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Recht

Österreichs Anwälte brauchen öffentlichen Auftritt jenseits der US-Filme, so Skills-Managing Partner Gangoly

Jürgen Gangoly ©www.reneedelmissier.com / Skills
Jürgen Gangoly ©www.reneedelmissier.com / Skills

Wien. Vertrauensberufe wie Anwälte und Steuerberater tun sich angesichts vieler Berufsgeheimnisse schwer, wenn es um die Öffentlichkeitsarbeit geht. Dabei haben gerade Österreichs Anwältinnen und Anwälte einen eigenen Auftritt dringend nötig, um ihre Leistungen ins rechte Licht zu rücken – ist doch das Bild ihres Berufsstands in den Augen der Durchschnittsbürger fast ausschließlich von Fernsehen und US-Filmen geprägt, meint Jürgen Gangoly, Managing Partner der PR-Agentur Skills.

Entsprechend falsch sei oft die Erwartungshaltung gegenüber Österreichs Anwälten – und weil diese als Berufsstand weiterhin nicht sehr redselig auftreten, ändert sich daran wenig. Professionelle Öffentlichkeitsarbeit soll das ändern, sagt Gangoly heute in unserer Interviewserie zum Thema. Gangoly berät die Rechtsanwaltskammer Niederösterreich in Sachen Bild der Anwälte in der Öffentlichkeit.

Recht.Extrajournal.Net: Was unterscheidet die PR-Arbeit für Rechtsanwälte von der PR-Arbeit für andere Unternehmen?:

Gangoly: Fast jeder Österreicher hat ein Bild eines Anwalts, das durch das Fernsehen und US-amerikanische Serien geprägt ist. Dieses Bild der Arbeit und Leistungen eines Rechtsanwalts hat in Österreich jedoch sehr wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun. Aufgabe einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit ist daher vor allem, die vielfältigen Dienstleistungen von Anwälten klar und verständlich für die jeweilige Zielgruppe darzustellen.

Hemmschwellen abzubauen ist eine besondere Herausforderung, denn wie uns viele Anwälte berichten, kommen die Klienten bei Problemen sehr häufig zu spät zum Anwalt. Das ist auch der Grund, warum wir für die Rechtsanwaltskammer Niederösterreich das Schul- und Bildungsprogramm >Anwälte machen Schule< entwickelt haben. Dieses vermittelt bereits im Unterricht Rechte und Pflichten des Einzelnen sowie Wissen zum Justizsystem in Österreich. Gleichzeitig soll es natürlich auch Berührungsängste nehmen.

Eine Besonderheit in der Zusammenarbeit mit Anwälten ist zudem, dass Juristen im Arbeitsalltag oft eine >andere Sprache< sprechen, als sie im Alltag und von den Medien verwendet wird. Es ist daher notwendig, die Anliegen und Leistungen der Anwälte für die Allgemeinheit verständlich zu formulieren.

Was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren bei der Öffentlichkeitsarbeit für Anwälte verändert?

Gangoly: Nachdem Anwälte über viele Jahrzehnte mit besonders strengen Richtlinien bezüglich Werbung und Öffentlichkeitsarbeit konfrontiert waren, gilt es nun die neuen Möglichkeiten, die eine aktive Medienarbeit bietet, auch für die Berufsgruppe der Anwälte effektiv zu nutzen. Hier ist sicherlich für die ganze Berufsgruppe eine große Umstellung notwendig. Man muss für Medien jederzeit erreichbar sein, Journalistenanfragen müssen heute binnen weniger Minuten beantwortet werden – oder man kann es gleich ganz lassen. Das Internet, der Einsatz von sozialen Medien und eine sich immer schneller drehende Geschwindigkeitsspirale sind für eine Berufsgruppe, die es gewohnt ist, jedes Wort sprichwörtlich auf die Waagschale zu legen, ein ungewohntes Umfeld. Damit muss man erst lernen, adäquat und effizient umzugehen.

Warum glauben Sie, dass sich immer mehr Anwaltskanzleien mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit auseinandersetzen?

Gangoly: Das hat mehrere Gründe: Einerseits gibt es durch den europäischen Wirtschaftsraum und die große Anzahl von grenzüberschreitenden Fällen mehr Mitbewerber, andererseits fordern die Klienten in praktisch allen Wirtschaftsbranchen eine immer stärkere Spezialisierung unter den Anwälten. Diese Spezialisierung muss klar erkennbar und glaubwürdig in der Öffentlichkeit dargestellt und kontinuierlich kommuniziert werden. Denn nur so kann sie bei den potenziellen Klienten auch ankommen.

Ein besonderes Spannungsfeld, in diem sich Anwälte im Zusammenhang mit Öffentlichkeitsarbeit bewegen, ist der enorm hohe Vertraulichkeitsanspruch, den es bei der Betreuung von Causen gibt. Diese Vertraulichkeit dem Klienten gegenüber muss immer das höchste Gut eines Anwalts bleiben und darf niemals von persönlichen Interessen und PR-Gedanken überlagert werden. Auch dafür sorgt ein seriöser PR-Berater im Gespräch mit Kunden aus der Berufsgruppe der Anwälte. Gleichzeitig sehen wir aber tagtäglich, dass es nicht nur für Anwälte enorm wichtig ist, im Umgang mit Medien geschult und gut beraten zu sein, immer öfter entscheidet die Medieneloquenz des Anwalts auch über Erfolg oder Misserfolg in öffentlichkeitswirksamen Verfahren. Professionelle PR-Arbeit kann somit nicht nur der öffentlichen Wahrnehmung eines einzelnen Anwalts oder der ganzen Berufsgruppe nützen, sondern ist meistens auch im Interesse der Klienten.

Jürgen Gangoly ist Geschäftsführer und Partner der Skills Group

Link: Skills

 

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