07. Sep 2014   Business Steuer

Kalkulations-Kontroverse um Einkommen der Top-Manager: Überbezahlt laut AK, arme Schlucker laut IV

Rudi Kaske ©Paul Sturm / vida
Rudi Kaske ©Paul Sturm / vida

Wien. Die Vorstände von ATX-Unternehmen verdienen gemessen am Erfolg der von ihnen geleiteten Unternehmen unverhältnismäßig viel, meint die Arbeiterkammer (AK): Während der Wiener Börse-Leitindex ATX von 2003 bis 2013 um knapp 65 Prozent zulegen konnte, schnellten die Bezüge der Vorstände der im ATX notierten Unternehmen um 137,5 Prozent in die Höhe, so die AK. Was zur Folge habe, dass sie nun 47mal höher liegen als das österreichische Durchschnittsgehalt.

Die Industriellenvereinigung hat darauf eine kurze Antwort: Die AK rechne falsch. Die IV bekrittelt sowohl die Auswahl der Testsubjekte wie die Vergleichsmethode. In der Rechnung der Industriellen kommt bloß ein Zehntel des AK-Ergebnisses heraus.

Im ATX sind einige – wenn auch nicht alle – der größten Unternehmen Österreichs versammelt, darunter etwa Energiemulti OMV und die großen Banken. Insofern zielt die AK mit ihrer Studie auf die absolute Oberliga der Unternehmen ab – und die Börsenotierung hat für Gehaltsstudien außerdem den Vorteil, dass mehr Zahlen aus dem Rechnungswesen offengelegt werden als bei nicht gelisteten Unternehmen.

2013 verdiente laut der AK-Studie ein Vorstand eines ATX-Unternehmens demnach im Schnitt 1,3 Millionen Euro.

„Das ist das 47-fache eines österreichischen Durchschnittsgehalts. Von Verhältnismäßigkeit kann hier wahrlich keine Rede sein“, so AK-Präsident Rudi Kaske. Er fordert in einer Aussendung gesetzliche Maßnahmen, um eine „angemessene und nachhaltige“ Vergütungsstruktur zu erreichen – nicht zufällig jetzt, während die Koalitionsregierung einen neuen Anlauf zu einer Steuerreform unternehmen will.

Industrielle orten Rechenfehler

Die Reaktion der Industriellenvereinigung (IV) kam prompt, sie sprach von einer künstlichen „Neiddebatte“. Die österreichischen Managerinnen und Manager befinden sich der IV zufolge im europäischen Vergleich beim Verdienst im unteren Drittel.

Laut einer Triconsult-Umfrage unter 514 heimischen Managerinnen und Managern im Auftrag des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) sei die Realität eine andere, als von der AK behauptet: In Österreich verdienten demnach 2013 eine Managerin bzw. ein Manager der obersten Führungsetagen rund das 5,0-fache des Medianeinkommens einer ganzjährig Vollzeitbeschäftigten bzw. eines Vollzeitbeschäftigten.

Steuereffekt berücksichtigen

Wichtig sei es laut IV zudem, nicht die Brutto- sondern die Nettoeinkommen zu vergleichen, denn höhere Einkommen bedeuten ja auch wesentlich höhere Steuern. Der Unterschied beim tatsächlichen Nettoeinkommen sei mit dem 4,3-fachen bei Vorständen, bzw. dem 2,9-fachen und dem 2,0-fachen in der jeweils zweiten bzw. dritten Führungsebene daher noch weitaus geringer.

Die Behauptungen der AK, Vorstände würden das 47-fache eines Durchschnittsgehaltes verdienen, stimme nicht einmal in der Gehaltwirklichkeit der österreichischen Top-Führungskräfte, zürnt die IV: Die Höhe des Einkommens korreliere immer mit der Größe des Unternehmens, aber selbst bei den größten Unternehmen mit Umsätzen über 500 Millionen Euro lägen die Vorstandsgehälter mit 209.000 Euro netto beim 8,3-fachen und damit weit unter dem von der AK herbeigerechneten Wert, so die IV.

Link: Arbeiterkammer

Link: Industriellenvereinigung

 

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