19. Dez 2011   Steuer

Nachhaltigkeitsstudie von KPMG ortet deutlichen Aufholbedarf in Österreich

Wien. Immer mehr Unternehmen legen Rechenschaft über ihr nachhaltiges Wirtschaften ab. So veröffentlichen bereits 95 Prozent der 250 größten Unternehmen der Welt regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht; das sind 14 Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren. Das zeigt der  internationale „Corporate Responsibility Survey 2011“ von KPMG.

Großer Nachholbedarf herrsche aber in Österreich: Gerade einmal 40% der börsenotierten Unternehmen veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte. Deutlich weniger als der internationale Schnitt von 69%.

Für die Studie wurden die 3.400 umsatzstärksten Unternehmen in 34 Ländern unter die Lupe genommen. Die größten Fortschritte haben Unternehmen der Pharma-, Konsumgüter- und Baubranche gemacht; hier hat sich die Quote der Berichtersteller seit der letzten Analyse 2008 jeweils verdoppelt.

Den internationalen Vergleich führen das Vereinigte Königreich und Japan an mit Nachhaltigkeitsberichterstattung bei 99 bzw. allen 100 der größten Unternehmen.

Obgleich österreichische Unternehmen in der diesjährigen Untersuchung nicht explizit berücksichtigt wurden, zeigt ein Blick auf die börsennotierten Unternehmen hier noch deutlichen Aufholbedarf: gerade einmal 40 Prozent der österreichischen prime market Unternehmen veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte.

Damit liegt Österreich deutlich unter dem weltweiten Schnitt von 69 Prozent aller börsennotierten Unternehmen im Ergebnis der KPMG Studie.

Österreich deutlich hinter anderen europäischen Staaten

Peter Ertl, Partner im Bereich Climate Change & Sustainability Services bei KPMG: „Der Berichtswille der österreichischen Unternehmen im Nachhaltigkeitsbereich steigt. Dennoch hinken wir noch deutlich hinter anderen europäischen Staaten hinterher. Wir beobachten europaweit, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Nachhaltigkeitsberichte längst nicht mehr rein ethisch motiviert sind sondern – richtig umgesetzt – sich für Unternehmen auch in nackten Zahlen lohnen. Sowohl durch gesteigerten Markenwert als auch, weil gute Nachhaltigkeitsberichte wertvolle Managementwerkzeuge sind.“

Obgleich es derzeit noch keinen weltweit einheitlichen Standard gibt, werde für die Kommunikation nach außen eine vergleichbare Berichterstattung immer wichtiger. 69  Prozent der Studienteilnehmer setzen hierbei auf die Richtlinien der Global Reporting Initiative, die auch die österreichischen Berichte dominiert.

Gert Weidinger, Partner bei KPMG Climate Change & Sustainability Services: „Gerade für große Unternehmen ist es wichtig, nicht nur zu berichten, sondern auch glaubhaft in ihren Berichten zu sein. Investoren, Banken und andere Geldgeber fordern zunehmend bessere Transparenz und höhere Datenqualität auch bei den nicht-finanziellen Berichten. Neben der steigenden Bedeutung von externe Bestätigung wird der Trend hier mittel- bis langfristig sicher in Richtung der integrierten Berichterstattung gehen, die ein rundes Bild der Zusammenhänge zwischen Unternehmensstrategie, wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung zeigt.“

Weitere Ergebnisse der Studie

Im weltweiten Branchenvergleich sind Unternehmen der Holz- und Papierverarbeitenden Industrie sowie Minenbetreiber führend. Hier erstellen jeweils 84 Prozent einen Nachhaltigkeitsbericht.

Handel und Einzelhandel bilden im Branchenvergleich das Schlusslicht: Hier liegt die Berichtsquote nur bei 52 Prozent – dies sind allerdings doppelt so viele wie 2008.

69 Prozent aller börsennotierten Unternehmen berichten über ihr nachhaltiges Wirtschaften. Unter den Familienunternehmen sind es nur 36 Prozent.

In China, das zum ersten Mal bei der Untersuchung berücksichtigt wurde, veröffentlichen bereits 60 der 100 größten Unternehmen   einen Nachhaltigkeitsbericht.

Am wenigsten verbreitet sind Nachhaltigkeitsberichte in Israel (18 Prozent), Indien (20 Prozent) sowie in Neuseeland und Chile (jeweils 27 Prozent).

38 Prozent aller Unternehmen (und 46 Prozent der G250) lassen ihre Berichte von einem Wirtschaftsprüfer bestätigen.

Link: KPMG

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