24. Jun 2014   Business Recht

Jahr 2014 bringt mehr Pleiten, so der KSV: Was die Statistik verschweigt

Hans-Georg Kantner ©Petra Spiola
Hans-Georg Kantner ©Petra Spiola

Wien. Der KSV 1870 ortet zum 1. Halbjahr 2014 einen Zuwachs der eröffneten Insolvenzen: ihre Zahl stieg um knapp ein Prozent auf  1.650 betroffene Unternehmen. Gleichzeitig gingen die betroffenen Verbindlichkeiten um fast 7 Prozent auf 1,067 Milliarden Euro zurück; auch die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer sank. Dabei ist die Rekord-Pleite des Jahres 2013, die der Alpine, der besseren Vergleichbarkeit wegen bereits abgezogen. Allerdings verschweigt die Statistik der absoluten Pleiten-Zahlen einen wichtigen Punkt, so der KSV.

Klar sei aber auch: Branchen mit vielen Unternehmen, wie Gastgewerbe und unternehmensbezogene Dienstleistungen verzeichnen auch heuer besonders viele Pleiten. Und erneut besonders betroffen ist die Bauwirtschaft. KSV1870-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner fordert Reformen bei der öffentlichen Auftragsvergabe.

Sämtliche Versuche, die Bauwirtschaft aus dem Insolvenzeck herauszuholen, dürfen als gescheitert angesehen werden, heißt es: Solange eine Qualitätsvergabe nicht vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben werde, ändere sich v. a. bei öffentlichen Auftraggebern nichts. Eine Vergabe nach dem Preis sei in der Regel im Beschwerdeverfahren nicht angreifbar, wogegen sogenannte >soft facts<, also die eigentlichen Qualitätskriterien, wie Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Kundennähe, schwer messbar sind.

Die Großinsolvenz Alpine Bau GmbH aus dem Vorjahr habe der österreichischen Öffentlichkeit aber vor Augen geführt, wohin Expansion eines Billigstbieters führen kann, heißt es. Letztlich haben die Bauherren wenig davon, wenn das Bauunternehmen vor Abschluss des Projektes die Segel streichen muss und sie sich >fliegend< um neue Firmen umsehen müssen, so der KSV.

Zusätzlich habe die Öffentliche Hand das Handicap, dass eine freie Vergabe an einen anderen ohne neuerliche Ausschreibung gar nicht möglich sei. Neuerliche Ausschreibungen aber kosten Zeit und Geld und erzeugen Zusatzkosten, die in keinem Verhältnis zur vorher errechneten Einsparung beim Billigstbieter stünden.

Bundesländer uneinheitlich

In den Bundesländern zeigt sich laut Aussendung eine uneinheitliche Entwicklung: Burgenland und Kärnten verzeichnen zweistellige Rückgänge, Vorarlberg und Steiermark hingegen zweistellige Zuwächse. Bei Wien, Nieder- und Oberösterreich ist das Ergebnis ein Nullsaldo.

Die regionalen Unterschiede spiegeln die eigene Oszillation der Bundesländer, heißt es: Manche Schwingungen seien brancheninduziert, andere durch die Spruchpraxis der Gerichte erklärbar. Lediglich Burgenland und Steiermark verlaufen deutlich über der Gesamtlinie, Oberösterreich spürbar darunter.

In Wahrheit ein positives Bild?

Auf das Gesamtjahr gerechnet dürfte sich ein Zuwachs der Insolvenzen im Bereich von 2 – 3% gegenüber 2013 ergeben, erwartet der KSV. Er erinnert daran, dass jahrelang die Zahlen der Insolvenzen rückläufig waren; nun gebe es zwar wieder leichte Anstiege, allerdings sei die Zahl der aktiven Unternehmen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Das erzeuge eine in Prozent aller Unternehmen gemessene Insolvenzanfälligkeit, die zuletzt stark fallend war und sich nun im Bereich von ca. 1,2 % der aktiven Unternehmen (ohne Ein-Personen-Unternehmen und Landwirte) stabilisieren dürfte, heißt es.

Bedenklich sieht der KSV allerdings die Tatsache, dass österreichweit bereits 1.199 Insolvenzverfahren mangels Masse nicht eröfnet werden konnten, was einen Zuwachs von 1,6 % bedeute. Er fordert vom Justizministerium, auch für solche Fälle den Gang in ein geregeltes Verfahren zu ermöglichen.

Link: KSV1870

 

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