12. Apr 2013   Steuer

Deloitte: „Strengere Praxis bei Untreue-Tatbestand erfordert mehr Dokumentation in Unternehmen“

Karin Mair ©Deloitte
Karin Mair ©Deloitte

Wien. Die veränderte juristische Praxis beim Untreue-Tatbestand betrifft alle Branchen. Unternehmen und Manager sehen sich zunehmend mit einer gesteigerten Anzahl von Rechtsverfahren konfrontiert.

Deloitte und die Anwaltssozietät Schönherr raten daher zu einer lückenlosen Dokumentation der Entscheidungsgrundlagen im Unternehmen und der Einrichtung effizienter Anti-Fraud-Management Systeme.

„Manager und Vorstände sind gut beraten, sich auf die Veränderungen einzustellen und nachvollziehbare Prozesse aufzusetzen, um sich abzusichern“, erklärt Karin Mair, Certified Fraud Examiner und Partner Deloitte Österreich, in einer Aussendung.

„Die Beratungspraxis hat sich erheblich verändert. Wenn Managemententscheidungen immer öfter bei den Strafbehörden landen, steigt natürlich die Awareness der Entscheidungsträger, sich gegen dieses Risiko abzusichern“, ergänzt Wolfgang Höller, Leiter der Abteilung Compliance und White Collar Crime bei Schönherr Rechtsanwälte.

Trifft Entscheidungsträger persönlich

„Die strafrechtliche Verantwortung trifft den Entscheidungsträger persönlich. Da hilft im Falle einer Verurteilung auch keine Manager-Haftpflichtversicherung“, so Höller.

Panik sei jedoch nicht angebracht, so Karin Mair: „Nicht bei jedem unternehmerischen Misserfolg kommt automatisch der Untreue-Paragraph zur Anwendung. Vorstände und Manager tun aber gut daran, die Grundlagen für Unternehmensentscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen.“

Wolfgang Höller ergänzt: „Eine fundierte Managemententscheidung, die sich innerhalb der Befugnisse bewegt, ist keine Untreue, auch wenn sich die Entscheidung später als falsch herausstellen sollte. Deshalb muss man die Entscheidungsgrundlagen sorgfältig dokumentieren.“

Dies beträfe die Auswahl von bestimmen Lieferanten genauso wie auch die Bereiche Kreditvergabe, Akquisitionen oder den Kauf von Liegenschaften. Um auf der sicheren Seite zu sein, sei auch die Dokumentation der spezifischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und des Umfelds inklusive Lieferanten und Kunden notwendig.

„Große internationale Konzerne gehen mittlerweile auch verstärkt dazu über, bei der Besetzung von wichtigen Managementpositionen den Background potenzieller Kandidaten zu überprüfen“, so Mair.

Link: Deloitte

Link: Schön­herr

 

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