25. Nov 2013   Recht

Was bringen Anwaltsrankings? Law Business-Berater Alexander Gendlin über gute und schlechte Rankings

Alexander Gendlin ©Law Business
Alexander Gendlin ©Law Business

Wien. Rankings von Wirtschaftskanzleien sind derzeit groß in Mode – von der internationalen Fachzeitschrift bis zum österreichischen Massenmedium mit Wirtschaftseinschlag.

Alexander Gendlin, Geschäftsführer des auf die Rechtsbranche spezialisierten Beratungsunternehmens Law Business, betreut seit 2004 Kanzleien in Ranking-Fragen: „Bei der Einreichung von Dokumenten an Rankings ebenso wie bei der Zusammenarbeit mit den Rankings“, sagt Gendlin. Im Interview mit Recht.Extrajournal.Net verrät er, wie man ein gutes von einem schlechten Ranking unterscheidet – und ob es sich für Klienten überhaupt lohnt, einen Blick darauf zu werfen.

Recht.Extrajournal.Net: Wie ist aus Ihrer Sicht der Stellenwert von Kanzleirankings in der europäischen und österreichischen Anwaltsbranche ganz generell einzuschätzen, sind sie wichtig und – wenn ja – hat es handfeste Vorteile für eine Kanzlei, teilzunehmen?

Alexander Gendlin: Die, wohlgemerkt richtigen, Rankings sind sehr wichtig. Sie sind – abgesehen von persönlichen Empfehlungen oder Erfahrungen – einfach die einzige strukturierte und objektive Informationsquelle über das Können von Kanzleien und Anwälten.

Natürlich sind Zeitungsberichte ebenfalls eine gute Quelle – aber hier wird punktuell, z.B. über eine neue Causa berichtet. Gute Rankings stellen gesammelte Infos – ganz speziell auch für Nicht-Juristen – leicht lesbar bereit. Da sich die guten Rankings wie Chambers oder Legal 500 etabliert haben, kann eine Kanzlei bei Nichtteilnahme riskieren, dass sie auf dem Radar von Entscheidungsträgern, die den juristischen Markt nicht ausreichend kennen, einfach nicht auftaucht. Auch Referenzgeschäft aus dem Ausland kann verloren gehen. Welcher Anwalt zB aus den USA kennt den österreichischen Markt schon in- und auswendig.

Ausserdem möchten auch Bestandsklienten regelmäßig prüfen, ob ihre Auswahl noch gerechtfertigt ist und zB dem neuen Vorgesetzten objektiv kommuniziert werden kann. Sollte dann mal eine Beratung nicht gut gewesen sein und ein Prozess verloren gehen, wird die Person, von der die Kanzlei ausgewählt wurde objektiv argumentieren müssen, warum man diesen Rechtsvertreter gewählt hat.

Wie gehen marktübliche Rankings vor: wird man sozusagen automatisch erfasst, wenn man Bedeutung in der Szene der Wirtschaftskanzleien hat, sind die üblichen Rankings also repräsentativ, oder handelt es sich um eine willkürliche Auswahl?

Eine seriöse automatische Erfassung gibt es nicht. Dafür ist die Rechtsberatung als Dienstleistung zu komplex. Ein Ranking hat nur dann Aussagekraft, wenn Researcher eingesetzt werden die sich intensiv mit den Causen einer Kanzlei auseinandersetzen, die Klienten der Kanzleien strukturiert befragen und weitere Informationen wie zB Seminar- und Recruiting-Aktivitäten der Kanzlei einholen.

Zu warnen ist vor Rankings, die mit dem Argument >Die Leser haben gewählt< kommen. Da gibt es >Verlage<, die ein- und denselben >Award< an Kanzleien senden und – natürlich gegen Kauf von Werbeeinschaltungen – die Verleihung des Awards nach außen kommunizieren möchten. Dann warten sie, welche Kanzlei zuerst zuschlägt.

Wie soll eine Kanzlei entscheiden, an welchen Rankings sie teilnimmt, und mit welchen Kosten muss sie rechnen?

