24. Sep 2014   Business

Schwellenländer brauchen mehr Mut zu Reformen, so Studie der Zürcher Kantonalbank

Christian Nemeth © Zürcher Kantonalbank
Christian Nemeth © Zürcher Kantonalbank

Salzburg/Zürich. Das Wirtschaftswachstum aller Emerging Markets ist nach der globalen Finanzkrise gedämpft.

Vor allem mangelnde Reformbereitschaft hemmt den Aufschwung in den meisten Schwellenländern, so eine aktuelle Analyse der Zürcher Kantonalbank.

Positive Ausnahmen bilden hingegen China, Indien und Mexiko.

Hinter den Erwartungen

„Das BIP-Wachstum der Schwellenländer liegt mit knapp fünf Prozent unter dem Potenzialwachstum und auch tiefer als Mitte des letzten Jahrzehnts vor der globalen Wirtschaftskrise“, erklärt Christian Nemeth, Bereichsleiter Asset Management in der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

„Die Wachstumsdynamik in den Schwellenländern hat sich generell etwas abgeflacht, Grund dafür sind insbesondere die sehr zögerliche Reformbereitschaft der Staaten sowie zu wenig Investitionen in die Infrastruktur”, so der Experte weiter.

In China, Indien und Mexiko legen hingegen die Regierungen ein rasantes Tempo in der Umsetzung von Strukturreformen vor.

China: Steigende Urbanisierung

Quelle: Zurcher Kantonalbank
Quelle: Zürcher Kantonalbank

Die Regierung in China hat sich einem verstärkt konsumorientierten Wachstumsmodell verschrieben. Einer der Eckpfeiler dieser Politik ist die Urbanisierung der Bevölkerung, die mittlerweile auf über 53 Prozent gestiegen ist. Das wirke sich positiv auf die Lebensqualität der Chinesen und damit auf die Konjunktur aus. Beachtliche Fortschritte wurden auch bei den Finanzreformen erzielt.

„Liberalisierung der Zinsen, Flexibilität der Währungseinheit Renminbi und Abbau der Kapitalverkehrskontrollen – diese und weitere Maßnahmen könnten China Mitte des nächsten Jahrzehnts zu einem stärkeren Wachstum verhelfen”, meint Nemeth.

Rasante Reformen in Indien und Mexiko

Der neue indischen Premierminister Narendra Modi möchte die Ausgaben für Bildung auf sechs Prozent des BIP verdoppeln. Mit der Deregulierung des Arbeitsmarktes, der Vereinfachung des Steuersystems, der Bekämpfung von Korruption sowie mehr Effizienz der Bürokratie sollen weitere wichtige Reformen in Angriff genommen werden.

In Mexiko wurden kürzlich neue Gesetze zur Energiereform verabschiedet, die das 76-jährige Monopol der staatlichen Erdölgesellschaft Pemex beenden. Mit dem neuen Telekommunikationsgesetz wurde ein weiteres Staatsmonopol aufgebrochen, durch die geplante Arbeitsmarktreform soll die Zahl der formal Beschäftigten weiter steigern.

Aktienmärkte mit Potenzial

BIP-Wachstum Industrie- und Schwellenländer © Zürcher Kantonalbank
BIP-Wachstum Industrie- und Schwellenländer © Zürcher Kantonalbank

Gelingt es China, Indien und Mexiko den eingeschlagenen Reformkurs weiter fortzusetzen, stehen die Chancen laut der Zürcher Kantonalbank gut, dass sich dies auch in einem höheren Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum niederschlägt.

Zudem tragen Strukturreformen zu mehr Stabilität der Wirtschaftssysteme und der Finanzmärkte bei, glauben die Studienautoren. “Wir sind daher mittelfristig auch gegenüber den Aktienmärkten dieser drei Staaten konstruktiv eingestellt, wobei die mit Schwellenländer grundsätzlich verbundenen Risiken nicht übersehen werden dürfen”, so Nemeth.

Link: Zürcher Kantonalbank

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