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Analyse: Das Märchen vom Boom in den Schwellenländern ist noch nicht ausgeträumt

Wien. Viele Wirtschaftstreibende fragen sich, ob ihre China-Aufträge in die Binsen gehen werden oder die Unruhen in Brasilien, Ägypten und der Türkei überhaupt das Ende eines boomenden Geschäfts bedeuten. Ist das Ende der Blütezeit in den Schwellenländern erreicht?

Nein, ist das US-Investmenthaus Fidelity überzeugt: Die einzelnen Ereignisse mögen aufsehenerregend, teilweise auch dramatisch sein. Die grundlegenden Erfolgsfaktoren werden jedoch auch mittel- bis langfristig Bestand haben. Insgesamt betrachtet werden die Schwellenländer auch in Zukunft deutlich stärker wachsen als die Volkswirtschaften der Industrieländer, ist man bei Fidelity überzeugt.

Aus den im Vergleich mit den überalternden Gesellschaften des Westens schnell wachsenden und zunehmend gut ausgebildeten Bevölkerungen der Schwellenländer werden auf lange Sicht immer breitere Mittelschichten hervorgehen, meint das Investmenthaus. Mit wachsendem Wohlstand wird die Kauflaune dieser Menschen zu einem immer wichtigeren Wachstumstreiber. Laut einer Studie von McKinsey wird der Konsum in den Schwellenländern zwischen 2010 und 2025 sogar sechsmal schneller ansteigen als in den entwickelten Volkswirtschaften. Von diesem Trend werden vor allem Unternehmen profitieren, die diese wachsende Nachfrage bedienen. Zwischenzeitliche Turbulenzen in den aufstrebenden Märkte können dabei immer wieder auftreten.

Die Zweifel der Schwellenländerskeptiker würden laut Fidelity eines zu Recht andeuten: Nach einem Jahrzehnt des pauschalen Wachstums und der relativen Stabilität präsentiert sich die Welt der Schwellenländer heute deutlich komplexer. Einzelne Märkte entwickeln sich sehr viel unterschiedlicher als noch vor einigen Jahren.

Vor dem Engagement genau hinschauen

Dazu bringen die Fidelity-Experten ein Beispiel: Die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft von der Export- auf eine stärkere Binnenorientierung etwa wird ganz neue Gewinner und Verlierer hervorbringen. Unternehmen wie der brasilianische Bergbaukonzern Vale werden unter den sinkenden Infrastrukturausgaben im Reich der Mitte zu leiden haben. Umgekehrt dürfte die brasilianische Zucker- und Sojabohneindustrie von der wachsenden Kauflaune chinesischer und anderer Konsumenten profitieren.

Auch in anderen Schwellenländern führen dynamische Strukturveränderungen zu neuen Verteilungen des Wohlstands. Dies bedeutet keinesfalls das Ende der Blütezeit der Schwellenländer, meint das US-Investmenthaus – wohl aber, dass man künftig genauer hinschauen und die bisherige Art, in diese Ländern zu investieren, auf den Prüfstand stellen muss.

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