Von seriösen Rankings werden auf jeden Fall Researcher eingesetzt, die umfassende Daten (zB Causen) einholen und strukturiert Klienten befragen. Gute Rankings verlangen keine Werbeeinschaltung für die Verleihung eines Preises. Abgesehen von der Seriosität des Rankings muss jede Kanzlei entscheiden, wie weit eine Platzierung realistisch ist. So macht zB der IFLR Award wirklich nur für Grosskanzleien Sinn. Auch ThomsonReuters ist aufgrund der Unmsatzgetriebenheit der Wertung nichts für kleine Kanzleien.

Bei zB Chambers hingegen können sich für das Ranking auch kleine Kanzleien bewerben um sich etwa als Spezialboutique zu platzieren. Das ist vor allem für das Referenzgeschäft wichtig, um von zB ausländischen Grosskanzleien als Partner entdeckt zu werden.

Die Kosten sind schwer zu schätzen. Es müssen auf jeden Fall echte Fachleute und Native Speaker eingesetzt werden. Auf keinen Fall sollte die Arbeit mit den Rankings leichtfertig an zB Studenten ausgelagert werden. Bis auf wenige Ausnahmen verlangen die guten Rankings nichts für eine Teilnahme. Man kann sich durch Werbeeinschaltungen also keinen seriösen Award erkaufen.

Das bedeutet, dass die Teilnahme an solchen Rankings kostenfrei ist? Wovon leben die Veranstalter?

Das Geschäftsmodell der seriösen Rankings ist es, durch guten Content entsprechend Leser und Interessenten zu generieren und hier Werbeeinschaltungen und weitere Services zu verkaufen. Wie bei allen anderen guten Medien. Es gibt jedoch bei den seriösen Rankings eben keinen Zusammenhang zwischen Werbeeinschaltungen und vergebenen Awards.

Die Teilnahme ist bei den meisten Rankings kostenfrei. Die Rankings leben eben von den Werbeeinschaltungen und von Querfinanzierungen wie zB Organisieren von Konferenzen, Verkauf von physischen Nachschlagewerken und physischen Trophäen, etc. Ein Kostenpunkt für eine Kanzlei wäre – bei Gewinn eines Awards oder wenn man es auf die Short List geschafft hat – dass man zB nach London fliegt und dort beim Galaevent der Verleihung einen Tisch mietet. Das ist bei seriösen Rankings wie zB Chambers jedoch nicht verpflichtend. Man kann sich den Award auch zusenden lassen.

Natürlich spielt hier die Überlegung mit, dass die siegreichen Kanzleien das aus Prestigegründen freiwillig machen wollen. Das ist jedoch bei gut recherchierten Medien völlig in Ordnung. Es ist ganz klar ein gutes Mittel für eine Kanzlei, mit Fotos vom Award eines seriösen Rankings zu werben.

Wären Sie ein Klient, würden Sie Rankings lesen, um die richtige Wirtschaftskanzlei für sich zu finden?

Auf jeden Fall. Wir betreuen gezielt Entscheidungsträger wie zB Inhouse Counsels & CFOs. Sogar wenn Klienten bereits Kanzleien auf der Shortlist haben, wollen sie regelmäßig Alternativen sehen, weil jede Kanzlei mal Fehler macht und hier Unzufriedenheit entsteht. Natürlich spielt auch der Preisdruck bei den Stundensätzen eine Rolle.

Mündige Klienten erkennen auch, ob ein Anwalt wirklich in seinem Spezialgebiet betreut oder nicht. Rankings können hier sehr gut für die Suche nach Spezialisten genützt werden. Auch Klienten, die keine juristischen Kenntnisse haben, können über Rankings sehen, ob ihre Kanzlei bzw. die jeweiligen Anwälte oft in dem entsprechenden Rechtsgebiet genannt werden. Natürlich sind die Rankings nicht allwissend. Aber wenn ein Anwalt in allen wichtigen Rankings gleich gut bzw schlecht abschneidet, kann eine Tendenz schon erkannt werden.

Link: Law Business

 

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