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Karriere-Chancen für Juristen 2014: Freshfields mag teamfähige juristische Praktiker mit Doktortitel

Konrad Gröller ©Freshfields
Konrad Gröller ©Freshfields

Wien. In unserer aktuellen Serie zu den Berufsaussichten und Jobchancen von Juristinnen und Juristen sowie (angehenden) AnwältInnen bei Österreichs Wirtschaftskanzleien steht heute Freshfields Bruckhaus Deringer Rede und Antwort: Die britisch-deutsche Kanzlei mit dem Engel im Logo ist international für Mandate wie den Markenstreit zwischen Apple und Samsung bekannt; auch in Österreich kann man auf prominente Klienten verweisen.

Konrad Gröller (für die Rekrutierung zuständiger Partner) und Katrin Musil (HR-Managerin im Wiener Büro) schildern den idealen Nachwuchs als vielseitig juristisch gebildet, mit hervorragenden Englischkenntnissen ausgestattet und ausgesprochen praktisch veranlagt. Doch auch die Kenntnisse und Formulierungskünste des Doktoratsstudiums seien wünschenswert. Und überhaupt: je mehr juristische Studien, desto besser.

Recht.Extrajournal.Net: Wel­che juris­ti­schen Spe­zia­li­sie­run­gen sind am juristischen Arbeits­markt aus Ihrer Sicht aktuell gefragt – insbesondere bei den Wirtschaftskanzleien?

Konrad Gröller: Aus unserer Sicht sind nach wie vor sämtliche Spezialisierungen gefragt. Neben dem fortlaufenden Trend, Spezialisten zu einzelnen Themen hinzuzuziehen sehen wir aber auch den zunehmenden Bedarf neben den Spezialisierungen generelle wirtschaftsrechtliche Kompetenz auszuweisen, um dem Mandanten Beratungsleistungen zur Verfügung stellen zu können, die integrativ das Know-how aus den einzelnen Spezialgebieten verarbeiten.

Welche juristischen Spezialisierungen werden voraussichtlich in den nächsten 5 Jahren, in den nächsten 10 Jahren besonders gefragt sein?

Katrin Musil: Derzeit sehen wir einen Trend in Richtung >Dispute Resolution< (daher zu den Spezialgebieten, die sich mit dem Thema Streitschlichtung befassen) sowie in den regulatorischen Spezialgebieten. Dies ergibt sich unseres Erachtens einerseits aus dem international, aber vor allem auch in Europa derzeit sehr starken Trend verschiedenste Bereiche des Wirtschaftslebens stärker zu regulieren und andererseits aus dem Umstand, dass die Wirtschaft vor allem in Europa derzeit keine starken Wachstumsraten ausweist und daher auch im streitigen Bereich mangels überbordender Geschäftsmöglichkeiten in Richtung Wachstum eher geneigt ist, aus der Vergangenheit noch zusätzliche Profitmöglichkeiten zu lukrieren.

Schließlich dürfte sich auch für Spezialisierungen, die im Bereich Compliance und Investigations wesentlich sind (Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Datenschutzrecht, Wirtschaftsstrafrecht) hinkünftig ein erhöhter Bedarf ergeben, wenngleich diese Gebiete in Österreich derzeit noch weniger aktiv sind als in anderen europäischen Ländern.

Welche Spezialisierungen sucht Ihre Kanzlei derzeit? Welche Eigenschaften müssen Ihre Nachwuchskräfte haben?

Gröller: Wir suchen für unsere Kanzlei laufend für alle Spezialisierungen hoch motivierte Nachwuchskräfte, die über den Tellerrand hinausblicken können. Wir wünschen uns neben ausgezeichnetem juristischen Fachwissen, einer analytischen Denkweise und Detailverliebtheit jedenfalls auch gute Kommunikationskenntnisse, Teamfähigkeit und Spaß an der Juristerei. Unternehmerisches Denken und sehr gute Englischkenntnisse runden das optimale Bild ab.

Wie werben Sie um den Nachwuchs, und wie wählen Sie dann unter den oft zahlreichen Bewerbern aus?

Katrin Musil ©Freshfields
Katrin Musil ©Freshfields

Musil: Auf Messen und bei Workshops gehen wir auf potentielle Bewerber zu und versuchen sie näher kennen zu lernen. Insbesondere Praktika, die bei uns ganzjährig möglich sind, sind eine ausgezeichnete Gelegenheit, einander kennen zu lernen. Regelmäßig schalten wir entsprechende Inserate auf Karriereplattformen bzw. sind über diverse Social Media-Kanäle wie Facebook, Xing oder unsere Homepage www.stepintothecircle.at erreichbar. Ausgewählt wird dann während zwei Interviewrunden mit mehreren Partnern, Associates und HR anhand von fachlichem Wissen, persönlichem Auftreten und last but not least ob auch die gegenseitige Chemie passt.

Die juristische Ausbildung ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Zum klassischen Jusstudium sind Angebote wie das Studium Wirtschaftsrecht hinzugekommen, es gibt eine immer größere Anzahl von Postgraduate-Studien und natürlich weiterhin die klassischen Wege der Höherqualifizierung, etwa das Doktoratsstudium / PhD. Stellen Sie bei den BewerberInnen, bei Ihren eigenen MItarbeitern fest dass diese Ausbildungen jetzt stärker verbreitet sind? Welche sind Ihnen dabei wichtig, welche bringen der Kanzlei Vorteile?

Gröller: >Konkurrierende< Angebote sehen wir als etwas sehr Positives, da es den Horizont erweitert und für den Nachwuchs viele Möglichkeiten bietet, sich von Anfang an noch mehr einbringen zu können. Durch ein fertiges Doktorat zum Beispiel wird wissenschaftliches Arbeiten, gutes und sorgfältiges Recherchieren und Formulieren trainiert, ein LL.M. im Ausland fördert die Sprachkenntnisse und die Eigenschaft, über den Tellerrand hinausblicken zu können und unterstützt so ganz nebenbei die Selbständigkeit. Beides ist gern gesehen, jedoch kein >must-have<.

Wie viele Mitarbeiter hat die Kanzlei derzeit insgesamt, wie viele juristische Mitarbeiter, Anwälte, Partner?

Musil: Derzeit sind wir rund 155 Mitarbeiter. Davon sind 14 Partner und ca. 75 Associates.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie in den letzten 12 Monaten aufgenommen?

Gröller: Insgesamt 24 (Associates und Business Services).

Wie viele Mitarbeiter sollen auf Sicht der nächsten 12 Monate aufgenommen werden?

Musil: Je nach Bedarf – es werden voraussichtlich wieder so um die 20 Personen sein.

Dr. Konrad Gröller (Partner im Bereich Gesellschaftsrecht / M&A) ist im Wiener Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer für die Einstellung, Weiterbildung und berufliche Entwicklung der Juristen zuständig; Katrin Musil ist HR Managerin bei Freshfields in Wien.

Link: Freshfields

 

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