17. Sep 2013   Business

Zwei-Klassen-Gesellschaft: 93 Mio. Europäer ohne Konto brauchen spezielle Bankprodukte, so MasterCard

Rom/Wien. 93 Millionen Europäer haben keinen oder nur massiv eingeschränkten Zugang zum modernen Zahlungsverkehr. Das ist das Ergebnis der Untersuchung „Road to Inclusion“ von MasterCard – laut eigenen Angaben auf Basis der bisher größten Studie über benachteiligte Gesellschaftsgruppen im Zahlungsverkehr („financially excluded“). Manche Vorurteile über diese Gruppe seien mit den Studienergebnissen in Frage gestellt.

So haben viele, aber beileibe nicht alle kontolosen Menschen in Europa kein Einkommen. Manche verzichten auch freiwillig auf ein Bankkonto. Das bedeutet neben Problemen bei potenziellen Arbeitgebern auch einen Verzicht auf große Teile des Online-Shopping. Prepaid-Karten etwa für Handys kommen nur für die Hälfte der Betroffenen in Frage. Der Rest lebt ausschließlich von physischen Geldreserven und zahlt selbst die Miete in bar. MasterCard will die Ergebnisse für neue Finanzprodukte nützen.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden anlässlich der 2013 MasterCard Europe Prepaid Conference in Rom vorgestellt. In sechs Ländern (Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Russland) wurden Daten erhoben, wobei die Ergebnisse regional nur wenig variieren – und somit nahelegen, dass die Probleme der benachteiligten Gruppen in allen Ländern Europas und darüber hinaus weitgehend dieselben sind, so jedenfalls MasterCard in einer Aussendung.

Ziel der Studie sei gewesen, die spezifische Situation und ihre Auswirkungen auf Entscheidungen und Lebensstile besser zu verstehen – auch um den Betroffenen besser als bisher Angebote machen zu können, um sie „in die Mitte der Gesellschaft zu holen“, so die Aussendung.

Prinzipiell unterscheidet die Untersuchung zwischen zwei Gruppen:

  • Finanziell Ausgeschlossene ohne jeglichen Zugang zum Zahlungsverkehr (bar und unbar) sind im Schnitt 40 Jahre alt. 55% sind Frauen, 51% sind verheiratet. Die größte Gruppe darunter (40%) hat in den letzten drei Monaten keinerlei Einkommen erzielt, etwa aus Arbeitslöhnen, Transferleistungen oder anderen Quellen. 81% von ihnen haben ihr ganzes Leben im aktuellen Wohnsitzland gelebt.
  • Finanziell Unterversorgte haben keinen Zugang zum elektronischen Zahlungsverkehr. Auch hier liegt der Altersschnitt bei 40 Jahren und der Frauenanteil bei 55%. Tendenziell sind hier mit 37% weniger Verheiratete zu finden. 36% in dieser Gruppe haben in den vergangenen drei Monaten Sozialhilfe (bzw. je nach Land vergleichbare Unterstützung) erhalten, 33% hatten ein Arbeitseinkommen. Von ihnen haben 83% v haben ihr ganzes Leben im aktuellen Wohnsitzland gelebt.

In beiden Gruppen sei der wichtigste Grund, kein Bankkonto zu haben: Zu wenig Geld. Dies trifft auf rund 25% zu. Andere Angaben waren „Ich brauche/will kein Konto“, „Ich bekomme kein Konto“, „Ich mag/vertraue Banken nicht“. Diese Menschen zahlen etwa ihre Mieten (98%) und Einkäufe (95%) bar, und sie verstauen ihre (Bargeld)Reserven in Geheimverstecken in der Wohnung, wird geschildert.

Nachteile und Alternativen

Durch ihre Situation entgehen ihnen freilich Vorteile des elektronischen Zahlungsverkehrs: etwa Zinsvorteile aus längeren Zahlungszielen, Zugang zu verbilligten Artikeln oder Internet-Banking, so MasterCard.

Immerhin zwei Drittel besitzen ein herkömmliches Mobiltelefon (66%), während der gleiche Anteil Mobile Banking nicht einmal dem Namen nach kennt. Für ein Viertel der Betroffenen ist zudem der Zugang zu Computern stark eingeschränkt. 54% der Befragten sehen Prepaidkarten als einen grundsätzlich interessanten Ausweg, 39% würden diese als relevantes Hilfsmittel nützen.

Jennifer Rademaker, Senior Vice President of Core Products Europe von MasterCard, dazu: „Allein in Westeuropa leben 93 Millionen Menschen völlig ohne oder nur mit massiv eingeschränktem Zugang zum modernen Zahlungsverkehr. Allein mit Prepaid-Karten könnte ihnen schon enorm geholfen werden. Über den Zugang zum Zahlungswesen führt der Weg zur gesellschaftlichen und technologischen Integration. Wir fühlen uns daher verpflichtet, hier Aufklärungsarbeit zu leisten. Dabei geht es nicht um eine einzige Lösung für alle, sondern um personalisierte Ansätze, die verschiedenen Lebensumständen Rechnung tragen.“

Link: MasterCard

 

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