28. Okt 2011   Recht Tipps

VKI klagt zwei Anbieter von Maturareisen wegen Alkoholwerbung

Peter Kolba, VKI
Peter Kolba © VKI

Wien. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat gegen zwei Anbieter von Maturareisen Klage eingebracht. In den Katalogen würde „aggressiv“ mit hochprozentigem Alkohol geworben, was in den Augen der Konsumentenschützer nicht vertretbar sei, heißt es in einer Aussendung des VKI.

Die eingebrachten Verbandsklagen nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) fordern die Unterlassung derartiger Werbepraktiken durch Entfernen von Slogans wie „Immer und überall Eristoff for free“, Fotos von Jugendlichen mit Vodka-Flaschen und sei „juristisches Neuland“, so der VKI.

Die zwei Anbieter von Maturareisen sollen österreichweit in rund 700 Schulen in Maturajahrgängen (2.200 Klassen) mit Prospekten werben, wo „24/7 Ottakringer, Bacardi und Eristoff“ im Preis inbegriffen seien, so der VKI.

So soll einer der Werbeslogans lauten: „Erstmals gibt’s in der Geschichte von Event-Maturareisen Ottakringer Bier, Bacardi und Eristoff jederzeit und überall und immer und alle Tage und die ganze Woche und dauernd und rund um die Uhr und im gesamten Club 4 free“, so die Konsumentschützer.

Party-Fotos von Jugendlichen mit Vodka-Flaschen

Weiters sollen sich im Prospekt Fotos von fröhlich feiernden Mädchen vor Cocktailgläsern, die Fotografen mit Wodka-Flaschen zuprosten und strahlenden Mädchen, welche Rum-Flaschen küssen bzw. in die Kamera halten, befinden. Dies in Kombination mit dem Slogan: „Immer und überall Bacardi, Rum &Eristoff 4 free“, so der VKI.

„Während Mediziner besonders vor Alkohol für Jugendliche warnen und der Gesetzgeber daher auch Werbeverbote im Fernsehen und Radio vorschreibt, werden hier Matura-Reisen als Alkohol-Spektakel zu verkaufen gesucht“, zeigt sich Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI empört.

In mehreren Bundesländern sei den jeweiligen Jugendschutzgesetzen zufolge die Abgabe an und der Konsum von hochprozentigem Alkohol durch Minderjährige sogar verboten, so Kolba.

Anbieter werben direkt an Schulen

Während in den Schulen Suchtprävention betrieben werde,  würden viele Schulen – in den Augen des VKI offenbar ohne Kenntnis dieser aggressiven Alko-Werbung – den Maturareise-Anbietern „Tür und Tor“ öffnen, um für ihre Maturareisen zu werben, heißt es.

Der VKI hat daher nunmehr gegen zwei Anbieter als Auftraggeber dieser Werbelinie Verbandsklage nach dem UWG eingebracht.

„Wir verlangen die Unterlassung solcher Alko-Werbung insbesondere bei Maturareisen, weil gerade Jugendliche vor Alkoholsucht besonders zu schützen sind“, sagt Kolba: „Wir betreten damit juristisches Neuland und hoffen das Verbot aggressiver Werbung so mit Leben zu erfüllen.“

Link: VKI-Rechtsportal

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