29. Aug 2014   Business

Logistik im Umbruch: Online-Handel & Co treiben das globale Wachstum voran

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München/Wien. Die Logistikbranche spielt in den internationalen Handelsflüssen eine immer wichtigere Rolle. Im Jahr 2011 betrug das weltweite Umsatzvolumen dieser Industrie bereits 981 Milliarden Euro. Bis 2020 soll der globale Markt für Logistikdienstleistungen  jährlich um bis zu drei Prozent wachsen.

Laut der neuen Marktanalyse „Global Logistics Markets – Trend Analysis“ von Roland Berger Strategy Consultants und Barclays müssen sich Logistikunternehmen an neue Marktentwicklungen mit anspruchsvollen Anforderungen anpassen. Der Logistikbranche bieten sich neue Chancen, wie beispielsweise die steigende Bedeutung intraregionaler Märkte, der wachsende Online-Handel und das Angebot spezieller Dienstleistungen für eine Reihe von Industriezweigen.

„Das volatile Marktumfeld, der immer stärkere Online-Handel, die Verschiebung der Märkte Richtung Asien und die zunehmende Nachfrage nach Spezialdienstleistungen setzen neue Unternehmensstrategien und erhebliche Investitionen der Logistikanbieter voraus“, erläutert Roland Falb, Logistikexperte und Managing Partner im Wiener Büro von Roland Berger.

Bedeutung intraregionaler Märkte nimmt zu

Die intraregionalen Märkte werden dabei für die Logistik zukünftig besonders relevant. In diesem Sektor legte der Markt für Logistikdienstleistungen 2011 vor allem in Asien (+19%) und in Europa (+22%) im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu, heißt es in einer Aussendung von Roland Berger.

Besonders stark entwickelt sich Südostasien: Lokale Märkte bieten Anbietern mit Fokus auf bestimmten Sektoren gute Wachstumsmöglichkeiten und hohe Margen – vor allem in den Bereichen Automotive, Konsumgüter und Industrieprodukte. „Die Sättigung der Automobilmärkte in Europa und Nordamerika hat sich negativ auf die Logistikdienstleister in diesen Regionen ausgewirkt“, so Falb.

Im Bereich der Kontraktlogistik spielen China, Japan und Indien derzeit die wichtigste Rolle in Asien. Bis 2017 werden aber neben China noch weitere Schwellenländer wie Indonesien, Thailand, Malaysia, die Philippinen und Vietnam deutlich zulegen – um mehr als zehn Prozent pro Jahr.

Doch obwohl der südostasiatische Raum sich zu einem neuen Logistik-Cluster entwickelt, hat die lokale Infrastruktur die westlichen Qualitätsstandards noch nicht erreicht. „Mit Ausnahme von Singapur und Hongkong braucht die Region dringend Investitionen, um ihre Transportinfrastruktur zu verbessern“, meint Alexander Doll, Co-CEO Barclays Deutschland. „Mit seinen Erfahrungen spielt China hier eine wichtige Rolle: Das Land unterstützt die Nachbarstaaten bei der Entwicklung ihrer Infrastrukturprojekte.“

 Online-Handel: Chancen und Risiken

Ein weiterer prägender Trend ist das rasante Wachstum des Online-Handels. In Deutschland, Großbritannien und Frankreich ist 2011 der Anteil des E-Commerce an dem gesamten Handelsvolumen der Länder im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen. Für die globale Logistikbranche birgt diese Entwicklung großes Geschäftspotenzial, allerdings mit einigen Schattenseiten: Das damit verbundene B-to-C-Geschäft setzt kürzere Produktlebenszyklen und schnellere Lieferzeiten voraus.

„Logistikfirmen  müssen in der Lage sein, kleinere Produktmengen zu liefern – und das bei niedrigen Preisen“, erklärt Falb. „Das  drückt wiederum die Margen der Logistikanbieter.“ Hinzu kommt die lokale Erreichbarkeit der Lieferanten: „Logistikunternehmen  sollten ihr lokales Verteilernetz in den jeweiligen Ländern ausbauen, um so viele Endkunden wie möglich zu erreichen“, sagt Roland Berger-Experte Falb. „Entsprechend  müssen sie in neue Lieferzentren und -flotten investieren, um sich Marktanteile zu sichern.“

 Nischensektoren erschließen

Ein rentableres Geschäft versprechen hingegen bestimmte Industrienischen, die eine höhere Wertschöpfung des Dienstleistungsunternehmens voraussetzen. So suchen Unternehmen aus der Pharma-, Chemie-, Gas-, Luftfahrt- und Konsumgüterindustrie weltweit immer öfter Logistikdienstleister, die in der Lage sind, spezielle Supply Chain-Bereiche zu übernehmen. „Wer in diesen Marktnischen einen wirklichen Mehrwert für die Industrie bieten kann, wird sich auf dem Logistikmarkt gut etablieren und in Zukunft hohe Margen erzielen“, erläutert Christian Schwarzmüller, Vice President bei Barclays. „Denn Unternehmen versuchen, ihr Netzwerk an Logistikdienstleistern auszubauen, um eine gefährliche Abhängigkeit von wenigen Anbietern zu vermeiden.“

Um diese Nischen zu erschließen, setzen internationale Logistikunternehmen verstärkt auf die Übernahme von spezialisierten Dienstleistern in einzelnen Märkten. Allerdings zeigen die Akquisitionen der vergangenen Jahre, dass die meisten M&A-Transaktionen den Wert von zwei Milliarden Dollar nicht übersteigen. Logistikdienstleister übernehmen vor allem kleinere, fokussierte Anbieter, deren Geschäfte bessere Margen versprechen, so Doll: „Logistikdienstleister sollten die richtige Markt- und Portfoliostrategie für sich definieren. Entsprechend sollten sie dann die passenden Finanzierungslösungen festlegen, um effektiv in zukunftsträchtige Bereiche zu investieren.“

Link: Roland Berger

 

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