21. Nov 2014   Business

PwC: Europas Banken verkaufen deutlich mehr Kreditportfolios als 2013

Bernhard Engel ©PwC
Bernhard Engel ©PwC

Wien. Eine aktuelle Studie von PwC zeigt, dass in den ersten drei Quartalen 2014 Kreditportfolios mit einem Nominalwert von 67 Mrd. Euro von europäischen Banken verkauft wurden. Laut PwC-Schätzungen gibt es derzeit noch laufende Portfoliotransaktionen im Wert von weiteren 50 Mrd. Euro, die mehrheitlich bis Ende des Jahres verkauft werden könnten.

Somit könnten Europas Banken 2014 insgesamt Portfolios in Höhe von weit mehr als 100 Mrd. Euro veräußern. Im Vergleich: 2012 lag der Nominalwert von Kredittransaktionen bei insgesamt 46 Mrd. Euro, 2013 bei 64 Mrd. Euro. 

Gewerbliche Immobilienkredite dominieren derzeit das Transaktionsgeschäft, heißt es weiter: sie werden laut PwC-Schätzungen im Jahr 2014 etwa 50 Prozent aller Transaktionen ausmachen. Viele Transaktionen betreffen demnach notleidende Kredite, heißt es in einer Aussendung. Doch zunehmend sollen auch nicht notleidende Kredite auf den Markt kommen, da das Käuferinteresse im Steigen sei.

Neben verstärktem Interesse für nicht notleidende Hypotheken-Pools steigt der PwC-Studie zufolge auch jenes für nicht notleidende Firmenkredite, vor allem in den Risikoklassen BB bis B-. Die Kombination aus rascher Verfügbarkeit, eingebauter Risikodiversität und beträchtlicher Rückzahlungsrenditen sei für viele Fonds attraktiv.

Das immer größere Volumen an nicht notleidenden Vermögenswerten, die auf den Markt kommen, ziehe ganz unterschiedliche potenzielle Investoren an: Einige traditionelle Finanzinvestoren seien mittlerweile stark darauf konzentriert, ihre Finanzdienstleistungen europaweit breiter aufzustellen.

Darüber hinaus stellen die PwC-Experten fest, dass einige Banken Portfolioakquisitionen auch dazu nutzen, neue Kunden zu gewinnen. Weiterhin reges Interesse bestehe bei verschiedenen Staatsfonds, deren Einfluss auf den Markt bisher jedoch eher begrenzt sei.

NPL-Portfolio wächst kontinuierlich

„Das Transaktionsniveau hat dieses Jahr die Erwartungen klar übertroffen. Wenn man jedoch bedenkt, dass Schätzungen zufolge europäische Banken unerwünschte Vermögenswerte im Ausmaß von 2,4 Billionen Euro halten, sind diese Transaktionsvolumina immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Bernhard Engel, Partner und Leiter des Bereichs Financial Services Deals & M&A bei PwC Österreich.

So wachse auch das Non-Performing-Loan (NPL) Portfolio in Österreich und der CEE-Region weiter an. Bis Jahresende soll das Volumen auf 180 Mrd. Euro steigen, so Engel. Der Anteil notleidender Kredite bleibe dabei stabil bei 7 % für die CEE-Region und bei 3 % in Österreich.

EZB-Prüfung als Treiber

„Es hat umfangreiche Spekulationen darüber gegeben, wie stark die jüngste Asset Quality Review und die Stress Tests der EZB bestimmte Transaktionsvolumina beeinflusst haben. Eine gewisse Anzahl von Transaktionen wurde sicher durch diesen Review ausgelöst. Ich erwarte jedoch, dass wir in vielen Ländern – als Marktreaktion auf die wirtschaftliche Situation von Banken – zunehmend eine dringend erforderliche Restrukturierung des Bankensektors sehen werden“, so Engel. Für die nächsten Jahre rechnet er mit einem weiterhin hohen Transaktionsniveau.

Link: PwC Österreich

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