12. Mrz 2014   Bildung & Uni Business Steuer

Deloitte-Studie: „Unternehmen sind unzureichend für die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts gerüstet“

Gundi Wentner ©Deloitte
Gundi Wentner ©Deloitte

Wien. Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen in Führungs- und HR-Fragen, so das Ergebnis der aktuellen Deloitte-Studie „Global Human Capital Trends“. Handlungsbedarf sehen die 2.500 befragten Manager und Personalverantwortlichen aus 90 Ländern bei Führung, Rekrutierung und Bindung von Talenten sowie der Weiterentwicklung ihrer HR-Organisation.

Grundtenor der Studie: Ein Großteil der Unternehmen ist für die Herausforderungen der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts kaum oder unzureichend gerüstet. 

„Die Herausforderung für die meisten Unternehmen liegt darin, dass sie auf die großen Veränderungen in der Arbeitswelt nicht vorbereitet sind“, erklärt Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Angesichts der demografischen und technologischen Entwicklungen werden herkömmliche Führungs- und Personalmanagementmethoden nicht ausreichen. Die Organisationen des 21. Jahrhunderts sind internationaler, vernetzter und volatiler, Mitarbeiter so gut ausgebildet, flexibel, mobil und anspruchsvoll wie noch nie – und gleichzeitig viel zu wenige.“

Unternehmen und insbesondere Personalverantwortliche sollen sich rasch umstellen müssen, wenn sie in „diesem kompetitiven Umfeld die richtigen Talente rekrutieren, entwickeln und binden wollen“, so Wentner.

Entwicklung der Führungskräfte ist die größte Herausforderung 

Führungskräfte auf allen Ebenen auszubilden und zu entwickeln ist für die Befragten die derzeit größte Herausforderung (86 %). Nur 13 % glauben, dass sie in puncto Führungskräfte-Entwicklung gut aufgestellt sind. 66 % sind davon überzeugt, dass sie keine guten Leadership-Angebote für die Generation der Millennials haben, und über die Hälfte der Befragten (51 %) haben wenig Vertrauen in ihre Nachfolgeprogramme.

Bindung und Motivation von Mitarbeitern ist laut der Studie die zweitgrößte Herausforderung. Mehr als ein Drittel (38 %) der Führungskräfte gibt an, Schwierigkeiten zu haben, Unternehmensziele mit den Mitarbeiterzielen in Einklang zu bringen. Darüber hinaus sehen vier von zehn Befragten ihr Unternehmen nicht ausreichend gerüstet, um ihre Mitarbeiter bei der Balance ihres privaten und beruflichen Lebens zu unterstützen.

„Zweifellos ist eine zeitgemäße Human Capital-Strategie heute ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen“, meint Christian Havranek, Partner bei Deloitte Österreich. „Eine der interessantesten Erkenntnisse der Studie ist, dass mehr zu tun nicht ausreicht. Unternehmen müssen heute anders führen, permanente Innovation vorantreiben und ihr HR-Management von Grund auf verändern. Dabei spielen Technologie-Einsatz und die Qualifizierung der HR-Teams eine wichtige Rolle.“

86 % der Führungskräfte stufen Führung als wichtig oder dringend ein, aber nur 13 % bringen eigenen Angaben zufolge „Global Leaders“ hervor. Hier zeige sich laut Deloitte die größte Differenz zwischen Soll und Ist in der Studie.

Mehr als zwei Drittel (70 %) der Führungskräfte bezeichnen neue Lernmethoden wie kostenlose e-Learning-Plattformen als wichtig, aber nur 6 % geben an, dass sie in der Lage sind, ihren Mitarbeitern e-Learning-Programme zugänglich zu machen und überzeugend zu gestalten.

Arbeitsbedingungen überfordern Mitarbeiter

Eine 24/7 Arbeitsatmosphäre überfordert Mitarbeiter, zehrt an der Produktivität und senkt die Mitarbeiter-Motivation. Für über ein Drittel (34 %) der Führungskräfte zählen diese zu den fünf wichtigsten Themenfeldern und weniger als einer von zehn Befragten glaubt, dass damit effektiv umgegangen wird.

Auch wenn die meisten Unternehmen (62 %) Social Media-Kanäle für das Anwerben von Positionen bedienen, geben 54 % der Befragten an, das Potenzial nicht voll auszunutzen.

Fast alle Unternehmen setzen sich für Diversität ein, aber die meisten scheitern daran, die Vorteile einer facettenreichen Belegschaft wirklich zu nutzen. Auf diese Aufgabe ist ein Drittel (34 %) der Unternehmen nicht vorbereitet, nur 20 % ziehen einen Nutzen daraus.

Bedarfsplanung scheitert an Analysemängeln 

Die zunehmende Digitalisierung von Daten eröffnet neue Wege in der strategischen Personalbedarfsplanung. Allerdings glauben nur 7 % der Unternehmen, dass sie in der Lage sind, große Datenmengen zu analysieren und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Link: Deloitte Österreich

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