22. Dez 2011   Recht Tipps

Studie der Notariatskammer ortet massive Wissensdefizite rund um die Testamentserstellung

Werner Schoderböck ©Notariatskammer

Wien. Ihre Gesundheit lassen die Österreicher regelmäßig untersuchen und für den Einkommensverlust in der Pension sparen sie gezielt an.  Doch die Vorsorge in rechtlicher Hinsicht werde oft stiefkindlich behandelt, meint die Österreichische Notariatskammer und beauftragte Marketagent.com mit einer Online-Studie.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Befragung von mehr als 1000 erwachsenen Österreichern zwischen 30 und 69 Jahren: Rund ums Testament herrschen massive Wissensdefizite, aber jeder zweite habe zumindest schon einmal überlegt, ein solches zu erstellen. Das Zentrale Testamentsregister ist den Wenigsten ein Begriff.

„Sich mit der Vermögensregelung für den Todesfall auseinanderzusetzen, heißt letztlich auch, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Dies wird oft als unangenehm empfunden, verdrängt und hinausgeschoben“, meint Werner Schoderböck, Länderkammerpräsident Wien, Niederösterreich und Burgenland, laut einer Aussendung.

Vorsorgen bedeutet für die Mehrheit der Befragten (68,4%) denn auch, eine Lebensversicherung abzuschließen. Auf Platz zwei mit 68,2% folgt allerdings bereits die Errichtung eines Testaments.

Je jünger die Befragten, desto schlechter sind sie informiert

Gedanken, Gefühle und Ideen, die mit dem Begriff „Testament“ verbunden sind, konzentrieren sich mehrheitlich (11,3%) auf Aussagen wie Erbschaft oder erben. 9,5% verbinden mit einem Testament, dass die Hinterbliebenen abgesichert werden.

8,2% der Befragten meinen, dass dadurch klare, geordnete Verhältnisse geschaffen werden. Die Problematik „Erbstreitigkeiten vermeiden“ kommt auf Platz vier mit 7,8%.

Alarmierend der Wissensstand: Jeder zweite Studienteilnehmer bezeichnet sich beim Testament als eher weniger bis überhaupt nicht gut informiert. Je jünger die Befragten, desto schlechter der Informationsgrad. Fast 65% wünschen sich mehr Know-how. Nur 11,3% kennen sich laut eigener Einschätzung ausreichend aus.

Fast 63% sehen die Notare als Verantwortliche für die Informationsbereitstellung. „Das ist für unseren Berufsstand ein klarer Auftrag“, so Schoderböck.

Fast Zwei Drittel ohne Testament

68,4% der Befragten verfügen über kein Testament. Der Anteil der 30- bis 39-jährigen ist hier mit rund 78% am höchsten. 23% der Befragten haben ein Testament abgeschlossen. In dieser Gruppe sind die 60- bis 69-jährigen mit 42,5% am stärksten vertreten.

Mehr als die Hälfte jener, die ihren letzten Willen bereits beurkundet haben, ließen sich dabei von einem Notar beraten.

Anlass für die Verfassung eines Testaments ist mehrheitlich (45,1 %) das Erreichen eines bestimmten Alters bzw. für 45% eine Erkrankung. Der Erwerb von Haus, Wohnung oder Grundstück liegt mit 29,8% an dritter Stelle der Motive. Die Geburt von Kindern an vierter mit 16,5%.

Lebenspartner und unverheiratete Paare werden mit 38,6% als jene Gruppe bezeichnet, für die ein Testament besonders wichtig ist. Für Paare mit Kindern meinen das 36,7% und für Menschen mit Grundbesitz 34,9%.

Lebenssituation entscheidet über Bedeutung des Testaments

Fast die Hälfte der Befragten hat zumindest schon einmal überlegt, ein Testament zu erstellen. Dafür sind sie bereit, bis zu rund 300 Euro auszugeben. 41,9% haben noch nie in Erwägung gezogen, ein Testament zu errichten. Die 60- bis 69-jährigen haben mit 39,1% am häufigsten mit diesem Gedanken gespielt.

Mit 45,5% stellen die 40- bis 49-jährigen die stärkste Gruppe, die noch nie überlegt hat, ein Testament zu verfassen. Singles setzen sich mit dem Thema am wenigsten auseinander: 46,6% haben ein Testament noch nie bedacht.

Hauptmotiv für ein Testament: „Das gute Gefühl der Ordnung“

Hauptgrund für die Erstellung eines Testaments ist mit 52,5% das „gute Gefühl der Ordnung“, gefolgt von dem Motiv „kein Chaos hinterlassen zu wollen“ (49,1%) und dem Wunsch, die Aufteilung des Nachlasses nicht dem Zufall überlassen zu wollen (48,7%).

Hauptgrund, warum ein Testament bisher nicht errichtet wurde, ist der Faktor Betroffenheit. 34,4% sagen „Ist für mich zur Zeit noch kein Thema, vielleicht später.“ 32,5% meinen, sie bräuchten kein Testament, weil sie keine Vermögenswerte haben. Rund 25% sehen keinen Bedarf, weil sie sich auf die gesetzlichen Regelungen verlassen.

Auf die Frage „Überprüfen Sie Ihr Testament regelmäßig?“ antworten 42,6% mit Nein. Fast ebenso groß allerdings ist die Gruppe jener, die ihr Testament sehr wohl regelmäßig überprüfen lässt (40%). 60% haben ihren letzten Willen noch nie geändert oder aktualisiert, 40% zumindest einmal.

Zentrales Testamentsregister wenig bekannt

Fast zwei Drittel der Befragten ist das Österreichische Zentrale Testamentregister kein Begriff. Am wenigsten bekannt ist es in der Altersgruppe der 30- bis 39-jährigen mit 16,8%. Die 60- bis 69-jährigen kennen es zu 40 Prozent und stellen damit die stärkste Gruppe bei dieser Frage.

Als Vorteile des Österreichischen Zentralen Testamentsregisters gelten, dass es nicht verloren gehen kann (18,2%) und dass im Todesfall dort nachgesehen wird, ob ein Testament vorhanden ist (12,7%).

Jeder Zweite hält für eher bis sehr wichtig, dass sein Testament im Österreichischen Zentralen Testamentsregister registriert ist.

Link: Österreichische Notariatskammer

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