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Personalia, Recht

Personalberater lawyers & more: „Es wird immer wichtiger ein genau definiertes Marktsegment zu finden“

Susanne Hochwarter ©lawyers & more
Susanne Hochwarter ©lawyers & more

Wien. Die Zahl der eingetragenen Rechtsanwälte in Österreich ist in den letzten 10 Jahren um knapp ein Drittel gestiegen. Daher wird die frühe Spezialisierung auf ein klar definiertes Markt- bzw. Mandantensegment immer wichtiger, meint Susanne Hochwarter, Chefin der auf Unternehmensjuristen und Anwälte spezialisierten Personalberatung laywers & more in Wien.

In Zukunft werden vor allem Juristen gute Erfolgschancen haben, die über die Grenzen des eigenen Fachbereiches schauen und Kenntnis über technische oder betriebswirtschaftliche Problemstellungen besitzen, so Hochwarter im Interview.

Recht.Extrajournal.Net: Wie hat sich der Arbeitsmarkt für Anwälte und Unternehmensjuristen in den letzten Jahren entwickelt? Ist die Konkurrenz größer geworden?

Susanne Hochwarter: Bei den Rechtsanwälten ist am österreichischen Markt eine gewisse Sättigung erreicht. Immerhin ist die Zahl der eingetragenen Anwälte in Österreich in den letzten 10 Jahren im Bundesschnitt um 31 Prozent gestiegen – in Wien sogar um knapp 50 %. Es wird für Junganwälte immer wichtiger, ein genau definiertes Markt- und Mandantensegment für sich zu finden, Flexibilität und ehrliche Dienstleistungsbereitschaft stellen einen Wettbewerbsvorteil dar.

Aus unserer Perspektive ist die Nachfrage nach Inhouse-Juristen in den letzten Jahren mäßig aber stetig im Steigen begriffen, wir führen das auf die europäische Marktöffnung, wie auch auf die vermehrt auftretenden regulatorischen Eingriffe des Staates zurück.

Auf welche Praxis-Erfahrungen, Zusatzausbildungen und Soft Skills kommt es zunehmend an?

Hochwarter: Es wird immer wichtiger, bereits während der Studiums Arbeitserfahrung zu erwerben, im besten Fall in Bereichen, in denen man nach Abschluss des Studiums auch tätig sein möchte. Oft ist es leider nicht möglich, den finanziellen und den fachlichen Aspekt in Einklang zu bringen, die interessantesten Praktika sind meist schlecht oder gar nicht bezahlt.

LL.M. und MBA-Studien empfehlen wir erst nach ein paar Jahren Berufserfahrung und nicht gleich im Anschluss an das Regelstudium. Betriebswirtschaftliches Know-how wird für Juristen in vielen Arbeitsbereichen immer wichtiger, dieser Entwicklung wurde u.a. durch die Einführung des Studiums Wirtschaftsrecht an der WU Wien Rechnung getragen.

Ausgezeichnete Englischkenntnisse sind mittlerweile in nahezu allen Arbeitsbereichen ein Muss. Der „klassische Jus-Student“ bekommt davon während des Regelstdiums allerdings kaum etwas vermittelt. Eigeninitiative ist gefragt.

Authentizität, Begeisterungsfähigkeit und überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft sind für uns die wichtigsten Soft Skills.

Welche fachlichen Spezialisierungen (M&A, Compliance etc.) werden aktuell am meisten gesucht?

Hochwarter: Bei den Anwälten boomen Wirtschaftsstrafrecht und in diesem Zusammenhang auch Prozessrecht. Arbeitsrecht ist im Aufwind, regulatorisches Bankrecht wird vermehrt nachgefragt und mit Restrukturierungen lässt sich gutes Geld verdienen.

Das Schlagwort >Compliance< beschäftigt auch die Anwälte, aber viel mehr noch die Unternehmen, Österreich hat nach wie vor Aufholbedarf und dementsprechend viele neu geschaffene Inhouse-Positionen. Kartell- und Wettbewerbsrecht ist so stark im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie noch nie zuvor, daher müssen Unternehmen in diesem Bereich aufrüsten. Banken kämpfen mit ständig neuen und zusätzlichen regulatorischen Hemmnissen, auch da werden vermehrt Spezialisten gesucht.

Orten Sie im Moment bessere Karrierechancen für Unternehmensjuristen oder für Anwälte?

Hochwarter: Wir sehen keine eindeutig besseren Karrierechancen für einen der beiden Bereiche. Sie sind auch nicht miteinander vergleichbar, da sie grundverschiedene >Typen< von Juristen verlangen.

War es vor 20 Jahren noch möglich, als Junganwalt sozusagen sein Schild vor die Tür zu hängen und darauf zu warten, dass sich Mandanten >schon von selbst finden würden<, so ist der Markteintritt im Jahre 2014 für Junganwälte mit viel höherem Risiko verbunden und von vielen, kaum beeinflussbaren, Rahmenbedingungen abhängig. Wie schon erwähnt, bedarf es einer zielgruppenkonformen, maßgeschneiderten Beratungsexpertise. Anwalt sein bedeutet in erster Linie Unternehmer sein.

Die Karrierechancen von Unternehmensjuristen hängen stark von der selbst gewählten Rolle im Unternehmen ab: >Expertenrolle< ermöglicht Fachkarriere, >Managementrolle< hierarchischen Aufstieg. Dazu eine interessante Zahl: bei einer Befragung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von 181 Dax-Vorstandsmitgliedern im Jahr 2012 waren nur 10,2 % Juristen. Das ist gegenüber Wirtschaftswissenschaftern mit 47,3 %, erstaunlich wenig.

Abschließend bitte noch eine Prognose: Wie schätzen Sie, wird der juristische Arbeitsmarkt in fünf oder zehn Jahren ausschauen?

Hochwarter: Ich glaube, dass die strikten fachlichen Abgrenzungen zwischen Juristen und Nichtjuristen immer weiter aufgeweicht werden. Jeder erfolgreiche Betriebswirt oder Techniker muss heute und noch mehr in Zukunft, die Folgen der in seinem Fachgebiet getroffenen Entscheidungen auf die rechtliche Plausibilität abschätzen können.

Genauso müssen sich Juristen immer mehr mit wirtschaftlichen oder technischen Fragestellungen auseinandersetzen. Als guter Berater – egal ob in der Rolle des Anwalts oder des innerbetrieblichen Dienstleisters – wird nur mehr der wahrgenommen, der über die Grenzen seines Fachbereiches schauen kann und seine eigenen Schlussfolgerungen mit denen der anderen Spezialisten verknüpfen kann.

Mag. Susanne Hochwarter ist Gründerin der auf Unternehmensjuristen und Anwälte spezialisierten Personalberung lawyers & more in Wien.

Link: lawyers & more

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