19. Apr 2013   Steuer

Umfrage von aws und WKÖ zeigt weiteren Anstieg bei alternativen Finanzierungsformen

Bernhard Sagmeister, Ralf Kronberger ©aws
Bernhard Sagmeister, Ralf Kronberger ©aws

Wien. Die jährliche Strukturbefragung unter österreichischen Unternehmen, durchgeführt von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und dem Marktforschungsinstitut marketmind, zeigt die wachsende Bedeutung alternativer Finanzierungsformen: Sie haben 2012 bereits einen Anteil von 9% erreicht.

Knapp ein Viertel (24%) der befragten Unternehmen will diese darüber hinaus in Zukunft nutzen.

Zur Zeit finanzieren 44% der österreichischen Unternehmen ihre Investitionen hauptsächlich über Cash Flow; nur 25,5% der Befragten nennen hierbei den Bankkredit als Finanzierungsquelle, heißt es in einer Aussendung.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 2011 und 2012 merkbare Verschlechterungen bei den Rahmenbedingungen für Finanzierungen wahrgenommen wurden. Gerade junge Unternehmen und Neugründungen leiden darunter und es liegt auf der Hand, dass sie sich nach alternativen Finanzierungsmitteln umsehen. Genau aus diesem Grund stellen wir seit Jahresbeginn 2013 mit dem aws Gründerfonds Gründerinnen und Gründern eine zusätzliche Risikokapitalfinanzierung zur Verfügung“, erklärt Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws.

Mit dem aws-Gründerfonds könne man die zukünftigen Eigenkapital-Bedürfnisse von jungen Unternehmen besser abdecken und ihnen so die Verwirklichung ihrer neuen Ideen erleichtern.

WKÖ-Maßnahmenpaket

Die Wirtschaftskammer hat konkrete Vorschläge für ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt, das unter anderem die Wiederbelebung der Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft, moderne Rahmenbedingungen für Crowdfunding und Bürgerbeteiligungsmodelle sowie Anreize zur Forcierung von Business Angels und Venture Capital umfasst.

„Diese aktuelle Erhebung zeigt die Dringlichkeit der Forderung der WKÖ nach einer Forcierung alternativer Finanzierungsformen“, erklärt dazu Ralf Kronberger, Leiter der Abteilung für Finanzpolitik in der WKÖ.

So schlägt die WKÖ etwa eine Änderung des Begriffs „Einlagengeschäft“ im Bankwesengesetz vor, wonach Unternehmen von Privaten Kredite zur Finanzierung realwirtschaftlicher Projekte – beispielsweise für den Kauf einer Maschine – bis zu einer Obergrenze von 5 Mio. Euro aufnehmen können und dies nicht als Bankgeschäft angesehen wird.

Im Kapitalmarktgesetz soll es statt der bisherigen Untergrenze für die Prospektpflicht von 100.000 Euro ein „Phasing in“ geben, bei dem der von der EU vorgegebene Spielraum genützt wird: Demnach soll es eine Informationspflicht „Mini“ für Projekte ab 500.000 Euro (anstatt der bisherigen 100.000 Euro-Grenze), eine erweiterte Informationspflicht („Midi“) für Projekte ab 2,5 Mio. Euro und die Prospektpflicht („Maxi“) erst ab der von der EU schon derzeit zugelassenen Untergrenze von 5 Mio. Euro geben.

Innovation und Auslandsaktivitäten gehen Hand in Hand

Österreichs Unternehmen setzen laut der aktuellen Umfrage auf Innovationsfähigkeit: Der F & E Anteil ist mit 18,5 % weiter gestiegen, Produktentwicklung ist bei den österreichischen Unternehmen weit verbreitet. Rund 29% aller befragten Unternehmen haben in den letzten drei Jahren Produktinnovationen durchgeführt, etwas weniger (27%) Dienstleistungsinnovationen. Das stellt in beiden Bereichen eine Steigerung zum Vorjahr dar.

Sowohl bei Exporten, als auch bei Direktinvestitionen, zeigt sich ein Zusammenhang zur Innovationstätigkeit der Unternehmen. Betriebe, die zwischen 2010 und 2012 Innovationen getätigt haben, exportieren zu 35% – Betriebe ohne Innovationstätigkeit nur zu 11%.

Für etwa die Hälfte der befragten Unternehmen sind Auslandsaktivitäten generell kein Thema. Hingegen planen die meisten Unternehmen, die bereits in den vergangenen zwei Jahren im Ausland aktiv waren, hier weiter tätig zu sein.

Spitzenreiter hierbei sind mittlere Unternehmen, fast drei Viertel (73%) haben Pläne für Auslandsaktivitäten von 2013 bis 2015. „Die Studienergebnisse zeigen uns, dass gerade die Absicherung des wirtschaftlichen Risikos als hilfreichstes Finanzierungsinstrument im Rahmen von Auslandsaktivitäten empfunden wird“, erklärt Sagmeister.

Laut Umfrage sehen Unternehmen die Finanzierung als größtes Hemmnis für Export und Internationalisierungsaktivitäten. „Daher ist es wichtig, dass den Unternehmen weiter ein breites Garantie-Instrumentarium für Auslandsaktivitäten zur Verfügung steht, die zum Teil auch von der aws angeboten werden“, meint Kronberger.

Einschränkungen nach Zielländern hält der WKÖ-Experte für nicht sinnvoll, weil es eine rein unternehmerische Entscheidung ist, welche Märkte bearbeitet werden.

 

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