12. Feb 2014   Bildung & Uni Business Recht Tipps

Wenn Arbeitgeber ihre Bewerber im Internet checken: Darauf achten sie

Maximilian Schubert © ISPA
Maximilian Schubert ©ISPA

Wien. Österreichs Internetprovider-Vereinigung ISPA wollte mehr über die Art und Weise wissen, wie Arbeitgeber das Internet nützen. Doch die Ergebnisse fallen überraschend aus.

In der gemeinsam mit dem Telekommunikationsinstitut ÖIAT in Auftrag gegebenen und beim Safer Internet Day 2014 präsentierten Studie „Mein Ruf im Netz – Auswirkungen auf die berufliche Zukunft“ wurden Personalverantwortliche über ihre Online-Recherchen im Zuge des Bewerbungsprozesses befragt. Ergebnis: Klar nutzen sie Online-Informationen über die Bewerber – interpretieren diese aber ganz anders als erwartet. Auch der Umgang mit Social Media wie Facebook wurde abgefragt: 25% der Befragten hatten damit im Betrieb schon Probleme, die teilweise bis zur Kündigung führten.

Dass das Internet immer stärker dazu genutzt wird, um sich ein Bild von potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu machen, verwundere nicht, so die ISPA in einer Aussendung. Konkret nützen 47 Prozent der Befragten das Internet für die Recherche über Bewerber; 53 Prozent gaben an, dies nicht zu tun. In der Branchenbetrachtung ist der Anteil der Nutzer bei Software/IT/Telekommunikation mit 68 Prozent besonders hoch, gefolgt von Werbung/Kreativwirtschaft/Medien (58%) und Dienstleistern (53%) sowie Banken, Versicherern, Finanzbranche (51%).

Über 80 Prozent aller Befragten sind übrigens der Meinung, dass die Bedeutung der Online-Recherche im Wachsen begriffen ist. Konkret dafür herangezogen werden vor allem Suchmaschinen wie Google, Bing und Yahoo (76%), gefolgt von Social Media wie Facebook, Google+ und Twitter (61%). Business-Netzwerke wie Xing werden von 44% der Befragten benutzt; 35 Prozent der befragten Personalchefs schauen sich auch die Website des bisherigen Arbeitgebers an.

Dabei kommt es 61% Befragten vor allem auf einen allgemeinen Eindruck von der Persönlichkeit der Bewerberin oder des Bewerbers an. Sie betrachten dazu vor allem Kommentare, Postings und ähnliche vom Kandidaten selbst verfasste Inhalte (51%), gefolgt von Hobbys und Interessen (40%).

Was die Online-Recherche bewirkt

In durchschnittlich 29 Prozent der Fälle hat das Ergebnis der Online-Recherche Auswirkungen auf den Bewerbungsprozess, so die Studie. 46 % geben dabei an, dass die Auswirkungen positiv wie negativ seien, 10% sehen eher negative und 7% mehrheitlich positive Auswirkungen für den Bewerber.

Und welche Suchergebnisse wirken besonders stark auf den Personalchef?

  1. Widersprüche zum offiziellen Lebenslauf (89%)
  2. Derbe, diskriminierende Sprüche oder Kommentare (87%)
  3. Darstellung von Alkohol- oder Drogenmissbrauch (84%)
  4. Angaben zu radikalen politischen Ansichten (84%)
  5. Viele Rechtschreib- und Grammatikfehler (79%)
  6. Besondere berufliche Leistungen (78%)
  7. Negative Kommentare über frühere Arbeitgeber (76%)
  8. Guter Gesamteindruck des Online-Auftritts (70%)
  9. Soziales Engagement (63%)
  10. Kreativität des Online-Auftritts (58%)
  11. Gute Internet-Kompetenzen des Bewerbers (58%)
  12. Freizügige Fotos (57%)
  13. Besondere private Leistungen (53%)
  14. Viel Mundart / Dialekt (40%)
  15. Partyfotos (32%)

Die oft zititerten wilden Facebook-Partyfotos als Karrierekiller sind demnach zu relativieren: zeigen sie keinen Alkohol- oder Drogeneinfluss bzw. sonstige in den Augen der PersonalchefInnen anstößige Tatsachen, so wirken sie relativ schwach; jedenfalls deutlich weniger als radikale politische Ansichten.

