04. Nov 2014   Bildung & Uni Personalia Recht

Karriere-Chancen für Juristen 2014: Wen sucht Baker McKenzie Diwok Hermann Petsche?

Stefan Riegler ©Baker & McKenzie
Stefan Riegler ©Baker & McKenzie

Wien. Die Wirtschaftskanzleien als Arbeitgeber sind Thema unserer aktuellen Serie: Stefan Riegler, Hiring Partner bei Baker McKenzie Diwok Hermann Petsche, hat gute Nachrichten für angehende WirtschaftsanwältInnen bzw. Juristen. Seine Kanzlei rechnet heuer – im Gegensatz zu vielen anderen Sozietäten – mit einer steigenden Zahl von neu aufgenommenen Mitarbeitern.

Baker & McKenzie zählt in Österreich zu den größten Kanzleien. International gilt man mit rund 4200 Anwälten und einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (1,92 Mrd. Euro) sogar als größte Law Firm der Welt.

Recht.Extrajournal.Net: Welche juristischen Spezialisierungen sind aus Ihrer Sicht derzeit am juristischen Arbeitsmarkt, insbesondere bei den Wirtschaftskanzleien gefragt?

Stefan Riegler: Nach einer deutlichen Abkühlung in den letzten Jahren zieht der M&A-Markt jetzt wieder spürbar an. Hier wird es sicherlich wieder zu einer Aufstockung der Teams kommen. Auch im Bereich Konfliktlösung – egal, ob vor staatlichen Gerichten oder vor Schiedsgerichten – ist kein Ende des Booms sichtbar. Ein langfristiger Wachstumsbereich ist Compliance – die externen und internen Vorschriften, die Unternehmen umsetzen müssen, steigen kontinuierlich.

Mit einem etwas lokaleren Blickwinkel: Die Stadt Wien steht vor einem enormen Wachstumsschub. Das wird auch mit einem gesteigerten Bedarf an Real-Estate-Spezialisten einhergehen.

Welche juristischen Spezialisierungen werden voraussichtlich in den nächsten fünf bis 10 Jahren besonders gefragt sein?

Riegler: Drei Trends werden sich wohl weiter verstärken:

  • Die Globalisierung der Wirtschaft schreitet immer weiter voran. Für unsere Kanzlei ist Globalität Teil der DNA und wird – mit mehr als 4.200 Anwälten an 77 Standorten in 47 Ländern – täglich gelebt. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass unsere Anwälte auch außerhalb der eigenen Jurisdiktion Erfahrungen sammeln.
  • Die Regelungsmaterien werden immer komplexer. Das führt zu einer immer stärkeren Spezialisierung der Anwälte. In Großkanzleien mit einem Full-Service-Ansatz arbeiten jedoch Praxisgruppen eng miteinander zusammen, so dass ein Tunnelblick gar nicht erst entsteht.
  • Der Vormarsch der IT wird ungebremst weitergehen und in allen Lebensbereichen laufend neuen Regelungsbedarf mit sich bringen. Gerade in diesem Bereich bringt die neue Generation von Juristen einen wesentlichen Wissensvorsprung gegenüber arrivierten Anwälten mit.

Welche Spezialisierungen sucht Ihre Kanzlei gerade besonders? Welche Eigenschaften müssen Ihre Nachwuchskräfte haben?

Riegler: Baker & McKenzie hat nicht nur global, sondern auch in Wien ein höchst erfolgreiches Jahr hinter sich, das sich auch in weiteren Aufnahmen widerspiegeln wird. So haben sich die Mandate unserer Corporate-Praxis fast verdoppelt, auch im DisputeResolution-Bereich verzeichnen wir starke Zuwächse. Aber auch kleinere Praxen wie Real Estate, Employment oder IT/IP entwickeln sich derzeit hervorragend.

