16. Apr 2012   Steuer

Mögliches Aus für europäische Ratingagentur: WKÖ-Präsident Leitl fordert Alternative von EU-Kommission

Christoph Leitl ©WKO/AWO

Wien. Die Beratungsfirma Roland Berger wird laut Medienberichten voraussichtlich nicht das nötige Startkapital von 300 Millionen Euro aufbringen um ihre geplante europäische Ratingagentur zu realisieren. Angebliche ähnliche Pläne des Medienkonzerns Bertelsmann wurden bereits wieder dementiert.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl verlangt nun im Fall eines Scheiterns des Roland Berger-Projekts, dass die EU-Kommission Alternativ-Pläne für eine europäische Ratingagentur vorlegt.

Die Beratungsfirma Roland Berger hatte Vorallem auf deutsche und französische Großbanken als Investoren gehofft, jedoch sollen diese wenig Interesse gezeigt haben, heißt es. Somit könnte das Projekt – das als europäisches Gegengewicht zu den drei großen amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poors (S&P), Moody´s und Fitch gedacht gewesen war – zum Scheitern verurteilt sein, heißt es in der „Financial Times Deutschland“.

Dass der Medienkonzern Bertelsmann angeblich morgen eigene Pläne für den Aufbau einer Ratingagentur präsentieren wolle, würden mittlerweile dementiert. Bertelsmann will laut neuesten Berichten nur mit einer Machbarkeitsstudie unterstützend beim Aufbau einer staatlichen oder privaten Ratingagentur in Europa Hilfestellung leisten.

WKÖ-Präsident fordert Alternative

„Wenn die geplante europäische Ratingagentur scheitert, dann ist das eine Kapitulation vor dem Oligopol der US-Ratingagenturen. Damit wäre die Dominanz der USA auf diesem Gebiet prolongiert“, erklärt Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in einer Aussendung.

Leitl verlangt im Fall eines Scheiterns des Roland Berger-Projekts, dass die EU-Kommission Alternativ-Pläne für eine europäische Ratingagentur vorlegt: „Alles andere würde bedeuten, dass die Chance Europas auf eine eigenständige Ratingagentur vorbei ist. Das wäre nicht akzeptabel. China zeigt uns, wie es geht. Warum sollte es dann in Europa nicht funktionieren.“

Link: WKO

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