KWR Corporate Lounge: Fleiß und Disziplin reichen nicht mehr für den Standort Österreich

Neumayer, Krammer, Zehetner, Kirchmayr-Schiesselberger, Möller ©KWR / APA / Schedl
Neumayer, Krammer, Zehetner, Kirchmayr-Schiesselberger, Möller ©KWR / APA / Schedl

Wien. Wirtschaftskanzlei KWR lud zur Corporate Lounge im Dachgeschoss des Justizpalasts, diesmal unter dem Motto: „Wirtschaftsstandort Österreich – Österreich über alles, wenn es nur will?“ Das Podium war prominent besetzt: Univ.-Prof. Sabine Kirchmayr-Schliesselberger (Institut für Finanzrecht, Uni Wien), Michael Krammer (Chef von Ventocom und Rapid-Präsident), Klaus Möller (Geschäftsführer der Brauerei Hirt) und IV-Generalsekretär Christoph Neumayer diskutierten mit Jörg Zehetner von KWR.

Arbeitswilligkeit und Disziplin allein, so hieß es, reichen nicht mehr aus für den Wirtschaftsstandort Österreich. Schritte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Attraktivität seien angesagt. Dazu gehören mehr Lust am Erfolg, Sparwille bei der Verwaltung und ein Rückbau des Förderalismus – beispielsweise durch Fusion von Österreichs 10 Rechtsanwaltskammern?

Gleich zu Beginn übergab Jörg Zehetner das Wort an Michael Krammer, der laut Aussendung aus Unternehmersicht eine Stärken- und Schwächenanalyse Österreichs Wirtschaftslandschaft vornahm.

Arbeitswillig und diszipliniert

„Wir haben arbeitswillige und höchst disziplinierte Mitarbeiter in unserem Land, was uns im Vergleich zu vielen europäischen Ländern einen großen Vorsprung verschafft“, hob Krammer als klare Stärke des Landes hervor und warnte zugleich vor Ineffizienz und zu hohen Kosten durch eine Überverwaltung des Landes „bis EU-Fördergelder dort ankommen, wo sie tatsächlich sein sollen, geht dieses Geld einen zu langen Weg“.

Eine Lösung, so Krammer, sei die Steuerkompetenz und die Einnahmen-Ausgabenverantwortung in eine Hand zu legen sowie Verwaltungsstrukturen straffer zu gestalten.

An der Mentalität arbeiten

Auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer betonte, dass Österreich zwar das Potential zur wirtschaftlichen Nummer eins gehabt hätte, jedoch aktuell zunehmend an Attraktivität verliere. Gründe dafür seien nicht zuletzt ein ständiges Tauziehen zwischen den Sozialpartnern sowie der Föderalismus. Es fehle an einer wirtschaftlichen Aufbruchsstimmung. „In den USA ist das Bewusstsein, etwas aus eigener Kraft erreichen zu können, voll in der Gesellschaft etabliert. In Österreich blickt man auf Erfolg jedoch zunehmend mit Neid. Diese Grundhaltung ist schädlich für die Wirtschaft unseres Landes“, so Neumayer.

Lobende Worte fand Sabine Kirchmayr-Schliesselberger als Steuerrechtsexpertin für die gut funktionierende Steuerverwaltung Österreichs, kritisierte aber die hohe Abgabenquote durch einen schlecht geführten Staatshaushalt. „Der Faktor Arbeit ist in unserem Land überbelastet, im internationalen Vergleich kostet eine Stunde Arbeit zu viel.“

Warum braucht Österreich 9+1 Anwaltskammern?

Österreich, so Kirchmayer weiter, sei in der Verwaltung viel zu ineffizient geführt, was auch Jörg Zehetner unterstrich: „Es müssten sämtliche Strukturen auf ihre Effizienz hin überprüft und Ineffizientes abgeschafft werden.“ So sei laut Zehetner auch nicht einzusehen, warum in einem kleinen Staat wie Österreich beispielsweise 9+1 Rechtsanwaltskammern existieren müssten (Anm. d. Red.: 9 Länderkammern plus Dachorganisation ÖRAK).

Einig waren sich Neumayer und Zehetner in Bezug auf die im internationalen Vergleich hervorragend gelebte Rechtsstaatlichkeit in Österreich, was beide als unerlässliches Staatselement hervorhoben. Als klaren Nachteil kritisierte hingegen Möller die hohen Personalkosten und lange Bürokratiewege aus Sicht eines Wirtschaftstreibenden: „Wenn ich in einem Staat wie China mehr Freiheiten habe, wie ich mein Unternehmen führen möchte, als in dem demokratischen Österreich, dann läuft etwas falsch“, so Möller. Um wieder zu einer funktionierenden und florierenden Wirtschaft zu kommen, müsse das Vertrauen in die Unternehmer gestärkt werden.

Lobende Worte fanden die Diskutanten für die Bemühungen der Politik, einen längst überfälligen Pensionsautomatismus einzuführen (Berücksichtigung der steigenden
Lebenserwartung, Bonus – Malus – System für längeres oder kürzeres Arbeiten).

Und was ist mit „Österreich über alles?“

„Österreich über alles, wann es nur will“ ist der Titel eines klassischen Werks der Nationalökomie: Der österreichische Ökonom Philip Wilhelm von Hornick legte damit 1684 einige der Grundsätze des Merkantilismus nieder. Unter anderem argumentierte Hornick, dass die damalige Habsburger-Monarchie wirtschaftlich wesentlich besser dastehen und gar die Türkenbelagerung Wiens 1683 hätte verhindern können, wenn sie ihre Möglichkeiten – z.B. die Bodenschätze Siebenbürgens – besser ausgenützt hätte. Das, so Hornick, hätte nämlich ein stehendes Heer von 100.000 Mann ermöglicht.

Die Ziele der heutigen Wirtschaftspolitik sind friedlicher, doch von der Realisierung seines Potenzials ist Österreich immer noch weit entfernt, glaubt man den Diskutanten der KWR Corporate Lounge 2014.

Link: KWR

 

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