25. Jun 2014   Business

Fusionswelle rollt auf Rekordstand von 2007 zu: Diszipliniert, aber zu hohen Preisen, so Schoellerbank

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Wien. Die Fusionswelle rollt wieder: 2014 kündigt sich als das international bislang stärkste Jahr für Fusionen an. Hohe Cash-Reserven, historisch niedrige Zinsen und Aktienmärkte auf Rekordständen lassen Unternehmen weltweit auf Einkaufstour gehen, um neues Wachstum zu generieren. Die Hausse an den Börsen wird durch den Boom im M&A-Bereich verlängert – doch die hohen Bewertungen bedeuten zugleich teure Übernahmen, merkt die Schoellerbank in einer aktuellen Analyse kritisch an.

Im Vergleich zu vergangenen Übernahmewellen seien die aktuellen Deals immerhin von Disziplin und Weitsicht gesteuert – wenn auch der langfristige Erfolg einer solchen Transaktion nicht in Stein gemeißelt sei.

Zweifelsfrei stehe das Jahr 2014 im Zeichen von milliardenschweren Fusionen und Übernahmen, was auch durch Zahlen eindrucksvoll belegt werde, heißt es in einer Aussendung: Erstmals seit dem Rekordjahr 2007 hat das Transaktionsvolumen pro Quartal im laufenden Quartal die Marke von einer Billion US-Dollar wieder überschritten. Die Tatsache, dass das aktuelle Gesamtvolumen Year-to-Date bereits knapp 75% des Vorjahres ausmacht, lasse vermuten, dass der globale Merger & Acquisitions-Markt (M&A) auf ein neues Rekordniveau zusteuert.

Die Chancen dafür stehen gut, argumentiert die Schoellerbank: Vor einigen Tagen gab der amerikanische Medizintechnik-Konzern Medtronic die Übernahme der Firma Covidien für knapp USD 43 Mrd. bekannt. Eine Fusion von T-Mobile US (Tochterunternehmen der Dt. Telekom) mit dem Mobilfunkbetreiber Sprint Corp. steht kurz vor dem Abschluss, der Deal wird auf etwa USD 32 Mrd. taxiert.

Die letzte Aufsehen erregende Transaktion wurde nach einem wochenlangen und harten Bieter-Wettstreit am vergangenen Wochenende unerwartet zum Abschluss gebracht: Der international führende Mischkonzern General Electric setzte sich mit seinem Angebot gegen ein Konsortium von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries durch und übernimmt den französischen Industriekonzern Alstom (Kaufpreis EUR 12,35 Mrd.). Dabei ist das erste Halbjahr noch nicht einmal zu Ende.

Es gebe eine Reihe von Gründen, warum diese Welle weiter anhalten wird. In den USA sitzen Firmen seit geraumer Zeit auf einer großen Menge Geld, sehen jedoch wenige Möglichkeiten dieses gewinnbringend anzulegen, heißt es. Tatsächlich stoßen einige der Übernahmen auch auf Kritik, von einer neuen Dotcom-Welle ist teilweise schon die Rede.

Die Entwicklung

Die aktuellen Rahmenbedingungen sprechen laut Schoellerbank für eine Fortsetzung des Booms im Bereich M&A: Hohe Börsenbewertungen (die automatisch auch teure Übernahmen bedeuten), großzügige Bargeld-Reserven und das äußerst niedrige Zinsniveau bieten gute Voraussetzungen.

Da die Finanzierung durch Aufnahme von Fremdkapital aktuell noch eher die Ausnahme sei, könne man die Situation kaum mit den letzten beiden boomenden Marktphasen vergleichen, weil die derzeitige Welle an Fusionen und Übernahmen sehr diszipliniert und kalkuliert durchgeführt werde.

Einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge erwarten mehr als 80% der Firmenbosse eine Fortsetzung oder sogar eine Beschleunigung, obwohl auch 9 von 10 der Entscheidungsträger betonen, dass sie der finanzielle Erfolg aus vorangegangenen Akquisitionen nicht zufrieden stellte.

Der langfristige Erfolg von Zusammenschlüssen lässt sich trotz aller Lippenbekenntnisse – Synergien, Kosteneinsparungen, strukturelle Verbesserungen – nicht auf Anhieb festmachen, heißt es.

Link: Schoellerbank

 

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