04. Feb 2013   Steuer

PwC-Studie: Immobilieninvestoren setzen auf München und Berlin, Wien nur auf Platz 13

Wolfgang Vejdovsky ©PwC
Wolfgang Vejdovsky ©PwC

Wien. München und Berlin sind derzeit nach Ansicht internationaler Branchenexperten die attraktivsten Immobilienmärkte Europas. Damit führen erstmals zwei deutsche Städte das Standortranking der 27 europäischen Metropolen an, das seit 2004 von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und dem Urban Land Institute (ULI) erhoben wird.

Österreichs Bundeshauptstadt Wien erreicht bei dem Ranking nur Platz 13.

Wie aus der Studie „Emerging Trends in Real Estate Europe 2013“ hervorgeht, ist die Stimmung der 500 befragten Immobilienexperten für 2013 erstmals seit Jahren wieder optimistisch. So geben 80 Prozent der Befragten an, dass sich durch die Krise der Eurozone neue Möglichkeiten für ihr Geschäft ergeben habe.

„Dieser Optimismus bedeutet jedoch nicht, dass sich alle Probleme, insbesondere das weiterhin bestehende Refinanzierungsproblem der Investments aus den Boom-Jahren bis 2007, schnell lösen werden“, erklärt Wolfgang Vejdovsky, Leiter Real Estate bei PwC Österreich in einer Aussendung.

Die Immobilienbranche habe nach fünf Jahren der Restrukturierung allmählich einen Weg gefunden, mit der neuen, sich rasch verändernden Normalität umzugehen, heißt es.

Investoren sollen gegenwärtig weniger auf Investmentstrategien für ganze Regionen oder Sektoren setzen, sondern noch gezielter Investments suchen, die Erträge und Sicherheit versprechen.

Dabei sei der Run auf Core-Objekte nach wie vor hoch, diese seien teilweise überlaufen.

„Für ökologisch nachhaltige Immobilien, die sich beispielsweise durch einen besonders niedrigen Energieverbrauch oder auch besonders umweltfreundliche Baustoffe auszeichnen, lassen sich am Markt deutliche Preisaufschläge erzielen“, erklärt Claudia C. Gotz, Geschäftsführerin ULI Germany.

Geschäftsimmobilien haben in Wien die Nase vorn

Am Wiener Immobilienmarkt zeichnen sich Geschäftsimmobilien als Sieger ab. Trendgebend seien dabei vor allem die neuen Einkaufscenter in den Bahnhöfen und die Shoppingmeile in der Wiener City.

Kennzeichnend für den Büromarkt ist das Angebot an neuen Objekten, welches die Bürogebäude in B-Lagen zunehmend unter Druck setzt.

Der Wiener Wohnungsmarkt zeichne sich nach teilweise deutlichen Preissteigerungen in den letzten Jahren vor allem durch niedrige Renditen aus und „stehen so in der Attraktivitätsskala für Investoren, insbesondere deutschen Wohnimmobilien, hinten nach“, so Vejdovsky.

Wertzuwächse nur in München, Berlin, London und Istanbul

Wertzuwächse trauen die Immobilienexperten lediglich vier der analysierten Metropolen zu. Insgesamt gute Perspektiven für den Bestand, neue Investments und die Immobilienentwicklung sehen die Befragten außerhalb von München und Berlin nur in London und Istanbul. Ausgesprochen kritisch beurteilen sie die Aussichten für Athen und Lissabon sowie die spanischen Metropolen.

„Auf der anderen Seite mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Immobilienmärkte in Südeuropa das Schlimmste hinter sich haben: Immerhin vier von fünf Befragten sehen auf dem aktuellen Preisniveau auch Chancen für Investitionen. Allerdings brauchen Immobilienkäufer in den Krisenstaaten wohl einen langen Atem“, so Claudia C. Gotz.

Kreditfinanzierung bleibt nach wie vor schwierig

Die Finanzierung von Immobilieninvestments über Bankkredite sei ungeachtet weiterhin niedriger Leitzinsen schwierig geblieben. Bei Neuinvestitionen haben sich die Konditionen nach Ansicht von 38 Prozent der Befragten verschlechtert, während nur 17 Prozent eine Verbesserung gegenüber 2012 feststellen können.

Ein Grund für die Eintrübung dürfte der Rückzug etlicher Banken aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung sein. Zudem sei erkennbar, dass die geforderte Eigenkapitalquote seitens der finanzierenden Banken weiter ansteigt.

Die Bedeutung eigenkapitalfinanzierter Investitionen nimmt demgegenüber zu. Drei von vier Befragten gehen davon aus, dass sich börsennotierte Immobiliengesellschaften und REITs stärker als 2012 engagieren werden. Jeweils rund 60 Prozent erwarten, dass Immobilienfonds bzw. Private-Equity-Investoren im laufenden Jahr wieder eine größere Rolle auf dem Markt spielen.

London meldet sich zurück

Neben der prominenten Platzierung deutscher Städte in den europäischen Top 10 fällt das Comeback Londons auf. Nachdem die Themsemetropole 2012 auf Rang neun abgestiegen war, hat sie sich in der aktuellen Umfrage wieder auf die dritte Position vorgearbeitet.

Ähnlich wie London genießt München den Ruf eines sicheren Hafens in turbulenten Zeiten. Zudem profitiere der Hotelmarkt von einem boomenden Tourismus.

Auch in Berlin raten die befragten Experten zu Investitionen im Hotel- und Tourismussektor. Bevorzugt werden allerdings vor allem Wohnimmobilien: Für keine andere europäische Metropole haben mehr Befragte eine Kaufempfehlung für Wohnungen ausgesprochen als für Berlin.

Das Ranking im Detail (Vorjahresposition in Klammer):

  1.  (2) München
  2. (4) Berlin
  3. (10) London
  4. (1) Istanbul
  5. (7) Hamburg
  6. (6) Paris
  7. (8) Zürich
  8. (5) Stockholm
  9. (9) Moskau
  10. (3) Warschau

Wien fiel im aktuellen Ranking von Platz 11 auf Platz 13.

Link: PwC

Link: Studie „Emerging Trends in Real Estate 2013″ (pdf)

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