10. Dez 2014   Steuer

Planungssicherheit ist wichtiger als Steuervermeidung, so Deloitte

Herbert Kovar ©Deloitte
Herbert Kovar ©Deloitte

Wien. Mehr Planungssicherheit bei Steuerthemen steht laut einer aktuellen Deloitte-Befragung auf der Wunschliste europäischer Führungskräfte ganz oben. Über die Hälfte (51 %) der Teilnehmer stufen Maßnahmen zur Steuervermeidung zwar als wichtig für ihre Finanzabteilung ein, gleichzeitig glauben 65 %, dass diese nicht ausschlaggebend für ihre Unternehmensführung sind. Großbritannien und die Niederlande erzielten Top-Platzierungen in Bezug auf Steuer- und Rechtssicherheit. Von Österreich wünscht man sich schnellere Rulings und beständigere steuerliche Rahmenbedingungen.

Im Rahmen der Deloitte European Tax Survey 2014 wurden Finanzdirektoren von 814 Unternehmen aus 29 Ländern zu den größten steuerlichen Herausforderungen und Vorteilen für den Standort befragt. Europaweit ist knapp die Hälfte der Befragten überzeugt, dass sich ein einfacheres Steuersystem positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts auswirkt, in Österreich sogar die große Mehrheit (74,1 %), heißt es in einer Aussendung.

Besorgnis wegen neuer Regeln

Im Jahr 2013 veröffentlichte die OECD den Base Erosion and Profit Shifting (BEPS) Action Plan, um Steuervermeidung entgegenzuwirken. 48,1 % der Befragten gehen davon aus, dass der BEPS Action Plan zu erhöhten Compliance-Kosten und zu aufwändigerer Dokumentation führen wird.

Wurden bereits Aktionen in Zusammenhang mit BEPS gesetzt, so fanden diese bei der Hälfte der befragten Steuerexperten im Bereich Verrechnungspreisdokumentation statt. Herbert Kovar, Partner im Bereich Tax bei Deloitte Österreich, begrüßt die großen Änderungsvorhaben der OECD, die umfassende Strategien für Länder erarbeitet, die von Base Erosion and Profit Shifting betroffen sind: „Die Änderungsvorhaben der OECD werden die Rechtssicherheit erhöhen, überhastete nationale Alleingänge – wie in Österreich bereits geschehen – werden aber das Gegenteil bewirken.“

Steuerstandort unter Druck

Eine höhere steuerliche Planungssicherheit halten 40,7 % der befragten Manager in Österreich für wettbewerbsfördernd, in Europa sind 48 % dieser Meinung. Laut Kovar ist hohe steuerliche Planungssicherheit einer der wichtigsten Faktoren eines erfolgreichen Wirtschaftsstandorts. „Da es in Österreich in den letzten Jahren zu einer Flut von Gesetzesänderungen kam, ist unser Land im internationalen Vergleich nicht mehr optimal positioniert.“

30 % der Befragten schätzen demnach die Rechtsunsicherheit in Steuersachen in Österreich als hoch ein und führen sie großteils auf die Schwächen des österreichischen Ruling-Systems sowie auf die häufigen Gesetzesänderungen zurück. Die Schweiz schneidet hier besser ab.

Wofür Steuerexperten die meiste Zeit aufwenden

Was die Deloitte-Studie auch zeige: Finanzexperten müssen Teamworker sein, denn an der Spitze des Zeitaufwands (70 %) bei allen Befragten liegt die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen innerhalb des Unternehmens. Auf Platz 2 (65 %) rangiert das allgemeine Tagesgeschäft zur Leitung der Unternehmensabteilung.

Bei den Befragten in Österreich verhält es sich mit 63 % bzw. 70 % genau umgekehrt. Auffällig bei den österreichischen Ergebnissen ist, dass 55,6 % der Teilnehmer das Thema Verrechnungspreise als Zeitfaktor nennen, heißt es.

Link: Deloitte

 

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