
Wien. Der KSV1870 hat die Ergebnisse seiner aktuellen Trendumfrage über die Zahlungsmoral in Österreich veröffentlicht: Freuten sich im Vorjahr noch 39 % der Befragten über steigende Umsätze, waren es diesmal nur 30 %. 21 % berichten von sinkenden Umsätzen.
Doch dieser Umstand hat keine Auswirkungen auf die Zahlungsmoral: Unternehmen zahlen nach wie vor nach 31 Tagen. Als besonders gute Kunden wurden auch die Privaten mit 18 Tagen Zahlungsdauer bestätigt. 10 Tage länger als andere Kunden braucht die öffentliche Hand für die Bezahlung ihrer Rechnungen.
Das sei zwar ein Tag weniger als noch im Vorjahr, doch immer noch „kein Grund zum Jubeln“, heißt es in einer Aussendung.
Vor einer Herausforderung dürften öffentliche Auftraggeber stehen: Laut Bundesgesetzblatt 128/2013 vom 11. Juli 2013 dürfen sie in Zukunft nur noch eine Zahlungsfrist von maximal 30 Tagen festlegen. Derzeit beträgt das vertraglich vereinbarte Zahlungsziel durchschnittlich 33 Tage.
Die tatsächliche Zahlungsdauer weist zwischen Wien (44 Tage) und Vorarlberg (32 Tage) aber große Unterschiede auf.
Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, begrüßt die neue Regelung: „Die öffentliche Hand sollte im Zahlungsverkehr generell mit gutem Beispiel voran gehen. Das wäre ein wichtiger Impuls für die Wirtschaft, deren Funktionieren vom laufenden Geldfluss abhängig ist. Wenn dieser ins Stocken gerät, sind automatisch mehrere Geschäftspartner betroffen, die dann sehr oft ihrerseits in Verzug geraten.“
Im März 2013 wurde die EU Zahlungsverzugsrichtlinie für Rechtsgeschäfte mit Firmenkunden umgesetzt. Die Umfrage hat bestätigt, dass die heimischen Unternehmen mit 25 Tagen Zahlungsziel innerhalb der gesetzlichen Vorgaben liegen.
Lediglich knapp 9 % der Befragten haben es daher für nötig befunden, Zahlungsfristen neu zu verhandeln bzw. zu ändern. Zwei Drittel (66 %) davon haben letztlich für ihre Kunden die Zahlungsfristen gekürzt.
Österreichs Unternehmen international im Spitzenfeld
Auch international betrachtet liegen die Österreicher mit einem Zahlungsziel von 25 Tagen im Spitzenfeld. Vergleichszahlen zeigen, dass sie damit nur von Großbritannien (23 Tage), Dänemark und Deutschland (jeweils 24 Tage) überrundet werden.
Die schlechtesten Zahler in der Statistik finden sich in Griechenland, wo 32 % der Rechnungsadressaten mit bis zu 15 Tagen und 16 % gar mit bis zu 90 Tagen Verzug bezahlen.
Burgenland und Kärnten sind Schlusslichter
Im Bundesländervergleich bilden Burgenland und Kärnten mit 7 Tagen Zahlungsverzug die Schlusslichter, die pünktlichsten Zahler finden sich in Oberösterreich, Vorarlberg und Tirol.
Vorarlberg steht auch bei den privaten Zahlern an der Spitze: mit lediglich 1 Tag Verzug. Die mit 5 Tagen Verzug am schlechtesten zahlenden Privatpersonen finden sich in Kärnten und Steiermark.
„Die Österreicher sind nach wie vor sehr gute Zahler, 74 % der Firmenkunden zahlen ihre Rechnungen pünktlich, das ist auch international betrachtet vorbildlich. Dass sich das auch in Zeiten, in denen die Zukunft nicht mehr so rosig beurteilt wird, nicht ändert, zeigt die hohe Seriosität unserer Betriebe und dass sie sich ihrer Rolle und Verantwortung sehr genau bewusst sind“, so Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG, zum Ergebnis der Studie.
Allerdings waren 43 % der befragten Unternehmer selbst von Kundeninsolvenzen betroffen, im Schnitt waren es sogar sechs Insolvenzen, die die Unternehmen zu verkraften hatten. Trotzdem denken 80 % nicht daran, ihr Personal zu reduzieren und beinahe 13 % wollen sogar zusätzliches einstellen.
Haben vor einem Jahr noch 60 % der Unternehmen ihre Geschäftslage als sehr gut bzw. gut bewertet, waren das 2013 nur noch 53 %. Mehr als 10 % hingegen schätzen ihre Lage als mangelhaft bzw. ungenügend ein, das sind um über 3 % mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung im zweiten Halbjahr prognostizierten hingegen weniger als 4 % als sehr positiv.
Über die Trendumfrage
An der KSV1870 Trendumfrage über das Zahlungsverhalten in Österreich haben im Juni 2013 rund 2.500 Unternehmen (Kunden und Mitglieder des KSV1870) teilgenommen. Bei den befragten Unternehmen handelt es sich großteils um kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Link: KSV1870
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