmung in CRD IV “angemessene Human- und Finanzressourcen durch das Institut“ für den Aufsichtsrat sicherzustellen.

Qualifikationsoffensive im Angebot

Es fanden sich laut Binder Grösswang rund 70 interessierte Zuhörer ein; unter ihnen u.a. Heribert Geistler (Division Director Macquarie), Nadia Dax (Mitglied des Vorstandes Coface Austria Bank AG), Monika Jung (Mitglied des Vorstandes valartisbank), Wilfried Stadler (Hon.Prof. Wirtschaftsuniversität Wien) und Wilhelm Miklas (Generalsekretär Hypo Verband).

Ebenfalls waren anwesend: Hermann Wagner (Senior Advisor Roland Berger), Dieter Nell (Direktor Kreditabteilung OeKB), Alfred Fogarassy (Telos Consulting) und Dagmar Kollmann (Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats Hypo Real Estate Holding).

Link: Binder Grösswang

 

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