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KMPG analysiert Geschäftsberichte börsenotierter Unternehmen: Viel drin, aber wenig kommt an

Michael Büttner © KPMG
Michael Büttner © KPMG

Linz/Wien. KPMG hat gemeinsam mit der FH Oberösterreich und pmOne die Finanzberichte aller Unternehmen im ATX Prime Market der Wiener Börse analysiert und über 300 Personen zu ihren Anforderungen befragt.

Im Schnitt weist ein Bericht stolze 119 Tabellen sowie 60 Diagramme und sonstige Grafiken auf. Leicht verständlich macht ihn das dennoch nicht, so die KMPG. Es zeige sich ein „deutliches Optimierungspotenzial“, auf das die KMPG mit dem ganzheitlichen Ansatz eines „Reporting Design“ antworten will.

Geschäftsberichte und interne Reportings bilden ein wesentliches Instrument der Kommunikation von Unternehmen, so eine Aussendung. Die dargestellten Informationen beeinflussen maßgeblich das Vertrauen von Kunden, Investoren und Management.

Laut der Studie umfasst der Geschäftsbericht eines ATX Prime-Unternehmens im Durchschnitt 165 Seiten. Mehr als ein Drittel (34,9 Prozent) der Fläche wird dabei von Diagrammen und Grafiken eingenommen. Pro Bericht werden im Schnitt 119 Tabellen, 21 Diagramme und 39 sonstige grafische Elemente eingesetzt. Damit wird deutlich, dass der Gestaltung dieser Elemente große Bedeutung beigemessen wird.

„Trotzdem gibt es bis dato keine empirisch gesicherten Richtlinien für die Gestaltung von Finanzberichten“, sagt KPMG-Partner Christian Engelbrechtsmüller. „Es zeigten sich große Unterschiede in der Darstellung der Berichte.“

Eine halbe Stunde muss reichen

Vergleichsweise umfasst ein interner Monatsreport mit durchschnittlich 20 Seiten nur 20 Prozent Diagramme, worauf sich die Berichtsleser für ihre Entscheidungen primär konzentrieren. Mehr als die Hälfte der befragten Berichtsempfänger und Berichtsersteller aus österreichischen Unternehmen mit Firmensitz im In- und Ausland beschäftigt sich nicht länger als 30 Minuten mit dem Monatsbericht. Informationen müssen daher schnell erfassbar sein, mahnt die KPMG.

Eye-Tracking im Einsatz

41,7 Prozent der Befragten sind nur durchschnittlich oder nicht mit ihrer aktuellen Berichtserstattung zufrieden. „Optimierungspotenzial sehen die Teilnehmer vor allem in der inhaltlichen und optischen Aufbereitung sowie einer konsequenten Maßnahmenorientierung“, sagt Michael Büttner, ebenfalls Partner bei KPMG.

Es fehlen wissenschaftlich fundierte, empirisch abgesicherte Gestaltungsgrundlagen und in der Praxis akzeptierte Standards. Tabellenanordnungen, Diagrammtypen, Farben oder Achsenskalierungen werden meist individuell und inkonsistent aufbereitet. Als Folge seien viele Berichte schwer lesbar und für eine rasche Informationswahrnehmung häufig ungeeignet.

Im Extremfall können sie sogar zu Fehlentscheidungen führen, heißt es. Darüber hinaus ist der Aufwand für die von Unsicherheit begleitete Berichtserstellung beträchtlich.

KPMG hat mit der FH Oberösterreich und pmOne eine wissenschaftliche Methode zur Optimierung entwickelt: Die visuelle Wahrnehmung von Diagrammen und Tabellen wird mittels Eye Tracking analysiert. Dabei zeigt ein Blickaufzeichnungsgerät, wo die Berichtsleser hinsehen.

Heimo Losbichler von der FH Oberösterreich: „Der Einsatz dieser Technologie eröffnet Unternehmen neue Wege in der Gestaltung von Berichten, weg vom ‚Informations-Overload‘, hin zu einer effektiven, rasch auffassbaren Darstellung, die nicht zuletzt zu einer höheren Zufriedenheit bei den Führungskräften und Entscheidungsträgern führt.“

Link: KMPG

 

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