Rasanter Aufholprozess bei Nutzung der e-Vergabe, so ANKÖ: Zahl der Verfahren im 1. Quartal 2015 verdreifacht

09. Apr 2015   Business Recht
Alfred Jöchlinger ©ANKÖ
Alfred Jöchlinger ©ANKÖ

Wien. Die Zukunft gehört der elektronischen Vergabe – das haben Unternehmen und öffentliche Auftraggeber erkannt, heißt es beim ANKÖ (Auftragnehmerkataster Österreich): Allein im ersten Quartal 2015 wurden über die e-Vergabeplattform des ANKÖ 112 Verfahren abgewickelt, was einer Verdreifachung gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht. Denn wie eine ANKÖ-Auswertung von mehr als 1000 Angebotsabgaben zeige, liegt ein großer Vorteil der e-Vergabe im Zeitgewinn.

EU-weit werden fünf bis zehn Prozent aller öffentlichen Auftragsvergaben elektronisch abgewickelt. Österreich lag bisher bestenfalls im Mittelfeld. Doch die Nutzung der e-Vergabe steigt rasant: Im Gesamtjahr 2014 wurden 140 Verfahren über die e-Vergabeplattform des ANKÖ abgewickelt. Heuer waren es allein im ersten Quartal schon 112 Verfahren. Das entspricht etwa einer Verdreifachung der Zahlen vom ersten Quartal des Vorjahres. „Öffentlichen Auftraggebern und Unternehmern wird offenbar immer mehr bewusst, dass der e-Vergabe die Zukunft gehört“, sagt dazu ANKÖ-Geschäftsführer Alfred Jöchlinger.

Bieterverhalten ©ANKÖ
Bieterverhalten ©ANKÖ

Schließlich müssen laut einer im Vorjahr veröffentlichten EU-Richtlinie bis 2017 sämtliche Bundesstellen die e-Vergabe anwenden, bis 2018 wird die elektronische Vergabe für alle Ausschreibungen öffentlicher Stellen verpflichtend, also auch für Länder, Gemeinden und Sektorenauftraggeber, wozu z.B. ÖBB oder Wiener Linien zählen. Diese verpflichtende e-Vergabe wird auch Teil der Novelle des Bundesvergabegesetzes 2016 sein.

Transparenz, Kostenersparnis und Zeitgewinn

Jöchlinger rät allerdings: „Je früher man sich mit der e-Vergabe vertraut macht und umsteigt, desto früher profitiert man von ihren Vorteilen.“ Dazu zählen mehr Transparenz durch eine automatische Protokollierung des Verfahrens, eine Ersparnis durch Wegfall von Papier- und Portokosten sowie ein großer Zeitgewinn. Letzteres zeige auch eine Auswertung von insgesamt 1.156 über die ANKÖ-Plattform eingelangten Angeboten: 82 Prozent der Angebotsabgaben erfolgten innerhalb der letzten 24 Stunden, mehr als 50 Prozent sogar innerhalb der letzten drei Stunden vor Ende der Frist:

„Die Unternehmen nutzen die Angebotsfrist voll aus und haben somit mehr Zeit, sich mit dem Angebot zu beschäftigen“, sagt Jöchlinger. Dennoch raten Experten, auch bei der e-Vergabe nicht bis zum letztmöglichen Zeitpunkt zu warten. „Es gibt dann keine Fehlertoleranz mehr“, so Jöchlinger. Oft werde zum Beispiel unterschätzt, dass der Upload einer großen Datei dauern kann. Und sollte tatsächlich einmal ein Fehler passieren, ist kein Spielraum mehr vorhanden für eine Korrektur.

Über den ANKÖ

Der Auftragnehmerkataster Österreich (ANKÖ) ist ein gemeinnütziger Verein (Trägerschaft: der Bund sowie alle neun Bundesländer, Städtebund, Gemeindebund, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer sowie die Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten). Zu den Leistungen zählt die >Liste geeigneter Unternehmer<, in der Unternehmen ihre Eignungsnachweise elektronisch hinterlegen und sich damit die Beifügung bei jedem einzelnen Ausschreibung ersparen, so eine Aussendung. Die Auftraggeber können somit auf Knopfdruck nachprüfen, ob alle Daten gemäß dem Bundesvergabegesetz vorhanden sind, wie es um die KSV-Bonitätsbewertung des Unternehmens steht, ob es auch keine Rückstände bei der Sozialversicherung hat oder wieviele Lehrlinge es beschäftigt.

Weiters führt der ANKÖ mit seiner Tochter ANKÖ Service Ges.m.b.H. das Eingabeportal zur Bekanntmachung von Aufträgen, das Vergabeportal zur europaweiten Suche nach öffentlichen Aufträgen sowie das e-Angebot zur elektronischen Angebotsabgabe.

Link: ANKÖ

 

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