15. Mrz 2012   Steuer

Nachhaltigkeits-Studie: Banken und IT-Branche enttäuschen

München. Ende Juni beraten die Regierungschefs beim Weltgipfel für Nachhaltigkeit in Rio de Janeiro, wie die Wirtschaft zu einem kohlenstoffarmen, ressourceneffizienten und sozial gerechten System, einer „Green Economy“, umgebaut werden kann.

Die Aufgabe ist groß, heißt es bei der Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research: Laut der von ihr gerade präsentierten Studie „Corporate Responsibility Review 2012“ zeigt nur eine Minderheit der Unternehmen ausreichend Engagement für eine nachhaltige Entwicklung. Besonders enttäuschend seien nach Branchen u.a. IT-Industrie und Banken sowie nach Regionen die USA und Asien zu beurteilen.

Insgesamt 543 und damit 17,1 Prozent der über 3.100 von oekom research bewerteten Unternehmen erhalten per 31.12.2011 den oekom Prime Status, heißt es in einer Aussendung.

Dazu zählen rund 300 konventionelle Großunternehmen aller Branchen sowie etwa 180 kleine und mittelständische Unternehmen aus Branchen, die etwa in den Bereichen erneuerbare Energien und Recycling einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten.

„Ein weiteres Viertel der Unternehmen zeigt gute erste Ansätze im Nachhaltigkeitsmanagement, ihnen fehlt aber noch die systematische und flächendeckende Verankerung entsprechender Aspekte im Management. Über 57 Prozent der von uns bewerteten Unternehmen sind aber bisher kaum oder gar nicht aktiv“, so Matthias Bönning, COO und Head of Research von oekom research.

Banken zeigen wenig Engagement

In vielen Branchen, die eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Entwicklung haben, bleiben die Aktivitäten der Unternehmen in der Breite noch deutlich hinter dem aus Nachhaltigkeitssicht Notwendigen zurück, heißt es weiter.

So zeigen beispielsweise nur 23 der von oekom research bewerteten 294 Banken (7,8 Prozent) ein ausreichendes Engagement, um den oekom Prime Status zu erreichen.

Energie- und Wasserversorger

Auch die Energie- und Wasserversorgung hat für eine nachhaltige Entwicklung eine zentrale Bedeutung. Obwohl ein großer Teil der 154 von oekom research bewerteten Energieversorger in Erneuerbare Energien investiert, bilden Kohle, Öl und in einigen Ländern auch die Atomenergie noch immer das Rückgrat der Energieversorgung.

Nur 13 Prozent der Unternehmen erreichen hier aktuell den oekom Prime Status. Aus Umweltsicht problematisch ist, dass die Ölförderung immer aufwändiger wird und häufig in geschützten Naturräumen etwa in Alaska und Florida stattfindet.

Damit steigen sowohl die Energie- und damit die Treibhausgasintensität der Erschließung als auch das Risiko schwerer Umweltauswirkungen. Im Jahr 2011 gab es eine ganze Reihe von Unfällen, bei denen Öl in die Natur gelangte, beispielsweise bei der Trans Alaska Pipeline.

Jedes dritte von oekom research bewertete Unternehmen der Öl- und Gasbranche verstoße aktuell gegen grundlegende Umweltstandards.

Defizite bei Arbeitsrechten in der IT

Deutliche Defizite bei den Arbeitsrechten gibt es in der IT-Branche, die in den vergangenen Jahren in großem Umfang die Fertigung in asiatische Schwellenländer verlegt hat. Hier habe man es häufig mit Diskriminierung, mangelhaften Gesundheits- und Arbeitssicherheitsstandards, massiven Zwangsüberstunden oder Bezahlungen unterhalb der Mindestlöhne zu tun.

Nur 33 der insgesamt 205 bewerteten IT-Unternehmen erfüllen derzeit die Mindestanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement.

Schwellen- und Entwicklungsländer

Im Zuge der Globalisierung – nicht nur der IT-Branche – sind nach Schätzungen der UNO in den Schwellen- und Entwicklungsländern rund 20.000 so genannte „Emerging Markets Multinationals“ entstanden.

Allein die taiwanesische Foxconn, die Produkte für zahlreiche US-amerikanische und europäische Handy- und Computerhersteller produziert, beschäftigt rund eine Million Arbeitnehmer.

Das Ziel einer Green Economy werde nur zu erreichen sein, wenn auch diese Unternehmen ihren Beitrag leisten: „In Brasilien, Indien und anderen Schwellenländer gibt es erste Nachhaltigkeitspioniere. Noch erfüllen aber nur einzelne Unternehmen aus diesen Ländern die Voraussetzungen für den oekom Prime Status“, stellt Matthias Bönning fest.

Im Branchenvergleich

Im Branchenvergleich erreichen die Hersteller von Haushaltsprodukten mit durchschnittlich 46,5 von 100 möglichen Punkten die beste Bewertung, Branchensieger ist hier der deutsche Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Henkel.

Auf die weiteren Ränge kommen die Computerhersteller (42,0) mit dem Spitzenreiter Ricoh (JP) und die Automobilindustrie (40,9), in der aktuell Renault (FR) die beste Nachhaltigkeitsleistung zeige. Die niedrige Punktzahl selbst in den besten Branchen zeige gleichzeitig, wie groß der Verbesserungsbedarf nach wie vor ist, heißt es.

Im Ländervergleich

Im Ländervergleich haben europäische Unternehmen die Nase vorn. Auf Basis der im Aktienindex MSCI World gelisteten Unternehmen erreichen mehr als 40 Prozent der dänischen, deutschen und britischen Unternehmen den oekom Prime Status.

Von den französischen Unternehmen schafft knapp jedes Dritte den Sprung in die Auswahl, in der Schweiz und Österreich gut jedes Vierte. In den wichtigen Industrienationen USA und Japan zeigt nicht einmal jedes zehnte Unternehmen ein ausreichendes Engagement für eine nachhaltige Entwicklung.

Link: oekom research

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