03. Sep 2014   Business

Deloitte: Aufwärtstrend der Baubranche in Sichtweite – Internationalisierung und Diversifikation liegen im Trend

Alexander Hohendanner © Picco
Alexander Hohendanner © Picco

Wien. In der  Studie European Powers of Construction (EPoC) analysiert Deloitte die Lage der europäischen und auch der österreichischen Baubranche und die Trends 2014/15. Immerhin liegt Österreich europaweit auf Platz 6, was das Volumen der Bauwirtschaft betrifft.

Die gute Nachricht: Für 2014 zeichnet sich nach einigen harten Jahren endlich wieder Wachstum ab, das 2015 noch anziehen soll. Signifikante branchenweite Trends sind die Internationalisierung des Geschäfts sowie die Diversifikation der Leistungsportfolios.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass diese Entwicklungen deutliche Risiken bergen und sich oft negativ auf die Profitabilität der Baukonzerne auswirken. Untersucht wurden die Marktposition und das wirtschaftliche Standing der 50 größten börsennotierten Bauunternehmen Europas aus insgesamt 17 Ländern mit Stand 2013.

Österreich auf Platz 6

Zu den Top 50 gehören die beiden österreichischen Unternehmen Strabag und Porr. Deren addiertes Umsatzvolumen von rund 15 Milliarden Euro (plus 0,8 % gegenüber dem Vorjahr) bringt Österreich im Jahr 2013 auf Platz 6 in der Nationenwertung. An der Spitze liegt Frankreich mit einem Umsatz von über 101 Milliarden Euro deutlich vor Spanien (67 Milliarden Euro) und Großbritannien (40 Milliarden Euro). In der Einzelwertung belegen Strabag und Porr die Plätze 8 bzw. 25.

Bedingt durch den verhältnismäßig kleinen österreichischen Markt und die starke Konkurrenz hat sich die Strabag auf den internationalen Markt konzentriert und generierte im Jahr 2013 mehr als 40 Prozent der Umsätze im Ausland.

 Trend 1: Internationalisierung und Diversifikation

In der europäischen Baubranche zeichnen sich die Internationalisierung der Konzerne und die Diversifikation der Serviceleistungen als wesentlichste Strategien ab. Beschränkte Marktgrößen und damit -anteile im westeuropäischen Raum sowie eine stagnierende Entwicklung dieser Märkte resultierten in den vergangenen Jahren in einer verstärkten Suche nach Investitionsmöglichkeiten und Wachstumschancen im Ausland, heißt es.

Die Studie zeige allerdings, dass die Auslandsaktivitäten der Baukonzerne nicht unbedingt zu höheren Marktwerten führen, sondern sogar deutliche Risiken bergen: Zwischen dem Internationalisierungsgrad und der Ergebnis-Marge für Bauaktivitäten besteht eine negative Wechselbeziehung.

„Der Internationalisierungsgrad beeinflusst die durchschnittliche Profitabilität sowie die Liquiditätssituation der Baukonzerne. Im Vergleich konnten jene Unternehmen, die sich vor allem auf heimische Märkte konzentrierten, 2013 eine durchschnittliche Ergebnis-Marge von 4 Prozent erzielen, während sich international tätige Baugruppen mit ca. 2,2 Prozent zufriedengeben mussten“, so Alexander Hohendanner, Partner Deloitte Österreich.

Schwieriges Terrain

Bei Bauinvestments vor allem in Süd-, Ost- und Südosteuropa wird der Konkurrenzkampf immer härter. „Durch Dumpingpreise, kombiniert mit einer schlechten Konjunkturentwicklung in diesen Ländern, können nur geringe Margen erzielt werden, was sich negativ auf die Jahresergebnisse der Unternehmen auswirkt“, erläutert Hohendanner.

Die Bauunternehmen würden sich daher bereits aus diesen Regionen zurückziehen und sich wieder stärker auf den heimischen Markt konzentrieren.

Trend 2: Breitere Diversifizierung

Der zweite Branchentrend ist das wachsende Angebot nicht bautechnischer Leistungen wie z. B. Facility Management oder Leistungen im Bereich Energie. Statistisch gesehen überwiegen auch hier die Risiken: Eine höhere Diversifikation der Geschäftsbereiche der Bauunternehmen geht laut Studie mit einer höheren Nettoverschuldung einher.

Für die beiden österreichischen Konzerne Strabag und Porr treffen die erhöhten Risiken nur bedingt zu: „Beide sind mit einem stabilen Inlandsgeschäft im Vergleich zu einigen europäischen Konkurrenten solide aufgestellt“, so Hohendanner.

Positive Zukunftsaussichten

Die Marktentwicklung in der Bauindustrie steht in direktem Zusammenhang mit der Stimmung am Immobilienmarkt und der allgemeinen Wirtschaftslage. Ebenso spielen das Zinsniveau und die Verfügbarkeit von Kapital sowie budgetpolitische Maßnahmen eine große Rolle. Entsprechend schwierig war die Situation während der letzten vier Jahre.

2013 hinterließ die Rezession vor allem in Griechenland, Spanien, Zypern und Portugal ihre Spuren. Dort schrumpften die Bauinvestitionen um rund 10 Prozent. Auch Wirtschaftsmächte wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien konnten im vergangenen Jahr kein Wachstum in der Bauindustrie verzeichnen.

Die Europäische Kommission sagt der Bauindustrie für 2014 ein moderates und für 2015 ein deutliches Wachstum voraus. Wesentliche Treiber dabei sind die massiven Investitionen etlicher Länder in die Modernisierung ihrer Infrastruktur.

In Österreich wird eine Steigerung der Bau-Investments um 1,9 Prozent (2014) und 2,2 Prozent (2015) erwartet. Auf EU-Ebene geht man von plus 1,7 Prozent für 2014 und plus 2,8 Prozent für 2015 aus.

Von allen untersuchten Ländern liegt Österreich – bezogen auf das Bauvolumen im Verhältnis zum BIP im Jahr 2013 – mit 11,3 Prozent auf Platz 5 nach Rumänien, Finnland, Frankreich und Polen. „Zahlreiche Bauprojekte im kommunalen sowie privaten Sektor zeichnen sich derzeit schon am Horizont ab und bestätigen diese positiven Prognosen. Dies demonstriert wiederum, wie wichtig positive Impulse vom Standort Österreich für die Konjunktur in Schlüsselbranchen wie der Bauindustrie sind“, schließt Hohendanner.

 

 

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