Auch Rechtschreibfehler und andere Präsentationsschwächen werden gar nicht gern gesehen. Ein absolutes No-Go (und Hauptinteresse der Personalchefs) sind natürlich Widersprüche zum offiziellen beim Unternehmen eingereichten Lebenslauf.

Weniger ist mehr

Schon überraschender ist aber ein weiteres Ergebnis der Studie: dass nämlich ein fehlender Netzauftritt eher positiv als negativ interpretiert wird, wie es in der Aussendung heißt. Wenn Personalverantwortliche nichts oder fast nichts im Internet über Bewerber/innen finden, werde das im Schnitt eher positiv als negativ interpretiert. Es wurden in der Studie konkret mehr als doppelt so viele positive wie negative Interpretationen genannt. Die Frage lautete:

Angenommen, Sie suchen im Internet, um mehr über eine/n Bewerber/in zu erfahren, finden aber nichts oder fast nichts zu dieser Person im Internet. Wie würden Sie dies interpretieren? Welche Gedanken gehen Ihnen in Bezug auf den Bewerber bzw. die Bewerberin durch den Kopf?

Positiv:

  • „schützt sein Privatleben“,
  • „achtet auf Privatsphäre“,
  • „vermittelt positiven Eindruck“, etc.

Negativ:

  • „technologischer Nachzügler“,
  • „hat etwas zu verbergen“,
  • „unscheinbarer Mensch“, etc.

Facebook-Postings als Stein des Anstoßes

Auch der Umgang mit Social Media Plattformen im eigenen Unternehmen wurde abgefragt. So nutzen bereits 63% der befragten Firmen diese Kanäle für Unternehmenszwecke, aber längst nicht alle haben bezüglich der Nutzung von Social Media Richtlinien für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und das, obwohl 25% der Befragten angaben, dass es mit dem Online-Verhalten dieser schon Probleme gab, die teilweise sogar zu einer Kündigung führten.

„Ein besonders auffälliges Beispiel ist die IT- und Telekombranche“, führt ISPA Generalsekretär Maximilian Schubert aus. Dass diese Unternehmen die sozialen Netzwerke stärker nutzen als der Durchschnitt, liege auf der Hand. Gehe es aber um Richtlinien für die Angestellten zum Umgang damit, sei die Branche dagegen Schlusslicht. Der Anteil der Unternehmen, in denen das Verhalten einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters schon einmal ein Kündigungsgrund war, liegt hier allerdings bei 19% und damit beinahe doppelt so hoch wie im Schnitt.

„Aufgrund der Studienergebnisse kann ich Unternehmen nur den Rat geben, mit ihren Angestellten Richtlinien für den Umgang mit sozialen Medien zu vereinbaren, tunlichst bevor Probleme auftreten. Das nützt definitiv beiden Seiten“, resümiert Schubert. Die ISPA fordert außerdem, den richtigen Umgang mit dem Internet auch in Erziehung und Ausbildung stärker zu berücksichtigen.

Die Tipps der Provider

Die ISPA hat einige Tipps für Private im Netz zusammengestellt, was den eigenen Auftritt betrifft. Diese lauten:

  • Gestalten Sie Ihren Ruf im Netz. Nutzen Sie Ihre Präsenz im Internet gezielt als Unterstützung für Ihre Bewerbung.
  • Betrachten Sie die Überprüfung des eigenen Rufs im Netz als selbstverständlichen Teil einer Bewerbung.
  • Suchen Sie regelmäßig nach sich selbst im Internet.
  • Veröffentlichen Sie nichts im Internet, was zu Ihrem oder dem Nachteil von anderen verwendet werden kann.
  • Nutzen Sie Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre in Sozialen Netzwerken.

Link: ISPA (Studienzusammenfassung)

 

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