08. Feb 2012   Steuer

KPMG sieht harte Zeiten für Privatbanken in Österreich

Alexander Lippner ©KPMG

Wien. Das Geschäft von Privatbanken ist aktuell geprägt durch kostenintensive Regulierungsvorschriften und ein schwieriges Marktumfeld, warnt die KPMG.

Betroffen seien vor allem kleinere Privatbanken. Eine klare Abgrenzung vom Mitbewerb und Fokussierung auf Wachstumsnischen sei notwendig, um zu überleben. 

Geschäftspotenziale bieten vor allem die Wachstumsregionen. Zu diesen Ergebnissen kommt die internationale Studie „Performance through focus“ des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG. Sie zeige, dass das wirtschaftliche Umfeld im Privatbankensektor herausfordernder nicht sein könnte, heißt es. Für die Studie wurden auch 17 Privatbanken in Österreich untersucht.

Das Geschäft von Privatbanken war während der vergangenen Jahre geprägt durch eine hohe Marktvolatilität und ein Niedrigzins-Umfeld, so die KPMG. Diese Rahmenbedingungen führten zu einem Trend der Vermögensanlage in vermeintlich „sichere“ Formen wie Cash und Immobilien. Außerdem sind die Kosten für die Einhaltung regulatorischer Anforderungen signifikant gestiegen. Die Folge dieser Entwicklungen sei ein großer Druck auf die Margen von Privatbanken.

„Durch neue Regulatorien geraten Privatbanken derzeit Stark unter Druck“, erklärt Alexander Lippner, Geschäftsführer der KPMG in Österreich im Bereich Management Consulting. „Die Kosten für die Einhaltung dieser regulatorischen Anforderungen sind enorm gestiegen – die Auswirkungen spüren natürlich vor allem kleinere Privatbanken.“

Doch auch gestiegene Kundenbedürfnisse stellen Privatbanken vor neue Herausforderungen. „Der Zielkunde von heute ist sehr gut informiert und erfahren im Umgang mit Finanzprodukten. Er erwartet verständliche Produkte mit Kostentransparenz und individueller Beratung. Privatbanken müssen sich in ihrem Geschäftsalltag dieser neuen Art von Kunden zum Teil erst anpassen“, so Lippner weiter.

Wachstum in Wachstumsmärkten

Trotz des schwierigen Marktumfeldes biete das Privatbanken-Geschäft nach wie vor ein großes Geschäftspotenzial, so die Studienautoren laut einer Aussendung. Besonders wichtig seien hier die Wachstumsregionen Asien, Lateinamerika, Nahost, Zentral- und Osteuropa und CIS.

In Österreich findet aktuell ein verstärkter Wettbewerb um margenträchtige Kunden aus dem Inland sowie dem CEE- und CIS-Raum aber auch Westeuropa statt. Neben den großen österreichischen Bankgruppen werde zunehmend Ableger internationaler Privatbanken am Markt aktiv, was den Wettbewerb zusätzlich verschärfe. Im Offshore-Geschäft stehen die österreichischen Privatbanken zudem im Wettbewerb mit den internationalen Finanzplätzen.

„Kostenintensive Regulierungen und intensivierter Wettbewerb treffen natürlich auch in Österreich vor allem die kleineren Privatbanken“, erklärt Sebastian Fischer, Senior Manger und Privatbanken-Experte bei KPMG in Österreich. „Aufgrund fehlender kritischer Masse in Bezug auf verwaltetes Kundenvermögen ist es den Banken zumeist nicht möglich, die gestiegenen Kosten ertragseitig zu kompensieren. Großbanken sind hier durch ihre bestehende Infrastruktur und ihre breite lokale Präsenz in den Zielmärkten klar im Vorteil.“

Die Institute in Österreich seien daher gefordert, sich deutlich vom Mitbewerb abzugrenzen. „Privatbanken müssen profitable Nischen für ihr Geschäft identifizieren und sich auf diese konzentrieren. Profitables Wachstum wird unter den derzeitigen Bedingungen nur durch Fokussetzung möglich sein“, meint Fischer abschließend.

Link: KPMG

 

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