22. Dez 2014   Business

Zahl der eröffneten Insolvenzen geht 2014 seitwärts: Ein vorläufiges Entspannungssignal

Hans-Georg Kantner ©Petra Spiola
Hans-Georg Kantner ©Petra Spiola

Wien. Im Jahr 2014 gab es laut KSV1870 exakt 3.267 eröffnete Unternehmensinsolvenzen – das ist genau um eine mehr als im Jahr 2013. Die Zahl der Verfahren, die mangels Vermögens heuer gar nicht erst eröffnet wurden, sank um knapp 2 Prozent auf 2.153. Die Gesamtzahl der Firmenpleiten beträgt somit 5.420, was einen Rückgang von 0,7 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Vor allem: die Verluste der übrigen Wirtschaft durch die Pleiten gingen massiv zurück.

All das ist Grund zur Freude, heißt es beim KSV – bloß dass die gute Laune wohl nicht anhalten werde.

Sowohl die Höhe der Verbindlichkeiten, als auch die Zahl der betroffenen Dienstnehmer ist laut Aussendung erheblich gesunken: Die Passiva liegen mit 2,9 Mrd. Euro um 54 % und die 21.000 betroffenen Dienstnehmer um 34 % unter dem Wert des Jahres 2013.

Damit scheint Österreich zu einem bekannten Trend rückläufiger Pleiten zurückzukehren, heißt es: Die Krise von 2008/2009 schien 2010 verdaut zu sein, als die Konjunktur zögerlich zurückkehrte und die Maßnahmen der Politik (Kurzarbeit und diverse Investitionsanreize) gegriffen hatten. Im 3. Quartal 2014 hatte es dann noch so ausgesehen, als würden die Insolvenzzahlen wieder steigen, doch das letzte Quartal brachte einen neuerlichen leichten Rückgang, sodass insgesamt die Zahlen sogar knapp unter Vorjahresniveau zu liegen kommen, so der KSV1870.

Grund zum Feiern?

Der leichte Rückgang der Insolvenzzahlen, verbunden mit einem deutlichen Rückgang der volkswirtschaftlichen Messgrößen Verbindlichkeiten und betroffene Arbeitsplätze sei ein Signal der Entspannung für die Wirtschaft.

Allein der Rückgang der Auszahlungen durch den IEF-Ausfallgeldfonds, der ja von der Wirtschaft gespeist werden muss, liege im hohen zweistelligen Millionenbereich. Bei einem Auszahlungsschnitt von rund 10.000 Euro pro betroffenen Dienstnehmer könnte dieser Rückgang sogar an die EUR 100 Mio. betragen, so der KSV.

Dazu kommt ein Rückgang der Überbrückungszahlungen des Arbeitsmarktservice und allfälliger Kaufkraftverluste, die in den Kassen heimischer Unternehmen spürbar werden.

Die Bedenken

All das wäre reichlich Grund zu feiern, wenn nicht die Wachstumsprognosen derzeit alles andere als rosig wären und sogar eine Rezession nicht auszuschließen ist, heißt es. Auch werde die Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand von Konsolidierungsbemühungen bestimmt und die Kauflaune der Privaten sei durch die eingetrübte Konjunktur gedämpft.

KSV1870 Experte Hans-Georg Kantner: „Die Bewältigung der Krisenphänomene nach dem 15. September 2008 mit der Lehmann Pleite hat in Österreich sehr gut funktioniert. Die niedrigen Zinsen seither haben viele private Haushalte veranlasst, Geld in Wohnraum zu investieren. Dies hat in den Jahren 2009 bis 2011 einen spürbaren Beitrag vor allem für das Bau- und Baunebengewerbe erbracht. Seither allerdings stagnieren sowohl die Ausgaben der privaten Haushalte, als auch der öffentlichen Hand. Ein kurzer Exportboom in den Jahren 2011 bis 2013 konnte vorübergehend helfen – seither entwickelt sich die österreichische Wirtschaft >lateral<.“

Der Blick auf die Branchen

Bei den Pleiten waren junge Unternehmen wie gewohnt überproportional stark betroffen; u.a. gelten die ersten fünf Jahre als kritisch.

War das Jahr 2013 überschattet durch eine Mega-Pleite im Baubereich (Alpine Bau Gruppe mit Passiva von 3,5 Mrd.), so ist das Jahr 2014 von einer Vielfalt an Branchen gekennzeichnet. Bei den Branchen Gastwirtschaft und unternehmensbezogene Dienstleistungen hat die hohe Zahl der Fälle vorrangig mit der Zahl der aktiven Betriebe zu tun. Auch in der Bauwirtschaft gibt es viele Sublieferanten und Baunebenbetriebe.

Vier der sechs größten Insolvenzfälle betrafen die Branche „unternehmensbezogene Dienstleistungen“: Der mit Abstand größte Insolvenzfall war eine Art Finanzdienstleister, gefolgt von einem Lizenzen-Vermarkter.

Der Ausblick

Für 2015 ruhen viele Hoffnungen der österreichischen Wirtschaft auf einer Erholung der Märkte in den USA und Fernost, so Kantner. Die Unsicherheiten der zentral- und osteuropäischen Länder werden aber auch leichte Verbesserungen in Übersee nicht kompensieren können. So ruhe viel Erwartung auf einer Investitionsinitiative der EU und einer möglichen Abkehr von der strengen Austerität hin zu einem doch nachhaltigen Belebungsprogramm für langfristige Investitionsgüter.

Der Trend zu abnehmenden Insolvenzzahlen sei 2014 alles in allem wohl gestoppt worden, und es sei im nächsten Jahr mit einem leichten Zuwachs im niedrigen einstelligen Bereich zu rechnen. Angesichts der derzeit wenigen und vor allem kleinen Insolvenzfälle sei dies aber definitiv kein Unheilszenario, sondern reflektiere das schwache wirtschaftliche Umfeld des Jahres 2014.

Link: KSV1870

 

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