07. Okt 2013   Personalia Recht

Neue Serie Karriere-Chancen bei Wirtschaftskanzleien: Wen sucht Schönherr

Gudrun Stangl Lutz ©Schönherr
Gudrun Stangl Lutz ©Schönherr

Karriere. Unsere Serie „Kar­riere als Anwalt“ beleuchtet Arbeits­markt­si­tua­tion, Aus­wahl­kri­te­rien und Karriere-Chancen für Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wälte bzw. Jus-Studentinnen und –Stu­den­ten in Öster­reichs Anwaltssozietäten.

In der aktuellen Aus­gabe unse­rer Karriere-Serie erklärt Gudrun Stangl Lutz, Partnerin und COO bei Schönherr, welche Rechtsbereiche aktuell zunehmen und prognostiziert Trends und Anforderungen für die Zukunft.

Recht.Extrajournal.Net: Welche juristischen Spezialisierungen sind am Arbeitsmarkt aktuell besonders gefragt? Welche Spezialisierungen suchen Sie gerade besonders?

Gudrun Stangl Lutz: Die Nachfrage nach hochqualifizierten Juristen und Anwälten für spezielle Bereiche reflektiert ganz gut die Spuren, die die Finanzkrise in den betroffenen Volkswirtschaften hinterlassen hat. Das Transaktionsgeschäft ist deutlich geschrumpft. Ob das Transaktionsgeschäft in den nächsten Jahren wieder Vorkrisenniveau erreichen wird, bleibt abzuwarten. Ich persönlich schätze die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch ein.

Andere Bereiche hingegen, in denen auch wir unsere Teams laufend verstärken, haben zugelegt. Hierzu zählen insbesondere der Bereich Fremdkapital und Finanzierungen und sämtliche damit verbundenen Themen wie Bankenrecht und Restrukturierungen. Andere Wachstumsfelder sind Compliance, also Haftungsrecht, Antikorruptions- und Kartellrecht, und Litigation einschließlich Schiedsgerichtsbarkeit.

Welche juristischen Spezialisierungen werden voraussichtlich in den nächsten 10 Jahren besonders gefragt sein?

Stangl LutzZukunftsprognosen über 10 Jahre sind bei der Schnelllebigkeit des Marktes und den sich daraus ergebenden Anforderungen an Wirtschaftsanwälte schwierig. Soviel ist aber gewiss: ein guter Wirtschaftsanwalt muss weiterhin nicht nur die juristischen Qualifikationen mitbringen – das wird so oder so vorausgesetzt –, sondern auch über ein solides wirtschaftliches Verständnis verfügen. Jede Zusatzqualifikation ist ein weiteres Asset, das zur Schärfung des persönlichen Profils beiträgt.

Auf fachlicher Ebene ist eine Mischung aus rechtswissenschaftlicher, betriebs- und volkswirtschaftlicher Kompetenz gefragt. Führende Wirtschaftskanzleien wie Schönherr fördern diese Fähigkeiten durch „training on the job“ und gezielte Fortbildung.

Daneben werden auch andere Fertigkeiten immer wichtiger. Als Beispiel nenne ich die Fähigkeit komplexe Sachverhalte für einen Nicht-Juristen verständlich zu präsentieren, Projektmanagement und unternehmerisches Denken.

Ein weiterer wesentlicher Faktor, der auch in Zukunft noch an Gewicht gewinnen wird, ist die Rolle des In-house Counsel und die Beziehung zwischen Unternehmen und Anwalt. Die Funktion und Position des In-house Counsel in Unternehmen hat sich in den letzten Jahren geändert. In-house Counsel haben deutlich an Profil und Bedeutung gewonnen. Mit der stärkeren Position der In-house Counsel geht eine stärkere Professionalisierung und Kommerzialisierung des Mandantenverhältnisses einher.

Weitere Trends, die sich jedenfalls fortsetzen werden, sind die Bereiche Umwelt und Energie. Globale Erwärmung, Energieknappheit, erneuerbare Ressourcen sind seit langem heiß diskutierte Themen und beschäftigen die Unternehmen. Nicht zuletzt aufgrund der strengeren EU Vorgaben sehen wir hier und vor allem auch in unserer Heimregion Zentral- und Osteuropa ein starkes Wachstumsfeld.

Dann wird es wahrscheinlich auch neue Rechtsbereiche geben, die sich aus technologischem Fortschritt entwickeln, sowie aktuell der Bereich Neue Technologien und Neue Medien. Die Rechtsentwicklung in diesen Bereichen hinkt meist hinterher und bringt daher auch erhöhten Beratungsbedarf, da es viele offene Fragen gibt, die Gesetze dafür erst geschaffen werden und in der Anwendung getestet und weiterentwickelt werden müssen. Wir haben beispielsweise bei Schönherr ein NewTech Team aus Spezialisten für Datenschutz, IP, IT und Zivilrecht gebildet, das sich diesen Anforderungen und unter anderem den Themen Social Media, Intelligent Devices, Apps, Cloud Computing widmet.

Für Berufseinsteiger wie auch Anwälte wird gelten: Zusatzqualifikationen werden weiterhin hoch im Kurs stehen. Neben Internationalität wird Sprachkompetenz – in Mitteleuropa natürlich CEE Sprachen und im Hinblick auf den zunehmenden Grad von Asian inbound investments in den EU Raum, auch Chinesisch oder Koreanisch vermehrt nachgefragt werden.

Mag. Gudrun Stangl Lutz, LL.M., ist Partnerin und COO bei Schönherr.

Link: Schön­herr

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