01. Dez 2014   Business Recht Veranstaltung

Sammler und ihr Einfluss auf den Kunstmarkt: Diskussion bei Dorda

Angermair, Hilger, Stadler, Fuchs, Matt, Falckenberg ©DBJ
Angermair, Hilger, Stadler, Fuchs, Matt, Falckenberg ©DBJ

Wien. Mit der neuen Veranstaltungsreihe >Clarity Talks< will die Sozietät Dorda Brugger Jordis aktuelle Themen aufgreifen: Diesmal stand mit dem Einfluss von Kunstsammlern auf den Kunstmarkt kein rechtliches, sondern ein vor allem kulturelles und kulturpolitisches Thema im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion, die in Kooperation mit der Vienna Art Week stattfand.

Über „Sammler und deren Einfluss auf den Kunstmarkt“ diskutierten:

  • Kunstsammler Harald Falckenberg aus Hamburg
  • Galerist Ernst Hilger
  • Kulturmanager und Kunstberater Gerald Matt
  • Rainer Fuchs, stellvertretender Direktor des mumok

Dorda-Partner Thomas Angermair (neben seiner arbeitsrechtlichen Tätigkeit auch für Expertise in Rechtsfragen aus dem Kunst- und Kulturbereich und für seine Sammlung von Werken des Malers Herbert Brandl bekannt)

ORF-Kulturredakteurin Clarissa Stadler übernahm die Moderation der Podiumsdiskussion.

Die Themen

Seit mehreren Jahren lasse sich beobachten, dass Sammler sehr stark an der Kunstproduktion mitwirken, heißt es bei der Kanzlei: Sie pflegen ein außergewöhnlich weites Netzwerk, propagieren Künstler und wirken an der Entstehung von Hypes mit. Welche komplexen Zusammenhänge stecken dahinter?

Die Diskutanten widmeten sich zunächst der Frage, welche Eigenschaften denn einen echten Kunstsammler auszeichnen. Ernst Hilger sieht die Leidenschaft und Freude an der Kunst als ganz starkes Bindemitglied unter den Kunstsammlern „diese Leidenschaft übt einen gewissen Magnetismus aus, man kennt sich gegenseitig und fühlt sich verbunden“, meint Hilger.

Gerald Matt zieht einen Vergleich zu den drei Grazien aus der griechisch-römischen Mythologie, Aglaia, Euphrosyne und Thalia, die für Eigenschaften stünden, mit denen auch die Motivation eines Sammlers beschrieben werden könne, nämlich Glanz, Frohsinn, Freude und Lust am Schönen.

Falckenberg hingegen meint, dass sich abseits von der hehren Freude an der Kunst bei manchen Sammlern auch die Frage stellt, was diese – frei nach Siegmund Freud – zu kompensieren hätten: „Ist es mangelnde Bildung? Scham über die ursprüngliche Herkunft?“, so Falckenberg provokativ.

Werden die Sammler zu mächtig?

Auf die Frage von Clarissa Stadler, ob es bedenklich sei, dass manche Privatsammlungen schon größer seien als jene von Institutionen öffentlicher Hand, sagte mumok-Vize Rainer Fuchs: „Kooperationen zwischen öffentlichen und Privatsammlungen gab es schon immer, denn beide sind an Öffentlichkeit interessiert.“

Schwierigkeiten sieht Fuchs in manchen Dauerleihgaben, denn diese führen unter anderem dazu „eine Vollständigkeit zu suggerieren, die nicht existiert“. Fuchs beklagt auch, dass Museen immer mehr Mittel lukrieren müssten, um ihre Bestände erhalten und ausbauen zu können. Es gelte sich vor den Begehrlichkeiten gewisser privater Förderer zu schützen.

Bekämen diese zu großen Einfluss, so führe dies zu einer Untergrabung der Autonomie und damit einer Verwässerung des kulturellen Auftrags, wie zahlreiche Beispiele aus den USA zeigten, so Fuchs. Diese Gefahr sieht auch Falckenberg, dessen Eindruck nach etwa in der Kunstmetropole New York City so gut wie alle Museen in Händen von Privatstiftungen seien, die wiederum von hochbetagten Gesellschaftsdamen kontrolliert würden, die auch starken Einfluss auf die Museen ausüben möchten, sagt Falckenberg.

Keine verhärtete Fronten zwischen öffentlichen Institutionen und Privatsammlern sieht Gerald Matt, denn sehr viele Museen hätten ihre Bestände ja aus Privatsammlungen rekrutiert. „Die Institutionen überleben uns alle“, so Matt, „letztlich sind alle privaten Sammlungen in Museen gelandet. Es ist nur eine Frage der Zeit!“ Matt glaubt auch nicht, dass Museen früher genügend Budget hatten. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten öffentliche Kunstinstitutionen Geldmangel beklagt.

Zyklen und Personen

Einen wesentlichen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Kunstsammlungen sieht Galerist Ernst Hilger darin, dass ein Sammler sein ganzes Leben seiner Sammlung widme, wohingegen in Museen Zyklen stattfänden, je nachdem, wer dort gerade Geschäftsführer sei und welchen Geschmack die Geschäftsführung jeweils habe. „Deswegen brauchen die Museen ja auch die Sammler“, sagt Hilger, “ denn nur diese können die Vielfalt sichern.“

Sammler könnten sich dem Ausbau ihrer Bestände viel kontinuierlicher widmen als Museen, „die Leidenschaft und persönlichen Kontakte der Sammler garantieren, dass eine Sammlung auch über 40 Jahre einen Bogen hat, der hält“, meint Hilger.

Nicht vergessen dürfe man laut Hilger all jene Sammler, die mit kleinem Budget die Kunstszene mit aufbauen helfen, denn aus diesen „kleinen“ Sammlern entwickelten sich oft jene großen Sammler, die dann den Markt beeinflussen. Allein Wien verfüge inzwischen über mehr als 100 Galerien und Off Spaces; dies sei ganz wichtig, denn sonst bestünde die Gefahr, dass es ein toter Markt sei und nicht einer, der sich immer wieder verändert und neu definiert.

Katholische Sammler bleiben lieber im Hintergrund

Einen Grund dafür, warum im Gegensatz zu den USA in Europa Private eher im Verborgenen sammelten, sieht Hilger in religiös bedingten Mentalitäten: In Ländern mit katholischem Hintergrund würden Sammler ihre Kunstwerke eher für sich behalten wollen, Protestanten hingegen sähen sich dazu verpflichtet, auch die Öffentlichkeit am Kunstgenuss teilhaben zu lassen.

Dem erteilten sowohl Angermair als auch Falckenberg augenzwinkernd eine Absage, sei doch im Calvinismus die Leidenschaft für das Schöne und die Freude an der Fülle längst nicht so verankert wie im Katholizismus, vielmehr seien doch Calvinisten eher für ihre Sparsamkeit bekannt.

Bei aller Leidenschaft für die Kunst und der Bereitschaft, für seine Sammlung auch größere finanzielle Mittel zu investieren, sei es doch wichtig, meint Angermair, sich nicht allzu eng an die eigene Sammlung zu binden. Der Sammler sei eine natürliche Person und als solche „mit Ablaufdatum versehen“. Daher sei wichtig zu überlegen, welchen Weg man langfristig mit der Sammlung beschreiten wolle und zeitgerecht die erforderlichen (rechtlichen) Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Link: Dorda Brugger Jordis

 

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