19. Dez 2014   Business

Wo Versicherer in Zentral- und Osteuropa die größten Wachstumschancen haben

Wien. Der Versicherungsmarkt in Mittel- und Osteuropa ist attraktiv, da die Versicherungsdichte – die Zahl der Polizzen pro Haushalt – nach wie vor weitaus niedriger ist als im Westen Europas. Doch es gibt auch Herausforderungen: neue Kundengruppen wie die online-affinen Generationen Y (bis 35 Jahren) und Z (unter 20 Jahre), die zunehmende Digitalisierung und neue Wettbewerber am Markt erfordern ein Umdenken der Branche, so das Beratungsunternehmen Roland Berger Strategy Consultants. Innovative Produktangebote und Vertriebskanäle seien hier zunehmend gefragt.

Roland Berger hat in der neuen Versicherungsstudie „Next Generation Insurance in Central Europe“ die Marktsituation für Versicherungsunternehmen in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Kroatien untersucht. Befragt wurden dazu mehr als 1.800 Privathaushalte.

Gute Wachstumsaussichten in Mittel- und Osteuropa

Vor allem im Bereich der Basisversicherungen können Versicherer in dieser Region in Zukunft weiter wachsen, heißt es in einer Aussendung. Denn viele Menschen haben hier immer noch keine klassischen Versicherungsverträge (Lebens-, Unfall-, Renten-, Kfz- oder Krankenversicherung) abgeschlossen.

Auch durch die Optimierung bereits abgeschlossener Policen könnten Anbieter ihre Prämien erhöhen. Denn oft sind Kunden in den untersuchten Ländern immer noch unterversichert.

Den größten Hebel für Versicherungsunternehmen stellen aber innovative Lösungen dar – zum Beispiel Versicherungsprodukte nach Bedarf, so genannte „Usage Based Insurances“ (UBI). „Solche Tarifmodelle basieren ausschließlich auf den individuellen Nutzungsgewohnheiten und Risikoprofilen der Kunden“, erklärt Adrian Weber, Experte für Finanzdienstleistungen im Wiener Büro von Roland Berger. „Kfz-Versicherungen eignen sich hierfür besonders gut, denn mithilfe moderner Technik kann das Fahrverhalten genau analysiert und der Versicherungstarif entsprechend gestaltet werden. Wer weniger oder sicherer fährt, zahlt weniger.“

Laut Umfrage könnten sich bis zu 15 Millionen Autofahrer vorstellen, auf Versicherungsmodelle nach Bedarf umzusteigen. „Internationale Anbieter sollten diesen Markt nicht außer Acht lassen“, rät Weber.

Digital Natives als größte Zielgruppe

Doch vor allem auf die Generationen der unter 35-Jährigen sollten Versicherungskonzerne in der CEE-Region setzen, heißt es: Diese werden bis 2025 etwa 60 Prozent der potenziellen Kunden ausmachen und vor allem Produkte und Dienstleistungen schnell und flexibel online kaufen.

Dabei sei es besonders wichtig, junge Kunden schon sehr früh an sich zu binden: Denn je älter Versicherungskunden werden, desto mehr seien sie bereit, Anbieter zu wechseln. Schließen rund 90 Prozent der 18-24-Jährigen Policen über die eigenen Vertriebskanäle der Versicherer ab, so sind es in der Zielgruppe der 25-34-Jährigen nur noch 47 Prozent. „Um junge Kunden für sich zu gewinnen, sollten Versicherer besonders auf eine einfache Vertragsabwicklung sowie auf transparente und preisgünstige Angebote setzen – vor allem online“, meint Weber.

Die immer stärkere Dominanz der Online-Vertriebskanäle zwinge Versicherer zu einer besseren Transparenz in der Tarifgestaltung sowie in der Kommunikation. Denn vor allem die junge Kundschaft informiere sich heute über Social Media-Foren und dezidierte Webseiten über mögliche Versicherungsangebote.

Preiswettbewerb wird gefördert

Auch die Gestaltung der Webseiten der Versicherer sollte nutzerfreundlich sein – insbesondere wenn es um einfache Produkte wie Sach- oder Kfz-Versicherungen geht. „Der Trend in Richtung Digitalisierung geht weiter“, sagt Weber. „So werden Verbraucher künftig Versicherungen in wenigen Minuten über Apps mobil abschließen können. Bei komplexen und beratungsintensiven Produkten wie Lebensversicherungen werden weiterhin der eigene Außendienst, Makler oder Banken Vorteile haben.“

Die hohe Preissensitivität jüngerer Kunden und die Möglichkeit, online schnell Tarife zu vergleichen, führen zu einem unaufhaltsamen Preiswettbewerb auf dem Versicherungsmarkt. Dienstleitungen werden so immer stärker standardisiert und kostengünstiger. Dies wirke sich negativ auf die Margen der Anbieter aus; eine Differenzierung vom Wettbewerb ist kaum mehr möglich. Um dennoch in den kommenden Jahren profitabel wachsen zu können, sollten Versicherungsunternehmen in Mittel- und Osteuropa ihre Geschäftsmodelle noch stärker an die individuellen Kundenbedürfnisse anpassen und eine Re-Fokussierung ihrer Vertriebskanäle anstreben, so Roland Berger.

Link: Roland Berger

 

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