07. Okt 2014   Business

CEE: Umsätze der großen Unternehmen stagnieren, Arbeitsplätze werden reduziert

Christian Berger ©Coface
Christian Berger ©Coface

Wien. Obwohl das weltweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2013 wieder angezogen hat, wurden die Top 500-Unternehmen in Zentral- und Osteuropa davon kaum erfasst, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Coface.

Mit Umsätzen von rund 644 Milliarden Euro konnte nur eine leichte Steigerung von 0,2 Prozent erzielt werden, die Top 100 mussten sogar einen Umsatzrückgang um 0,5 Prozent hinnehmen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Mitarbeiter um 0,8 Prozent gesunken. Nur in drei Ländern – Ungarn, Tschechische Republik, Lettland -beschäftigen die größten Unternehmen mehr Mitarbeiter als vor einem Jahr.

Diese Entwicklung der CEE-Region habe einen große Einfluss auf Österreichs Wirtschaft. „Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und dem zentral- und osteuropäischen Raum waren immer schon stark. Österreich exportiert 20 Prozent in Richtung seiner östlichen Nachbarn und ist einer der größten Investoren in der Region,“ erklärt Christian Berger, Coface Country Manager Austria.

Top 3 Länder: Polen, Ukraine und Ungarn

Wie auch in den Vorjahren, ist Polen in der Studie wieder stark vertreten. Mehr als ein Drittel aller gelisteten Unternehmen kommen aus Polen. Nachdem das Land seine Führung 2012 ausgebaut hat, ist der Vorsprung auf die übrigen Länder im vergangenen Jahr wieder geschrumpft. Im aktuellen Coface-Ranking scheinen 148 polnische Unternehmen auf und damit 23 weniger als noch 2012.

Die polnischen Top-Firmen erzielten 2013 einen Umsatz von knapp 219 Milliarden Euro und damit um 0,1 Prozent weniger als noch im Jahr davor. Die angespannte wirtschaftliche Situation zeigt sich auch an der Platzierung polnischer Unternehmen in den „CEE Top 500“: 95 Unternehmen weisen eine schlechtere Position auf als 2012.

Dennoch beheimatet Polen nach wie vor die Hälfte der Top 10-Unternehmen und weist mit 0,05 Prozent überdies die niedrigste Insolvenzrate auf, heißt es in einer Aussendung.

Den zweiten Platz im Coface-Ranking belegt die Ukraine mit 90 Unternehmen, die einen Umsatz von 101 Milliarden Euro erwirtschafteten. Obwohl die Ukraine die meisten Newcomer im Ranking stellt, schafften es nur sieben Unternehmen, ihre Position zu verbessern – der Großteil ist zurückgefallen.

Auf Platz drei folgt Ungarn, das 62 Firmen unter den Top 500 stellt – um vier weniger als 2012. Nach einer Phase der Rezession, die sich über fünf Quartale hingezogen hat, ist 2013 das BIP um 1,1 Prozent gewachsen. Die großen ungarischen Unternehmen steigerten ihre Umsätze im Schnitt um 1,2 Prozent. Wichtigster Wachstumsmotor war dabei die Exportwirtschaft, allen voran die Elektro- und die Automobilindustrie.

Energie dominiert Ranking

Die meisten Unternehmen des Rankings stammen auch 2013 wieder aus dem Öl- und Gassektor: Ihr Anteil ist von 65 auf 77 Unternehmen gestiegen, allerdings blieb deren Umsatz mit 162 Milliarden Euro in absoluten Zahlen gleich. Dennoch erwirtschaftet der Öl- und Gassektor immer noch ein Viertel des Umsatzes aller Top 500-Unternehmen.

Mit einem Abstand von 15 Firmen folgt der Energieversorgungssektor auf dem zweiten Platz im Ranking. Mit 62 Vertretern in den Top 500 erwirtschaften die Energielieferanten einen Umsatz von 90 Milliarden Euro. Lag die durchschnittliche Wachstumsrate 2012 noch bei 11 Prozent, hat sie sich 2013 auf 0,9 Prozent verringert.

Automobilindustrie verzeichnet größten Zuwachs

Wie schon 2012 schaffte es der Automobilsektor auch 2013 unter die Top 3. Insgesamt 47 Unternehmen – vier mehr als im Jahr zuvor – erzielten im letzten Jahr einen Umsatz von 75 Milliarden Euro. Damit verzeichneten sie den größten Zuwachs (+9,8 %) aller Branchen.

Generell war das Jahr 2013 ein gutes für die zentral- und osteuropäischen Autobauer. In allen Ländern – abgesehen von Slowenien – konnten die Umsätze gesteigert werden.

Weiter Umsatzrückgang in der Baubranche 

Neun von 16 Sektoren verzeichneten Umsatzrückgänge, allen voran das Baugewerbe (-17,7 %), die Bergbauindustrie (-5,2 %) und die Telekommunikationsbranche (-4,5 %). Vor allem die Baubranche kämpft seit Jahren mit konjunkturellen Einbrüchen, weshalb 2013 der Abbau von Mitarbeitern fortgesetzt wurde (-16,9 %).

Dieses Bild setzt sich auch bei den Insolvenzen fort: Jedes vierte Unternehmen, das sich in Polen für zahlungsunfähig erklärt hat, stammt aus dem Bausektor. In Kroatien sind unter den fünf größten Insolvenzfällen drei Bauunternehmen.

Link: Coface

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