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Innsbrucker Rechts-Dekan Eccher: „Jus-Absolventen werden in vielen Branchen geschätzt“

Univ.-Prof. Bernhard Eccher ©Uni Innsbruck
Univ.-Prof. Bernhard Eccher ©Uni Innsbruck

Studium und Karriere. Unsere neue Serie „Jus studieren in Österreich“ beleuch­tet die Rahmenbedingungen, Neuerungen und Herausforderungen rund um das Studium der Rechtswissenschaften in Österreich. Im heutigen Interview erklärt Univ.-Prof. Bernhard Eccher, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck, warum Jus-Absolventen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geschätzt werden – auch abseits der klassischen Rechtsberufe.

Eccher beschreibt dabei auch, wie die rechtswissenschaftliche  Fakultät der Uni Innsbruck mit ergänzenden Lehrveranstaltungen und eigenen Studienrichtungen auf die Veränderungen in der Arbeitswelt reagiert. Die Frage in Österreich müsse lauten: „Wie können wir unsere qualitativ hochwertige Ausbildung verbessern und marktfähig halten, anstatt den Zugang zu sperren?“

Recht.Extrajournal.Net: Wie verändern sich die Anforderungen an Jus-Studenten und Absolventen?

Bernhard Eccher: Die Gesamtentwicklungen sind derzeit schwer abschätzbar. Zukünftig ist sicher davon auszugehen, dass die Einbeziehung sogenannten „ausländischen“ Rechtes, insbesondere aber der europäischen Entwicklungen, im Studium mehr Schwerpunkt erlangen werden. Ebenso wird auch die Mehrsprachigkeit mehr zum Thema.

Ein weiteres großes Feld ist zudem, dass sich die Anforderungen der juristischen Berufspraxis mehr auf das vorgelagerte Studium durchschlagen. Unsere Fakultät versucht daher ein möglichst breites Spektrum in der Ausbildung abzudecken und den Zugang zu weiteren Disziplinen – wie beispielsweise Wirtschaft, Sprachen und Politik – entweder durch ergänzende Lehrveranstaltungen oder eigene Studienrichtungen – hervorzuheben ist dabei das Studium des Wirtschaftsrechtes – zu erleichtern.

Die Bedeutung Postgradualer Ausbildungen ist weiters bemerkenswert. Das Interesse an Spezialisierungen wächst und wir bieten daher einen möglichst interessanten Korb an Lehrgängen an.

Zudem ist zu beobachten, dass die Ausbildung der Berufspraktiker – also Rechtsanwälte, Notare, Richter, Verwaltungsbeamte etc. – mehr und mehr Bedarf an Seminaren hat, welchem Umstand wir ebenso Rechnung tragen. Als Jus-Student sollte man eine gewisse Beharrlichkeit, Lerneifer und Freude am Umgang mit Schrift und Sprache als Grundvoraussetzungen mitbringen.

Gibt es Ihrer Meinung nach ein Überangebot an Absolventen der Rechtswissenschaften? Wie sehen Sie die Berufschancen der Absolventen?

Eccher: Diese Frage kann von hier aus nur insofern beantwortet werden, als die Rückmeldung auf unsere Ausbildungsangebote in Tirol und Vorarlberg breite Resonanz finden. Die Qualität der Rechtswissenschaftlichen Ausbildung an der Universität Innsbruck sichert den Absolventen auch den Zugang zu den klassischen juristischen Berufen.

Neuerdings ist zu beobachten, dass auch Soft-Skills der Jus-Studenten in verschiedensten Sparten zu interessanten Berufsideen im Bereich der Selbständigkeit entwickelt werden. Von einem Überangebot ist bislang nicht auszugehen, es können am Arbeitsmarkt jedoch manchmal Stehzeiten abzuwarten sein, was mitunter auch vom Bedarf in der Richterschaft oder Anwaltei abhängt.

Als Absolvent der Rechtswissenschaften mit abgeschlossenem Gerichts- oder Verwaltungsjahr und der ein- oder anderen Berufserfahrung wird man allerdings aufgrund der präzisen juristischen Arbeitsweise in vielen Berufssparten geschätzt. Wichtiger wird immer mehr, dass sich die Studenten vermehrt um Praktika und Auslandsaufenthalte bemühen. Auch hier vermitteln wir viele Möglichkeiten.

Wie ist Ihre Meinung über Zugangsbeschränkungen zum Jus-Studium?

Eccher: Eine generelle Zugangsbeschränkung erscheint mir sinnwidrig. Es ist im Interesse der Gemeinschaft gut ausgebildete Fachkräfte zu haben, auch wenn diese nicht unbedingt im gelernten Kernbereich tätig werden. Was zu bedenken ist, ist aber die beschränkte Kapazität an Personal- und Sachmitteln, die einer interessierten und stetig wachsenden Studentenschaft gegenübersteht. Hier sehe ich Handlungsbedarf insofern, als die verlangte höhere Spezialisierung im Studium auch einen Mehraufwand an Lehrveranstaltungsangebot und Qualität gegenübersteht.

Es kann nicht verlangt werden, die Ausbildung zu verbessern und gleichzeitige den Personalstand zu verringern. Dies ist aber eine Frage der Sichtweise in Politik und Gesellschaft. Meiner Einschätzung nach sind Ausbildungen unsichtbare Kosten, die ihren Mehrwert mittel- und langfristig zeigen. Die Ausbildung in Österreich steht zudem auch in Konkurrenz zu anderen europäischen Bildungsanbietern im In- und Ausland.

Und gerade da viele Studierende aus dem nahen Europa ihre Ausbildung in Innsbruck absolvieren, sollte eigentlich die Frage lauten: Wie können wir unsere qualitativ hochwertige Ausbildung verbessern und marktfähig halten, anstatt den Zugang zu sperren?

Univ.-Prof. Bernhard Eccher ist Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck.

Link: Uni Innsbruck

Fakten zum Jus-Studium in Innsbruck:

Zahl der Jus-Studenten:
Diplomstudium Rechtswissenschaften: 4.523

Zahl der Absolventen:
Diplomstudium Rechtswissenschaften: 263

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