Wien. Über Chinas gesellschafts- und wirtschaftspolitische Veränderungen und welche Auswirkungen diese für österreichische Unternehmen haben, diskutierten Martin Glatz (AußenwirtschaftsCenter Peking), China-Korrespondent Johnny Erling, Anwalt Georg Zanger von der Austrian Chinese Business Association, Andreas Feege (KPMG Deutschland) und Christoph Martinek (KPMG Österreich) bei der KPMG Veranstaltung „Chinas Zukunft – The new normal“.
In ihrer Einführung schildert Barbara Polster, Partnerin und Leiterin des China Desk KPMG Österreich, die Entwicklung der Volksrepublik mit einer zunehmenden Ausrichtung auf internationale Standards und den Bruch des bisherigen rasanten Wachstums der letzten 25 Jahre. Die Gesamtheit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen wird von der chinesischen Regierung als die neue Normalität zusammengefasst.
„Die neue Normalität ist ein Jahr alt. Im Mai 2014 verwendete Chinas Parteichef Xi Jinping erstmals die Formulierung, die inzwischen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken ist“, berichtet Journalist Johnny Erling, „Von der chinesischen Regierung werden die initiierten Maßnahmen als Sprung nach vorne verkauft und nicht als Korrektur, die sie eigentlich darstellen.“
Wachstumsrate halbiert
Das derzeitige Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) ist mit sieben Prozent nur halb so groß wie im Jahr 2007. Christoph Martinek, KPMG Senior Manager in Peking, sieht darin eine bewusste Steuerung des BIP seitens der chinesischen Regierung, die wiederum ausländischen Unternehmen zur Vorsicht rät.
So ergab eine Umfrage unter Mitgliedern der europäischen Kammer in China, dass jeder dritte Betrieb seine Investitionen erstmal zurückstellt. „Der Optimismus für positive Geschäftsaussichten geht weiter zurück und ist auf dem niedrigsten Stand seit vielen Jahren. Nur noch jedes zweite Unternehmen aus Europa betrachtete ihre Geschäftsaussichten in China optimistisch“, sagt Andreas Feege, Leiter China Practice bei KPMG.
Zunehmende Konkurrenz am Markt
Martin Glatz, Österreichischer Wirtschaftsdelegierter im AußenwirtschaftsCenter Peking, schildert neue Herausforderungen, denen sich österreichische Unternehmen konfrontiert sehen. „Es ist härter geworden, in China Geschäfte zu machen. Der Boom ist abgeflacht, der Konkurrenzdruck nimmt zu“, so Glatz zur veränderten Wettbewerbssituation. Weitere Herausforderungen für österreichische Betriebe sind höhere Lohnkosten sowie der steigende Konformitätsaufwand, den unter anderem umwelt- oder wettbewerbsrechtliche Regelungen mit sich bringen.
Eine positive Entwicklung hinsichtlich der Unternehmensgründung in China sieht der Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger, Präsident der Austrian Chinese Business Association. Unter anderem sind Firmenregistrierungen oder Einreisebestimmungen in den letzten Jahren deutlich leichter geworden. Trotzdem gibt er zu bedenken: „Die interne Organisation von chinesischen Betrieben ist für österreichische Unternehmen oftmals undurchschaubar, vor allem, wenn man die Sprache nicht spricht. Ich rate österreichischen Unternehmen unbedingt zu einem kompetenten Partner vor Ort“, betont Zanger.
Neue Wirtschaftsfelder im In- und Ausland
Um wirtschaftlich zu wachsen, erschließt China neue Geschäftsfelder. Dazu gehört die Popularisierung von Massensportarten wie Fußball oder Schisport. Wenn China Ende Juli die Abhaltung der Olympischen Winterspiele 2022 gewinnt, verspricht die Regierung aus 300 Millionen Chinesen ein Sportheer von Schi- und Eissportfans zu schaffen. Ähnliches ist für den Fußball geplant. Zehntausende Schulen müssen ihn als Sportunterricht anbieten.
„Natürlich geht es um Prestige und Weltgeltung, wenn China immer mehr internationale Sportturniere und Gipfelkonferenzen an sich zieht – aber auch um neue Wirtschaftszweige. Der Ehrgeiz der Führung und ihre von oben herab der Gesellschaft verordneten Initiativen bergen allerdings Gefahren. Sie überfordern die Gesellschaft“, so Erling.
Fast 50 Prozent des BIP kommen bereits aus dem Dienstleistungssektor. Zudem sei eine verstärkte Going-out Initiative zu verzeichnen, die Chinas Unternehmen dazu ermuntert über die Landesgrenzen hiweg zu investieren. „Aktuell zieht es chinesische Betriebe verstärkt ins Ausland, um sich Bauprojekte, Märkte und den Zugang zu Technologien für die nächsten Jahre zu sichern. Das Ziel lautet, die Überkapazitäten ins Ausland zu transportieren“, sagt Glatz.
Link: KPMG
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