Wir suchen den akquisestarken Unternehmertypen, der ein Gespür für den Umgang mit dem Klienten besitzt und darüber hinaus internationale Erfahrung und ein Verständnis für andere Kulturen mitbringt. Außerdem muss der Bewerber von seiner Persönlichkeit her zu uns passen. Denn im Rahmen von Pitches und Mandaten arbeiten wir in Teams zusammen, sodass auch die persönliche Chemie stimmen muss.

Wie werben Sie um den Nachwuchs, wie wählen Sie unter den Bewerbern aus?

Riegler: Wir legen unseren Fokus auf gezielte Maßnahmen, um unsere Bewerber persönlich und früh kennenzulernen und den Kontakt zu ihnen langfristig zu halten.

Ein wesentliches Standbein ist dabei unser >Career Mentorship Programme< (CMP), in dem wir ausgewählte Studenten schon während ihres Studiums persönlich begleiten und fördern. Es hat sich als innovatives Programm unter den juristischen Nachwuchskräften herumgesprochen, und einige Mentees arbeiten bereits bei uns als Konzipienten oder werden nach ihrer Ausbildung als solche einsteigen. Jedem Mentee stellen wir einen erfahrenen Anwalt zur Seite, der ihn zu wichtigen Entscheidungen seiner Ausbildung und Karriere berät. Neben dem Mentoring, der Ausbildung und den internationalen Perspektiven ist es vor allem das Gruppengefühl, das das CMP besonders macht.

Neben dem CMP bieten wir eigene maßgeschneiderte HR-Veranstaltungen wie Workshops oder das regelmäßige Baker-Breakfast, den Baker & McKenzie Debate Club, den Wissenswettbewerb Legal Trivia (zusammen mit ELSA) oder Kamingespräche gemeinsam mit der Initiativgruppe Alpbach Wien.

Darüber hinaus engagieren wir uns gezielt bei HR-Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem High Potential Day, der ELSA Summer Law School. Bei der Jus-Success sind wir als >Main Partner< vertreten. Diese Veranstaltungen tragen dazu bei, unsere Marke und unsere Unternehmenswerte unter den Nachwuchsjuristen weiter bekannt zu machen.

Der eigentliche Auswahlprozess erfolgt immer mehrstufig. Nach einer Vorauswahl aufgrund der Lebensläufe erfolgt zuerst ein Gespräch mit mir als Hiring Partner und anschließend noch mit dem vorgesehenen Mentor.

Die juristische Ausbildung ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Zum klassischen Jusstudium sind Angebote wie das Studium Wirtschaftsrecht der WU hinzugekommen, und natürlich eine immer größere Anzahl von Postgraduate-Studien. Dazu kommen klassische Wege der Höherqualifizierung wie das Doktorat. Welche sind Ihnen wichtig, welche bringen Vorteile?

Riegler: Mit Absolventen des WU-Studiums Wirtschaftsrecht machen wir gute Erfahrungen. Ein Postgraduate-Studium ist zwar nicht Bedingung, inzwischen bei uns schon Standard. Ob ein Doktorat oder ein LL.M. mehr wert ist, lässt sich abstrakt nicht sagen. Wesentlich ist, dass die inhaltlichen Schwerpunkte in der Ausbildung des Bewerbers zu unserer jeweiligen Praxisgruppe passen.

Wie viele Mitarbeiter hat die Kanzlei derzeit insgesamt, wie viele juristische Mitarbeiter, Anwälte, Partner?

Riegler: Derzeit beschäftigt Baker & McKenzie in Wien fast 90 Mitarbeiter, davon sind rund 40 Juristen. Von den 24 Anwälten sind zwölf Partner.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie in den letzten zwölf Monaten aufgenommen?

Riegler: 16 (ohne Kurzzeit-Praktikanten)

Wie viele Mitarbeiter sollen auf Sicht der nächsten 12 Monate aufgenommen werden?

Riegler: Wir rechnen mit einem leicht stärkeren Personalwachstum als im vergangenen Jahr.

Dr. Stefan Riegler ist Hiring Partner bei Baker McKenzie Diwok Hermann Petsche in Wien.

Link: Baker McKenzie

 

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