01. Feb 2013   Bildung & Uni Recht

Recht.Extrajournal.Net Dossier: Aktuelle Fakten und Trends rund um das WU-Studium Wirtschaftsrecht

Univ.-Prof. Michael Potacs © WU Wien
Univ.-Prof. Michael Potacs © WU Wien

Wien. 2006 wurde das Bachelorstudium Wirtschaftsrecht an der Wirtschafts­universität Wien (WU Wien) eingerichtet und bis heute von rund 520 Studenten erfolgreich abgeschlossen. Das Masterstudium Wirtschaftsrecht folgte 2007 und kommt bis dato auf rund 80 Absolventen – Tendenz stark steigend. So hat sich die Zahl der Absolventen von 2011 (15) aufs Jahr 2012 fast verdreifacht (43).

Zwar gibt es laut WU noch keine systematischen Untersuchungen über den weiteren Karriereweg der Bachelor- und Master-Absolventen der Studienrichtung Wirtschaftsrecht, doch erste Trends könne man aus den bisherigen Erfahrungen ableiten, erklärt Univ.-Prof. Michael Potacs, Programmdirektor des Bachelorstudiums, im aktuellen Recht.Extrajournal.Net Dos­sier.

Recht.Extrajournal.Net: Wie sind die bisherigen Erfahrungen der Absolventen der Bachelor- und Master-Studiengänge Wirtschaftsrecht am Arbeitsmarkt?

Univ.-Prof. Michael Potacs: Vorweg, damit wir wissen von welcher Personengruppe wir sprechen: Das Bachelorstudium Wirtschaftsrecht wurde 2006 eingerichtet. Bis jetzt haben insgesamt rund 520 Personen das Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen. Das Masterstudium wurde 2007 eingerichtet. Bis jetzt haben insgesamt rund 80 Personen das Masterstudium Wirtschaftsrecht erfolgreich abgeschlossen. Die WU führt immer wieder systematische Untersuchungen über den weiteren Weg der WU-Absolventen durch. Für diese Gruppe gibt es aber noch keine systematischen Ergebnisse. Unsere Erfahrungen sind daher natürlich nur beispielhaft.

Wir raten allen Absolventen, die sich für die klassischen Rechtsberufe interessieren – also Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Notar – auf jeden Fall das Masterstudium zu belegen. Denn nur mit dem Bachelor alleine kann man diese Berufe nicht ergreifen, mit dem Master ist der Zugang zu den weiteren Ausbildungen für diese Berufe aber offen.

Wer sich in erster Linie für die Bereiche Wirtschaftsprüfung – Steuerprüfung interessiert, oder mit der Arbeit in einer Rechtsabteilung eines Unternehmens, kann auch ohne den Masterabschluss gut in diesen Arbeitsmarkt einsteigen.

Wieviel Bachelor-Absolventen machen auch noch den Master?

Potacs: Ungefähr zwei Drittel schließen ein Masterstudium an.

Wo finden die meisten Bachelor-Absolventen einen Job?

Potacs: Wie gesagt haben wir nicht genug Informationen, um da seriös zu antworten. Da die Ausbildungswege in Richtung der „klassischen“ Rechtsberufe erst nach dem Master-Abschluss in Frage kommen, sind vor allem die Bereiche Wirtschaftsprüfung, Wirtschaftsanwaltskanzleien sowie Rechtsabteilungen vorgezeichnete Wege.

Finden die meisten Bachelor-Absolventen zuerst einen Job und machen dann den Master neben dem Job?

Potacs: Soweit wir wissen, arbeitet bereits gegen Ende des Bachelorstudiums ein Großteil der Studierenden zumindest nebenher. Umso mehr sind im Rahmen des Masterstudiums in der einen oder anderen Form berufstätig, wobei die Berufstätigkeit oft schon in einem einschlägigen Bereich stattfindet. Ein harter Übergang von Studienzeit ohne Berufstätigkeit einerseits zu Vollzeit-­Berufstätigkeit nach dem Studium andererseits scheint die Ausnahme zu sein. Ein Ablauf Bachelorstudium – Berufstätigkeit ohne Studium – Masterstudium scheint auch eher untypisch, soweit wir diese Dinge von den Studierenden wissen.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach den Studien bei den Studenten selbst? Steigt die Zahl der Neuzugänge?

Potacs: Wir verzeichnen bei den Neu-Inskribierenden im Bachelorstudium, so wie alle Bachelorstudien der WU, einen leichten Rückgang; die Absolventenzahlen rekrutieren sich noch aus den starken Jahrgängen und steigen dagegen. Bei den Masterstudien sind die Zahlen der Neuzugänge derzeit ungefähr gleichbleibend, die Absolventenzahlen steigen.

An der WU sind derzeit rund 19.000 Personen in Bachelorstudien zugelassen. Es gibt zwei Bachelorstudien: einerseits das Bachelorstudium Wirtschaftsrecht (BaWiRe), andererseits das Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften(BaWiSo), das sich später in verschiedenen Studienzweige aufspaltet.

Zahlreiche Studierende belegen beide Studien. Derzeit heißt das konkret: Es sind rund 22.500 Studien belegt, davon sind rund 15.900 BaWiSo und 6.600 BaWiRe. Die WU hat im Masterstudium rund 2,100 Studierende, die zusammen 2,200 Studien belegen, also wieder Studierende mit Doppelstudium. Das Masterstudium Wirtschaftsrecht hat derzeit 350 Studierende.

Wie schauen die Arbeitsmarkt-Erfahrungen der Master-Absolventen aus? Wo kommen sie meist unter?

Potacs: Wir hören von unseren AbsolventInnen verschiedenes. Soweit wir beobachten, bekommen unsere MasterabsolventInnen relativ rasch einen Job. Leider kommt es immer noch vor, dass zum Beispiel einzelne Anwaltskanzleien noch keine Erfahrung mit WU-Wirtschaftsrechtsabsolventen haben und noch nicht wissen, dass ein Masterstudium Wirtschaftsrecht zum Zugang zu den Rechtsberufen berechtigt. Bewerber und Bewerberinnen müssen da teilweise noch Aufklärungsarbeit leisten, dass sie „richtige“ Juristen sind. Wir unterstützen das gerne mit den entsprechenden Informationen über die gesetzlichen Grundlagen. Andererseits sind Absolventen besonders durch Ihre Kompetenz im Wirtschaftsrecht erfolgreich.

Gab es seit dem Start der Studiengänge Wirtschaftsrecht inhaltliche Änderungen bzw sind welche geplant?

Potacs: Wir haben diese 2006 bzw. 2007 völlig neu eingeführten Studiengänge das eine oder andere Mal noch optimiert, am wichtigsten war die Anpassung des Studienplans im Jahr 2009, um die Tauglichkeit der Absolventen für die klassischen Rechtsberufe gänzlich außer Frage zu stellen. Alle Änderungen waren aber mehr oder minder technischer Natur, mit leichten Verschiebungen in den Schwerpunktsetzungen.

Das Grundprinzip der Kombination eines juristischen Studiums mit wirtschaftsrechtlichem Schwer­punkt und solider Ausbildung in wirtschaftlichen Fächern ist unverändert. Bestimmt werden wir auch in Zukunft immer wieder Erfahrungen einarbeiten und weitere Anpassungen vornehmen.

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