09. Dez 2014   Business Steuer

Weltweit sinkt die Steuerbelastung für Unternehmen – nur Österreich hat Pech, so PwC

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New York/Wien. Weltweit ist der Steueraufwand für mittelgroße Unternehmen im letzten Jahr geringer geworden. Das ist das Ergebnis der Studie >Paying Taxes 2015<, die von der Weltbankgruppe und dem Beratungsunternehmen PwC durchgeführt wurde. Eine deutliche Ausnahme ist Österreich, betont PwC.

Laut Studie ist weltweit außerdem der zeitliche Aufwand zur Erfüllung der Steuerverpflichtungen eines durchschnittlichen Unternehmens um vier Stunden zurückgegangen, auch die Anzahl der geleisteten Zahlungen ist im letzten Jahr geringer geworden. Dieser Trend war in jedem der zehn von dieser Studienreihe abgedeckten Jahre zu beobachten.

Österreich belege mit einer Total Tax Rate von 52 % Platz 72 von 189 Volkswirtschaften, die Steuerbelastung bleibe weiter überdurchschnittlich hoch, heißt es in einer Aussendung. Die Total Tax Rate in der EU liege bei 41 %, weltweit bei 40,9 %.

Reformen werden eingemahnt

Rudolf Krickl, Partner und Steuerexperte bei PwC Österreich: „Es braucht dringend Reformen in Österreich. Die Lohnnebenkosten sind überdurchschnittlich hoch, der Faktor Arbeit sollte entlastet werden.“

Die Steuergesetze in Österreich seien nach wie vor sehr komplex und regeln häufig Einzelfälle, so Krickl: Das Steuersystem sollte einfacher und transparenter werden, gleichzeitig sollten Ausnahmen und Sonderregelungen deutlich reduziert werden. Niedrigere Steuersätze bedeuten nicht automatisch niedrigere Steuereinnahmen für die Staatshaushalte, meint der Experte.

Die bevorstehende Steuerreform sei eine Chance, die dringend genützt werden sollte, damit unser „Steuersystem schlanker, transparenter und effizienter wird. Eine rasche Umsetzung sowie klare Schritte sind wünschenswert, denn die momentane Unsicherheit wirkt sich negativ auf den Wirtschaftsstandort Österreich aus“, so Krickl. „Gleichzeitig ist die Reduktion des Zeitaufwandes für Unternehmen im Rahmen der Abgaben- und Steuerverwaltung konsequent fortzuführen.“

In Österreich verbringt ein mittelgroßes Unternehmen den Angaben zufolge im Schnitt 166 Stunden mit der Erfüllung seiner Steuer- und Abgabenpflicht.

Vielerorts gab es Erleichterungen

Im Laufe der zehn von der Studie abgedeckten Jahre wurden den Angaben zufolge bei 78 % der 189 behandelten Volkswirtschaften zumindest einmal wesentliche Änderungen der Steuergesetzgebung durchgeführt.

Während dieses Zeitraums seien die benötigte Zeit, die Anzahl der zur Erfüllung der Steuerverpflichtungen erforderlichen Zahlungen ebenso wie der durchschnittliche Gesamtsteuersatz zurückgegangen.

Die Reduktion des Gesamtsteuersatzes war während der Finanzkrise von 2008 bis 2010 am stärksten ausgeprägt und betrug während dieses Zeitraums durchschnittlich 1,8 Prozentpunkte pro Jahr, so PwC. 2011 habe sich diese Reduktion dann verlangsamt.

Mehr Effizienz durch Online-Systeme

Die Durchschnittszeit, die ein mittelgroßes Unternehmen für seine Steuereinreichungen benötigt, sei in den zehn Jahren der Studie insgesamt um fast eineinhalb Wochen zurückgegangen, was durch den zunehmenden Einsatz elektronischer Einreich- und Zahlungssysteme weltweit zu erklären sei.

Von den 379 Steuerreformen, die in der Studienreihe Paying Taxes seit 2004 enthalten sind, bezogen sich 105 auf elektronische Einreichsysteme. 43 % der Länder haben bereits Online-Systeme, EU-weit sind es 90 %.

In Österreich wurde 2003 „Finanz Online“ eingeführt. Ziel dieses Online-Systems ist es, den Prozess für Steuerzahler zu vereinfachen. Krickl: „Die Finanzverwaltung ist sehr bemüht, den Zeitaufwand für Unternehmen, der in Zusammenhang mit der Abgaben-Steuerverwaltung steht, weiter zu reduzieren. Das Online-System wird laufend ausgebaut und verbessert, um hier in Österreich am Puls der Zeit zu sein. Diese Bemühungen werden in Zukunft noch mehr Verbesserungen und damit Zeitersparnis bringen.“

Die Studie erfasst den Angaben zufolge alle Pflichtsteuern und -beiträge, die ein mittelgroßes Unternehmen pro Jahr zu zahlen hat. Die erfassten Steuern und Beiträge beinhalten Gewinn- oder Körperschaftsteuer, vom Arbeitgeber zu zahlende Sozialversicherungsbeiträge und Steuern auf Arbeit, Vermögenssteuern, Grunderwerbsteuern, Dividendensteuer, Kapitalertragsteuer, Finanztransaktionssteuer, Müllgebühren, Kfz-Steuern und Straßenabgaben sowie weitere unbedeutendere Steuern und Gebühren.

Link: Paying Taxes 2015

 

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